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-- Lyrik
--- Gnadenbrot
Nannophilius - 02.10.2008 um 15:47 Uhr
Ich bin in Nordkorea geboren und bereits eine lecke Arche.
Meine Geschwister hinter dem Eisernen Vorhang leben noch.
Als Einsiedler diene ich im Süden der katholischen Kirche:
Predigten, Seelfürsorgen, Beichtabnahmen waren mein Leben.
Zur Zeit überfällt mich immer mehr ein leeres Gefühl doch,
Da ich in Bälde pensioniert werde. Meines Amtes enthoben
Bin ich nun abgeschrieben und knabbere bloß am Gnadenbrot.
Ohne Pflichte, Rechte lebe, sieche ich dahin bis zum Tod.
In absehbarer Zeit sollte ich leider meinem Nachfolger Platz machen.
Der Bischof erinnert mich bei jeder Gelegenheit an die nahe Ablösung.
Auch die ganze Gemeinde hat mit mir Wohlwollen, Nachsicht, Erbarmen.
Aber ich stehe noch am Ruder, habe etwas zu sagen, zu organisieren,
Verfasse noch die katholische Wochenzeitschrift, gebe aus die Losung.
Noch gelten meine Allwissenheit, Befugnisse, Absolutheit, mein Amen.
Sie sollte meine Predigt, Anweisung beherzigen, mir stets gehorchen.
Übrigens ist es leicht, sie im Namen Jesu Christi zu tyrannisieren.
Der_Stieg - 02.10.2008 um 20:12 Uhr
Das Bild der lecken Arche nehme ich mit. Ansonsten hat es mich gefreut, endlich mal wieder was von ihm zu lesen.
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