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-- Lyrik
--- Winterstarre

HelmutMaier - 05.01.2009 um 14:54 Uhr

Schlangenarmig verzwirbelt,
adrig verzweigt,
rindenstarrend abgeschottet
nach außen:
Baumgeäst-Grafik.
Struktur dominiert
die Substanz,
während das Eis
vorherrscht,
kristallin
bis ins Kleinste.




1943Karl - 05.01.2009 um 18:28 Uhr

Lieber Helmut,
dieses mit Worten gemalte Bild in Farben umgesetzt wäre auch großartig.
Gruß
Karl




1943Karl - 05.01.2009 um 18:32 Uhr

Zitat:

Lieber Helmut,
dieses mit Worten gemalte Bild in Farben umgesetzt wäre auch großartig. Als Gedicht sollte es m.E. aber nicht ganz so viele Eigenschaftsworte haben, auch wenn die das Erstarrte noch hervorheben.
Gruß
Karl




HelmutMaier - 05.01.2009 um 18:45 Uhr

Lieber Karl,

Danke für das (wenn auch nicht ungeteilte) Lob. Auf die Eigenschaftswörter möchte ich nicht verzichten, da sie sehr speziell zu der Beschreibung der Grafik zugeschnitten sind und nicht Allerweltswörter sind.

Liebe Grüße
Helmut




1943Karl - 06.01.2009 um 10:19 Uhr

Diese Nachricht wurde von 1943Karl um 10:21:22 am 06.01.2009 editiert

Lieber Helmut,
dass es sich nicht um Allerweltsworte handelt, finde ich durchaus positiv. Zu viele Eigenschaftsworte sind in der Lyrik eher grundsätzlich fragwürdig.
Aber ich sehe für deinen Text auch keine andere Lösung... Vielleicht doch: Was hältst du z.B. von Schlangenarme statt schlangenarmig?
Herzliche Grüße
Karl




HelmutMaier - 07.01.2009 um 23:07 Uhr

Danke für den konstruktiven Vorschlag, lieber Karl. Das werde ich mir durch den Kopf und den Bauch gehen lassen. Mal sehen, ob da was Vernünftiges rauskommt. Entschuldige, dass ich so spät überhaupt reagiert habe: Ständige DSL-Störungen.

Vorläufig nur liebe Grüße
Helmut




HelmutMaier - 08.01.2009 um 17:52 Uhr

Bevor ich mich weiter (bisher ohne Erfolg) verkünstele, mal eine Frage:

Sind das im folgenden Text von Hölderlin "zu viele Eigenschaftswörter"?.

Mit gelben Birnen hänget
Und voll mit wilden Rosen
Das Land in den See,
Ihr holden Schwäne,
Und trunken von Küssen
Tunkt ihr das Haupt
Ins heilignüchterne Wasser.




Der_Stieg - 08.01.2009 um 21:05 Uhr

Zitat:

Sind das im folgenden Text von Hölderlin "zu viele Eigenschaftswörter"?.

Es gibt kein Gesetz hierzu. Wär ja noch schöner.

Mit jungen, blonden, knackigen, erregenden Grüßen
...




HelmutMaier - 09.01.2009 um 14:45 Uhr

Hallo Der_Stieg,

Danke für die Entlastung! Das tut gut.
Doch soll die Entlastung nicht zu Lasten von Karl geschehen. Ich selber habe in meiner laienhaften Theorie der Lyrik ( http://www.maierlyrik.de/blog/theorie-der-lyrik/ ) Folgendes geschrieben: Es " hat Lyrik die Funktion, Alternativen aufzuweisen und (nach-)empfinden zu lassen und zu einer besseren Welt beizutragen.

Deshalb mag ich Vergleiche mit “wie” nicht so sehr, wenn genausogut davon ausgegangen werden kann, dass Identifikationen in den verglichenen Bildern, Gegenständen, Situationen, Begebenheiten usw. auftreten (könnten). Wenn aber davon n i c h t ausgegangen werden kann, finde ich wie-Vergleiche meistens platt."

Und Eigenschaftswörter (und Adverbien):vulgo ´Wiewörter´ sind ja letztlich nichts Anderes als Vergleiche mit ´wie´.

Nun ja, vielleicht muss man noch vorsichtiger formulieren beim Theoretisieren ...

Jedenfalls Dir und auch Karl besonders liebe Grüße
Helmut




1943Karl - 09.01.2009 um 17:03 Uhr

Lieber Helmut,
zunächst: es ehrt dich, dass du dich so nachhaltig mit Fragen zu deinem Gedicht auseinander setzt. Lyrik kommt von Lyra. Und Gedicht waren ursprünglich Texte, die zur Lyra gesungen wurden. Nicht zuletzt deswegen sind Wortmelodie und -rhythmus bei lyrischen Texten so wichtig. Der Hölderintext enthält zwar pro Zeile ein Adjektiv. Bei dir sind es - in deinem Gedicht
oft zwei eigenschaftsbezeichnende Wörter.
Und stelle dir die dann noch gesungen vor...
Gesungene Text sind bewegte Texte. Eigenschaften haben etwas Statisches.
Dabei habe ich nichts gegen deine zum Teil recht interessanten Wortschöpfungen gesagt.
Herzliche Grüße
Karl




HelmutMaier - 09.01.2009 um 18:32 Uhr

Komisch: Ich könnte mir´s sogar in meiner Fassung gesungen vorstellen. Ich bezweifle aber, dass das wirklich der Punkt ist. Lassen wir´s mal dabei, schlage ich vor.

Liebe Grüße
Helmut




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