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-- Lyrik
--- friedhöfliches
1943Karl - 17.08.2009 um 11:11 Uhr
warmer spätsommer regen
spült staub von grauen steinen
hier ruhen friedlich
in familiengrüften und reihengrab
hoffnung enttäuschter gewohnheiten
marmortrauerweiber wohl geformt
an antike säulenstümpfe gelehnt
warten auf frauen in witwenschwarz
überschütten aus gießkannen
stiefmütterchen obwohl es regnet
neben kindergräbern welken kränze
breiten verbleichende spruchbänder aus
in stiller trauer deine Nachbarin
zerrt ihren asthmatischen dackel weiter
der sein bein gegen das grabkreuz hebt
und ein kind will wissen
wo ist mein papa jetzt
birnenpalme - 17.08.2009 um 23:56 Uhr
Hallo Karl,
ich hätte den Dackel, der sein Bein gegen das Grabkreuz hebt, als Ende gewählt und das Kind, mit der Frage nach dem Papa, schon vorher eingebaut, weil der Dackel im wahrsten Sinne des Wortes den Höhepunkt "markiert". Aber das soll keine wirkliche Kritik sein, denn sie wäre unangemessen. Du hast ein ernstes Thema aufgegriffen, wieder schön schnörkellos mit Biss, und irgendwie doch einfühlsam. Gut gelungen.
Liebe Grüße, Wolfgang
1943Karl - 18.08.2009 um 18:14 Uhr
Lieber Wolfgang,
deine Anregung nehme ich gern an.
Herzlichen Dank dafür und Gruß
Karl
HelmutMaier - 18.08.2009 um 18:27 Uhr
Da kommen der Friedhof und seine Nutzer ja ziemlich schlecht weg. Ich sehe da eigentlich mehr Bewältigung von Unbewältigbarem als Berechtigung für Spott. Aber gewiss muss auch diese Seite beleuchtet werden.
Liebe Grüße
Helmut
1943Karl - 19.08.2009 um 19:12 Uhr
Ach, lieber Helmut, das sehe ich anders. Warum sollen auf einem Friedhof nicht auch die kleinen alltäglichen Probleme weiterleben.
Die Toten können doch auch damit ruhen?!
Ich finde es immer befreiend, wenn auf einer Beerdigung gelacht wird.
Herzliche Grüße
Karl
birnenpalme - 19.08.2009 um 22:32 Uhr
Hallöchen,
selbst ich, als bekennender Spötter, sehe hier niemanden, der schlecht wegkommt. Mich berührt die Irrationalität einer trauernden Frau sehr wohl, die die Grabblumen gießt, obwohl es doch regnet. Es offenbart sich letztendlich die Sinnfrage unseres Handelns zu Lebzeiten. Dem unmenschlichen Hund, und das ist finde ich absolut genial, ist das urinegal.
Liebe Grüße, Wolfgang
1943Karl - 21.08.2009 um 17:51 Uhr
Hallo Wolfgang,
das sehe ich wie du. Mir ging es im übrigen darum zu zeigen, dass auch nach dem Tod der Alltag weitergeht, denn der Tod ist alltäglich...
Gruß
Karl.
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