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--- Die Schönheit der großen Stadt - Ausstellung

ArnoAbendschoen - 05.04.2018 um 15:38 Uhr

Der naiv oder unzeitgemäß erscheinende Titel der Ausstellung im Berliner Ephraim-Palais lässt einiges befürchten: ein vielleicht betuliches Sammelsurium, das mit Beliebigkeit jeden irgendwie zufriedenzustellen sucht, Einheimische wie Berlin-Touristen, kunstgeschichtlich wie historisch Interessierte. Doch die Sorge erweist sich beim Besuch der Ausstellung schnell als unbegründet. Sie ist ebenso hervorragend kuratiert wie umfassend. Ihr Titel ist ein Zitat, so hieß ein 1908 erschienenes Buch des Philosophen und Architekten August Endell, der in den Einführungstexten zu den Einzelthemen regelmäßig zitiert wird. Endell hat sich seinerzeit theoretisch wie praktisch mit der Ästhetik der sich entwickelnden modernen Großstadt befasst, Forderungen erhoben und Anregungen gegeben.

Die Ausstellung ist thematisch, nicht chronologisch gegliedert und präsentiert je Raum einen Aspekt (z.B. Blicke von oben, Nacht, Arbeit, Mensch in der Großstadt) und dazu Werke aus bis zu eineinhalb Jahrhunderten. Die Maler setzen sich jeweils mit ihren künstlerischen Mitteln und Interessen mit der zu ihrer Zeit aktuellen Stadt und deren Bild auseinander. Das reicht von Eduard Gärtners preußisch-biedermeierlichen Stadtansichten über die Zeugnisse der rasant expandierenden Gründerzeit, die Impressionen von der großen Krise der Zwischenkriegszeit oder aus der Zeit der Teilung bis hin zu Bildern des noch andauernden Bau- und Umbaufiebers seit 1990. Neben großen Namen wie z.B. Kirchner, Beckmann, Kokoschka, Vostell, Fetting und eher regional bedeutenden Größen wie etwa Lesser Ury, Baluschek, Nagel, Koeppel sind viele Maler vertreten, deren Namen das große Publikum nicht oder nicht mehr kennt. Ein Rundgang durch die Säle auf zwei Etagen wird so zu einem Streifzug ebenso durch die Kunstgeschichte wie durch die Stadthistorie. Beide spiegeln sich ineinander, das ist der größte Vorzug der Ausstellung. Wir erleben, wie das Geschichtliche, die Hauptströmungen der Kunst und die individuelle Persönlichkeit des Künstlers zusammenwirken. Regelmäßig wird zu einzelnen Werken auf Vorbilder oder Parallelen hingewiesen. Die präsentierten gut hundert Bilder sind ganz überwiegend aus den Beständen des Stadtmuseums Berlin, zu dem das Ephraim-Palais gehört.

Die sehr lohnende Ausstellung wird noch bis zum 26. August 2018 gezeigt. Ort: Poststraße 16, 10178 Berlin (am Rand des Nikolaiviertels, U-Bahn Klosterstraße).




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