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--- Ausstellung Norbert Bisky in Berlin

ArnoAbendschoen - 14.11.2019 um 18:05 Uhr

Ausstellungsort ist die St. Matthäus-Kirche im Berliner Kulturforum, ein nach Kriegszerstörung in vereinfachter Form wiederhergestellter Stüler-Bau, genauer gesagt: die Decke des Gotteshauses. Der Besucher betritt es und sein Blick richtet sogleich auf die rund 40 Gemälde dort oben (zum Teil Fotokopien). Die großformatigen Werke aus jüngerer Zeit vermitteln unmittelbar einen Eindruck von außerordentlicher Farbigkeit, ihre Expressivität wirkt fast fröhlich. Oder sollte man sagen: ekstatisch? Euphorisiert? Wer Massen von Blau, vor allem helleres, liebt, dazu viel Rot oder Orange, er wird entzückt sein.

Die Hängung ist freilich problematisch. Die Bilder an der Decke sind einerseits zu dicht gedrängt und andererseits wiederum zu weit vom Betrachter entfernt. Beide Umstände erschweren es, ein einzelnes Bild oder gar dessen Details mit Muße zu studieren. Auch die beiden Spiegel auf dem Kirchenboden schaffen keine wirkliche Verbesserung. Ob man den Kopf in den Nacken legt oder nach unten starrt – es fehlen das uns angeborene normale Geradeausschauen und der optimale Abstand zum Objekt. Daher das Folgende nur unter Vorbehalt. (Und der Hinweis auf alte Freskomalerei an Kirchendecken geht fehl: Dort waren Architektur und Malerei kompositorisch und inhaltlich aufeinander bezogen. Davon kann hier keine Rede sein.)

Soviel glaubt der Betrachter doch zu erkennen: dass da einer über reiche Ausdrucksmittel verfügt und sie sicher beherrscht. Er fühlt sich an Rainer Fetting und auch an Neo Rauch erinnert. Bisky malt ein bisschen wie ein jüngerer Bruder von Neo Rauch, dann wie unter dem Einfluss stimmungsaufhellender Substanzen. Die Ausstellung heißt POMPA, lateinisch für Geleit. Der ausliegende Begleittext: „ … bezeichnete im alten Rom religiöse Festprozessionen mit Götter- und Ahnenbildern. Welchen Göttern huldigen wir heute? Welche Bilder prägen heute unser kulturelles und religiöses Gedächtnis?“ Mir scheint, diesem anspruchsvollen Programm wird die Ausstellung dann doch nicht in vollem Umfang gerecht. Gewiss bezieht Bisky sich auf eine Vielzahl zeitgeschichtlicher und aktueller kultureller Phänomene, oft stark verrätselt, gelegentlich auch der Gehalt fast zu offen zutage liegend – eine „fingierte Himmelslandschaft“ ergibt die Zusammenstellung nicht. So bleibt der Eindruck eines zwar spektakulären, nur nicht recht geglückten Experiments. Sein Grundwiderspruch: entrückende, überhöhende Präsentation von Werken, die sich auf uns sehr Nahes beziehen.

Man würde insofern gern einmal unter besseren Voraussetzungen untersuchen, welche innere Stimmigkeit ein jeweils einzelnes Bild aufweist. Nun gibt es zeitgleich eine Parallelausstellung Biskyscher Werke in der Potsdamer Villa Schöningen (Titel: RANT). Da kann man es erneut versuchen.

Ort der Berliner Ausstellung: St. Matthäus-Kirche, Matthäikirchplatz, 10785 Berlin. Läuft noch bis 16.2.20.




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