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--- Gendern - die Sexualisierung unserer Sprache

Kenon - 10.01.2021 um 18:24 Uhr

Die “Genderer” von Menschenbezeichnungen versuchen, ihre linguistische Ideologie durch die Behauptung zu legitimieren, dass der in der deutschen Sprache herkömmlich gebrauchte generische Singular und Plural Menschen weiblichen Geschlechts und Menschen, die sich selbst als nicht-binär verstehen, ausgrenzen würde. Sie behaupten also, dass ein Satz wie “Die Zuschauer waren begeistert und klatschten” nur Zuschauer männlichen Geschlechts - sprich mit Penis als primärem Geschlechtsmerkmal - meint oder “Ich gehe zum Arzt / Bäcker” auf jeden Fall ausschließt, dass Arzt oder Bäcker weiblich sein könnten. In der spezifischen “besseren” Schreibweise sind sich die “Genderer” nicht immer einig, aber sie würden den ersten Satz zum Beispiel lieber so schreiben: “Die Zuschauer*:innen waren begeistert und klatschten”, das würde dann auch Menschen mit Vagina als primärem Geschlechtsmerkmal oder Menschen, die sich weder als männlich noch weiblich sehen, “mitmeinen”. Es wäre “inklusiv”. Dass Gendern unästhetisch und grammatikalisch oft falsch ist, die Kommunikation erschwert, in Druckform sogar umweltschädlich ist, weil es Texte länger macht, als sie sein müssten, habe ich an anderer Stelle bereits ausgeführt. Aufgrund neuerer gesellschaftlicher Entwicklungen (Duden: “Wie der Duden heimlich gegendert wird”, ÖRF: “Seit Dezember 2020 gibt es im SWR den Leitfaden Gendersensible Sprache für die Programme und Angebote des SWR et. al.) musste ich mich leider noch einmal damit beschäftigen.

Um es schnell auf den Punkt zu bringen: Gendern ist die problematische Lösung eines erfundenen Problems. Das Wort “gendern” selbst ist ein Euphemismus für das Sexualisieren von Sprache, weil es das Geschlecht krass in den Vordergrund rückt, indem es die Spaltung der Menschheit in zwei Geschlechter + X bei jeder möglichen Gelegenheit thematisieren möchte. Man könnte auch “geschlechtern” dazu sagen, das wäre erstens kein Anglizismus und zweitens semantisch passend, weil es neben dem Wort “Geschlecht” auch “schlecht” enthält und an “verschlechtern” erinnert. Ich definiere also weiter: Gendern ist eine sexualisierte Verschlechterung unserer Sprache, die uns von seinen Verfechtern als unabwendbarer Fortschritt verkauft wird. Wer da nicht mitmacht, wird schnell abgestempelt und in die rechte Ecke gestellt. Ist denn nicht auch Alice Weidel gegen das Gendern? Dann muss Gendern ja gut sein.

Was sind die Argumente der Genderer, wenn man mit ihnen diskutiert? Neben dem oben bereits angeführten Hauptargument wird es schnell sehr flach: Gendern ist neu und damit fortschrittlich. Man schreibt jetzt halt so. Gewöhne Dich daran. Argumente also wie aus einer x-beliebigen Diktatur: Sei still, mache es auch so wie “alle”. Oder: Oft hätten nur ältere Menschen etwas dagegen, für die jungen sei das schon normal. Oder: Ich würde es “einfach” nicht verstehen.

Wenn Gendern nicht so gepusht werden würde - von Verlagen wie Suhrkamp oder inzwischen auch vom Duden, Universitäten (werden Studenten tatsächlich zum Gendern gezwungen???) und Behörden und den zwangsfinanzierten deutschen Rundfunkanstalten, könnte man es einfach als lächerliche Kinderei abtun - als ich jung und noch etwas dümmer als jetzt war, habe ich selber hin und wieder gegendert. Es gibt einem das billig erkaufte Gefühl, im Sinne einer “besseren” Welt zu schreiben. Statt es Kinderei zu nennen, könnte man, da ja die ganzen eben genannten mächtigen und sprachliche Gewalt ausübenden Institutionen involviert sind, allerdings auch von Sprachterrorismus sprechen. Wie begegnet man Terrorismus? Mit Liebe, und da Liebe allein nicht reicht, auch mit Magie:

“*:innen, *:innen, geh von hinnen”.




ArnoAbendschoen - 10.01.2021 um 21:59 Uhr

Ja, Studenten werden gezwungen! Mir ist ein konkreter Fall aus jüngerer Zeit von der Berliner Humboldt-Universität bekannt: Student liefert gegen Ende seines Studiums wissenschaftliche Arbeit ab - Professorin verweigert Annahme, da Text nicht gegendert, obwohl dies für das bearbeitete Thema völlig belanglos - Text wird mit Wut im Bauch umgeschrieben und Studium bald darauf erfolgreich abgeschlossen. Der Fall belegt deine Formulierung vom "Sprachterrorismus", und zwar einer von oben = Machtmissbrauch.

Gegenmittel? Unter "Liebe" kann ich mir jetzt noch nichts vorstellen. Magie, die lächerlich macht, ist mir sympathisch. Und dann immer wieder auf die permanenten Widersprüche und negativen Konsequenzen aufmerksam machen. Ich habe mal woanders einen BGB-Paragraphen gegendert, als abschreckendes Beispiel. Ich suche es mal.

Bis dahin
Arno Abendschön




Kenon - 10.01.2021 um 22:53 Uhr

Vielen Dank für das Beispiel. Ich hatte bisher nur Hinweise zum Genderzwang an Universitäten gefunden, bei denen ich mir nicht ganz sicher sein konnte, wie weit ihnen zu trauen sei. Ich bin kein Jurist, aber rechtlich dürfte das hoffentlich anfechtbar sein, wobei es sich in unserer post-schröderschen Prekariatsgesellschaft, in der selbst Jahrgangsbeste erst einmal in ein Praktikum gezwungen werden, bevor sie einen richtigen Job ausüben dürfen, sicherlich die wenigsten leisten können, tatsächlich dagegen vorzugehen. Die Beispiele, von denen ich hörte: 1) ein Student schrieb eine nicht gegenderte Arbeit noch schnell um, damit sie überhaupt akzeptiert wird und produzierte so etliche sprachliche Fehler, 2) Studenten schrieben aus Protest ihre Arbeit gleich auf Englisch, damit sie dem Genderzwang entgehen.

Türkisch wäre auch eine Alternative, weil dort die Pronomen und meisten Nomen genderfrei sind. Wird vermutlich nicht akzeptiert, obwohl Türkisch noch einfacher als Englisch ist und das Zeug zu einer besseren Weltsprache hätte. Aber das Türkische widerlegt eine andere halbseiden-marxistische Mär, die von den Genderern heutzutage gern ins Feld geführt wird: Die Sprache sei Spiegel der Machtverhältnisse. Demnach müsste die Frau in der Türkei dem Mann ziemlich gleich gestellt sein - oder nicht?

Abschließend noch eine "Entgenderungsanekdote" aus den sozialen Medien:

Was ist das?

☃️

Logisch, eine Schneeperson.

Kein*e/r fühlt sich ausgegrenzt. Nie*man/fraud muss weinen. Alle haben sich lieb.

Sowieso.

Denn wie jed*e/r weiß: Schneemänner sind A****l*ch*:innen.




Kenon - 11.01.2021 um 23:37 Uhr

Im Prinzip ein alter Hut, weil es schon seit vielen Jahren erhältlich ist, aber es gibt für Chrome und Firefox mit “Binnen-I be gone” tatsächlich ein Browser-Plugin, das gegenderte Sprache auf Webseiten in besser lesbare Normsprache zurückverwandelt.

Hier eine Nutzerrezension:

Zitat:

als schlaganfall betroffener mit wortfindungsstörung und verstehen von gelesenem text eine große hilfe. ich verstehe nicht das schon alleine unter dem gesichtspunkt der barriere freiheit gegen den schwachsinn opponiert wird




ArnoAbendschoen - 12.01.2021 um 14:29 Uhr

Mal von mir ausprobiert: der Anfang von § 308a ZPO zunächst im Original, dann in vier gegenderten Versionen:

Original:

Erachtet das Gericht in einer Streitigkeit zwischen dem Vermieter und dem Mieter oder dem Mieter und dem Untermieter wegen Räumung von Wohnraum den Räumungsanspruch für unbegründet, weil der Mieter …

Gegendert neu:

a) Erachtet das Gericht in einer Streitigkeit zwischen dem Vermieter oder der Vermieterin und dem Mieter oder der Mieterin oder dem Mieter oder der Mieterin und dem Untermieter oder der Untermieterin wegen Räumung von Wohnraum den Räumungsanspruch für unbegründet, weil der Mieter oder die Mieterin …

b) Erachtet das Gericht in einer Streitigkeit zwischen dem oder der Vermietenden und dem oder der Mietenden oder dem oder der Mietenden und dem oder der Untermietenden wegen Räumung von Wohnraum den Räumungsanspruch für unbegründet, weil der oder die Mietende …

c) Erachtet das Gericht in einer Streitigkeit zwischen VermieterIn und MieterIn oder MieterIn und UntermieterIn wegen Räumung von Wohnraum den Räumungsanspruch für unbegründet, weil MieterIn …

d) Erachtet das Gericht in einer Streitigkeit zwischen Vermieter:in und Mieter:in oder Mieter:in und Untermieter:in wegen Räumung von Wohnraum den Räumungsanspruch für unbegründet, weil Mieter:in …

Das Problem liegt hier darin, dass wir es im Original kurz hintereinander mit fünf generischen Maskulina zu tun haben und dem mehrfachen Alternieren von und / oder. Alle denkbaren Genderlösungen sind unbefriedigend. Auch die weiteren Lösungen mit * usw. fallen nicht besser aus.

Bei den Alternativen ist außerdem die Verwendung von substantiviertem Partizip I in b) grammatikalisch falsch. Und in Version d) liegt bei mündlichem Vortrag der Verdacht des Stotterns nahe. Viel Spaß im Juraseminar und in Gerichtssälen!




Kenon - 12.01.2021 um 22:25 Uhr

Ein sehr anschauliches Beispiel, Arno. Gerade die Rechtswissenschaft möchte ja gern mit richtigen präzisen, eindeutigen Texten arbeiten - mit Genderei scheint es schwer möglich zu sein.

Die Radfahrenden hattest Du neulich schon im anderen Beitrag als Kommentar angeführt, ich habe noch einmal dazu recherchiert.

Zitat aus dem Spiegel:
Zitat:

Berlin führt die Statistik weiter an, mit 5,4 schwerverletzten oder toten Radfahrenden pro einer Million zurückgelegter Fahrten, gefolgt von London mit 4,5 und Paris mit 1,9.

Gut, schwerverletzt mag man vielleicht noch Radfahren können - aber tot? Nur im Horrorfilm.

Hier ist übrigens eine gute Alternative zum Gender-Duden:
https://www.dwds.de
Richtiger, übersichtlicher und sogar noch weniger kommerziell.




ArnoAbendschoen - 23.01.2021 um 17:49 Uhr

https://www.tagesspiegel.de/politik/in-eigener-sache-die-tagesspiegel-redaktion-gibt- sich-leitlinien-fuer-geschlechtergerechte-sprache/26834766.html#kommentare

Verlinkt wegen der vielen überwiegend scharf ablehnenden Kommentare. (Anklicken: "Alle Kommentare anzeigen".) Ist die Auflage noch nicht genügend runtergegangen?




Kenon - 23.01.2021 um 19:38 Uhr

Ich bin gestern über den ersten gegenderten Artikel im Tagesspiegel gestolpert. Ich dachte: Oh, Gott, die jetzt also auch! Der erste Gender-Störer war bereits ein voller Erfolg: Ich habe sofort aufgehört, den Artikel zu lesen. Ich kann zum Glück selber darüber entscheiden, was ich mir lesend antue.

Den von Dir verlinkten Artikel habe ich heute morgen überflogen, da gab es noch keine Kommentare, oder ich habe sie nur nicht gefunden. Danke für diesen Hinweis.




ArnoAbendschoen - 19.03.2021 um 17:59 Uhr

Als Materialien zusätzlich jetzt: a) E-Mail von mir an den RBB vom 15.3.21 und b) dessen Antwort vom 19.3.21

Sehr geehrte Damen und Herren,

seit zwölf Jahren bin ich Stamm-Zuschauer der „Abendschau“ und habe in dieser langen Zeit nur wenige Sendungen verpasst. Das Magazin hat mir als Informationsquelle durchaus zugesagt. Ich werde die Sendung in Zukunft aufgrund der stark veränderten Sprache meiden.

Das Gendern überlagert mehr und mehr den Informationsgehalt der Beiträge. Addiert man allein die inflationär angehängten weiblichen Endungen mit entsprechender Wiederholung („Bürger und Bürgerinnen, Wähler und Wählerinnen“ usw.), kommt man pro Sendung gewiss auf zwei verlorene Sendeminuten. Als Zuschauer ertappe ich mich oft dabei, statt auf die Sachinformation auf die Sprachform zu achten. Das Gendern kann ja aus Gründen der Praktikabilität nicht konsequent durchgehalten werden und so ist es aufschlussreich, wann darauf verzichtet wird: in der Regel bei eher negativ besetzten Begriffen, z.B. bei „Täter“ oder bei „Steuerzahler“. So interessant solche Beobachtungen sind, sie lenken regelmäßig von der Sache ab.

Ihre Interviews verkommen inzwischen oft zu schlechtem Kabarett. Häufig verschlucken die Interviewten die weibliche Endung, deuten sie nur an. Dann hört man, auch aus Senatoren- oder Bürgermeistermund: „Bürger- und Bürger, Wähler- und Wähler“ usw. Noch fataler ist der Eindruck, wenn der Gesprächspartner sich übergewissenhaft und sehr verkrampft bemüht, nur nichts falsch zu machen. Dann rattert dieselbe Formel (z.B. „Schülerinnen und Schüler“) nicht selten fünfmal in weniger als sechzig Sekunden herunter - ermüdend. Mein Fazit dann: Hier wird überwiegend leeres Stroh gedroschen.

Vollkommen unverzeihlich finde ich es, wenn professionelle Journalisten beim Gendern bewusst grammatisch falsches Deutsch verwenden. Wie oft gebrauchen Ihre Redakteure das substantivierte Partizip II entgegen seiner klaren Bestimmung. Die deutsche Sprache unterscheidet nicht zufällig und willkürlich zwischen Mitarbeitern und Mitarbeitenden usw. Diesen Bedeutungsunterschied einzuebnen, heißt: aktiv Sprachverarmung zu betreiben.

Der Zweck heiligt nicht die Mittel. Sie verärgern gegenwärtig viele Ihrer treuesten Zuschauer und vertreiben nicht wenige von ihnen. Ich werde zukünftig lokale Informationen allein aus der Presse beziehen. Über Gedrucktes lässt sich leichter hinweglesen und ein einzelner Artikel im Internet lässt sich bei Missfallen schneller wegklicken als ein TV-Programm wechseln.

Mit freundlichen Grüßen


Sehr geehrter Herr ***,

vielen Dank für Ihre E-Mail und Ihre kritischen Zeilen zur Umsetzung gendergerechter Sprache.

Der Diskurs um gendergerechte Sprache findet selbstverständlich auch bei uns im rbb statt.
Aus Sicht des rbb - und damit sendungsübergreifend - kann ich Ihnen mitteilen, dass sich der rbb viele Gedanken zur geschlechtergerechten Sprache macht. In den Nachrichten sprechen wir das Gender-Sternchen bei unserm Hörfunksender "Fritz" seit dem 1. September 2020 und auch bei "radioeins" können Sie hin und wieder "Hörer*innen" hören.
Es gibt im rbb ein breites Bewusstsein für das Thema, aber absichtlich keine senderweite Leitlinie. Denn wir machen Programm für ganz unterschiedliche Zielgruppen, die naturgemäß auch unterschiedliche Zugänge zu diesem Thema haben. Einzelne Redaktionen nutzen das Gender-Sternchen, das sogenannte Binnen-I sehr wohl, auch im geschriebenen Wort, bei anderen ist dann eher von „Hörerinnen und Hörern“ oder „Zuschauerinnen und Zuschauer“ die Rede. Je nach Redaktion wird dies unterschiedlich umgesetzt. Insgesamt lässt sich im rbb eine grundsätzliche Bewegung hin zu geschlechtergerechter Sprache feststellen.
Sprache ist im Wandel und so ist es nur folgerichtig, dass sich auch der rbb dieser Diskussion nicht verwehrt. Dabei steht bei uns an erster und oberster Stelle, dass unser Publikum uns versteht. Das bedeutet, dass wir immer wieder über die leserfreundlichste und akustisch am besten verständlichste Art diskutieren.
Insbesondere in den vergangenen Wochen haben wir uns vermehrt in unserem Programm mit dem Thema der gendergerechten Sprache befasst und den Diskurs sowohl im Fernsehen, als auch im Hörfunk abgebildet. Insbesondere in den sozialen Medien sind daraus sehr intensive und vielfältige Diskussionen entstanden.
Wir scheuen keinesfalls den Austausch mit unserem Publikum. Alle Publikumsrückmeldungen – so auch Ihre – werden von uns gelesen und intern ausgewertet und besprochen.

Freundliche Grüße

Ria Neidenbach
Service-Redaktion


Mein Fazit: Auf meine konkrete Kritik wird nicht eingegangen, stattdessen ein wortreich vernebelnder Standardtext übermittelt.




Kenon - 19.03.2021 um 18:55 Uhr

Ein wunderbar pointierter Leserbrief! Vielen Dank, dass Du ihn hier geteilt hast. Natürlich ist es bedauerlich, wenn Du nur eine Standardantwort erhalten hast, aber das mag auch ein Hinweis darauf sein, dass sie zu diesem Thema sehr viele Einsendungen erhalten. Möglicherweise wird Dein Brief tatsächlich in der Redaktion diskutiert, man kann es nicht wissen. Komplett ignorieren wird der ÖRR die Rückmeldungen nicht können, deswegen ist es wichtig, dass sie gemacht werden und man als Empfänger nicht einfach nur still resigniert.

Vor ein paar Tagen hat der ÖRR mal eine Volontärin zum Thema zu Wort kommen lassen, um ein wenig Dampf aus dem Kessel zu nehmen. Ihr kurzer Original-Beitrag wurde aber durch dümmliche Soundeffekte fast schon sabotiert.

Julia Ruhs: „Viele junge Frauen sind gegen das Gendern“

Auf Twitter hat sie fast nur positives Feedback dafür bekommen; nach meinen Beobachtungen stach lediglich ein Kollege besonders negativ heraus ...




ArnoAbendschoen - 01.04.2021 um 17:58 Uhr

Was dich interessieren könnte, Kenon, falls noch nicht bekannt: Der Rat für deutsche Rechtschreibung hat am 26.3.21 weitere Empfehlungen veröffentlicht. Sie stärken zunächst unsere Position und bemängeln manches von uns hier auch schon Kritisierte. Kostprobe aus Anlage 1:

Zitat:

Bei der Umsetzung geschlechtergerechter Sprache und Schreibung in Unternehmen oder Verwaltungen bleiben grammatische Fragen zumindest partiell unberücksichtigt. Daraus ergeben sich für die geschriebene Sprache Folgeprobleme, die im Sprachsystem des Deutschen zu grammatisch nicht korrekten, die Verständlichkeit beeinträchtigenden Lösungen führen (s. Liste Orthografisch nicht normgerechte Wortbildungen).

Gerade diese Liste (Anlage 2) hat es in sich.




Kenon - 02.04.2021 um 00:03 Uhr

Danke, Arno. Die Nachricht selbst hatte mich schon erreicht, die große Suchmaschine kennt ja meine Interessen und hält mir entsprechende Artikel unter die Nase. Die Quelle hatte ich mir allerdings nicht angeschaut, was ich jetzt gern nachgeholt habe:

Geschlechtergerechte Schreibung (Rat für deutsche Rechtschreibung)

1) Es ist natürlich begrüßenswert, wenn eigentlich anerkannte Experten einmal festhalten, wie sie aktuell praktiziertes Gendern in der deutschen Sprache einordnen und dabei zu einer ablehnenden Einschätzung kommen.

2) Allerdings übernehmen sie bei dieser Einschätzung das Framing, dass die Gendersprache “geschlechtergerecht” wäre, was ja bereits Teil des Problems ist.

3) Meine eigene Einschätzung: In der Praxis wird die Empfehlung des Rechtschreibrates kaum Auswirkungen haben, da Gendern eine Ideologie ist, die sich nur an ihren eigenen Wertmaßstäben orientiert. Wer gendert, bringt die Sprache als Opfer dar, weil er / sie / es / xier / dier / xies (ich habe bestimmt noch mindestens 70 verschiedene neuartige Pronomen vergessen) “Geschlechtergerechtigkeit” als höheres Ziel ansieht. Was kümmern da Regelwidrigkeiten, formale Fehler und alles andere, was dagegen spricht?

Zitat:

Ziel ist es zudem, die Einheitlichkeit der Rechtschreibung in allen deutschsprachigen Ländern zu erhalten.

Die Gendersprache hat bereits zu einer Spaltung der Kommunikation in der deutschen Sprache geführt. Aus meiner parteiischen Sicht ist überall dort, wo die Gendersprache praktiziert wird, verlorenes Territorium. Ich habe dazu keinen Zugang mehr; es könnte genauso gut ein anderer Planet sein, auf dem da gesprochen und geschrieben wird. Das mag von Befürwortern beabsichtigt sein, widerspricht aber krass ihrer vorgeblichen “Inklusionsabsicht”.




Kenon - 29.04.2021 um 23:48 Uhr

Nachrichten von 2017 können für manche auch 2021 noch eine Neuigkeit sein:

Frankreichs Premier verbietet Gender-Schreibweisen (welt.de)

Zitat:

Schwer lesbare „genderneutrale“ Schreibweisen von Wörtern gibt es auch in Frankreich. Jetzt hat der Pariser Regierungschef es seinen Beamten untersagt, diese Schreibungen zu benutzen.

Französisch habe ich nie gelernt, aber wenn ich die Beispiele sehe, können wir noch froh darüber sein, was man bei uns mit der deutschen Sprache anrichtet:

Zitat:

Da werden aus den Abgeordneten „les deputé·e·s“ und aus den Wählern „les électeur·rice·s“




ArnoAbendschoen - 12.05.2021 um 11:05 Uhr

Das Neueste aus Frankreich, falls noch nicht bekannt:

https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/frankreich-verbietet-schriftlich es-gendern-an-schulen-17332003.html?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE




Kenon - 13.05.2021 um 13:13 Uhr

Im zuvor verlinkten FAZ-Artikel gibt es auch eine Abstimmung:

Von momentan 47.286 Teilnehmern stehen 77% der Gendersprache stark ablehnend gegenüber, 7% nehmen eine neutrale Position ein und 16% finden sie gut.

(Frage: "Finden Sie eine gendersensible Sprache gut?")

In staatlichen Institutionen, insbesondere Bildungsanstalten, sollte die amtliche Rechtschreibung eingehalten werden, daher begrüße ich die französische Entscheidung, schriftliches Gendern an Schulen zu verbieten.




Kenon - 14.05.2021 um 22:51 Uhr

Ich verlinke mittlerweile nur ungern zur Berliner Zeitung, aber dieses Interview mit dem Linguisten Peter Eisenberg (geb. 1940 in Strausberg, Mitglied im Rat für deutsche Rechtschreibung) ist mit das beste, was mir bisher zum leidigen Thema Gendern untergekommen ist:

Zitat:

Wenn ich das versuchsweise ernst nehmen würde bei einem Satz wie: Die Streicher und Bläser der Berliner Philharmoniker gehören weltweit zu den besten, dann wird daraus: Die Streichenden und die Blasenden der Berliner Philharmonikerinnen und Philharmoniker gehören … Das ist kein Deutsch. Es ist einfach absurd zu behaupten, dass die Partizipiensubstantive generell verwendbar seien. Die haben ihre gute Bedeutung. Wenn ich sage: Die Mitarbeitenden werden das Ziel der Klasse erreichen, dann ist das etwas völlig anderes, als wenn ich sage: Die Mitarbeiter von Audi werden Erfolg haben. Der Unterschied ist offensichtlich.

Quelle: Linguist Peter Eisenberg: „Die Genderfraktion verachtet die deutsche Sprache“ (Berliner Zeitung)




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