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--- Endlich Frühling in Berlin

Kenon - 22.04.2021 um 23:27 Uhr

In Berlin wird endlich Frühling. Auf den Bänken im Rummelsburger Zamenhofpark versammelt sich an immer lustigerer Luft in die Jahre gekommenes aber deswegen nicht weniger trinkfreudiges Mannesvolk, jedoch hauptsächlich und selbstverständlich um sein sonst ungebrauchtes Esperanto zu pflegen; so gern ehrt man den Namensgeber. Nebenbei bestaunt man das bunte Blumengut der Gärtner und die griesgrämigen Passanten, die das frivole, öffentlich vollzogene Brauchtum von ihren Gesichtern klar ablesbar verachten.
Der Park ein paar hundert Meter weiter südlich ist der ehemalige Städtische Friedhof von Rummelsburg. Hier befinden sich auf einem schmalen, eingezäunten Streifen an einem seiner Ränder die Gräber von 315 Kriegsopfern, 142 davon aus dem Jahr 1944, 103 von Anfang bis Mitte 1945. Die Wiederholungen von Nachnamen bei gleichem Todesdatum lassen auf Familientragödien schließen. Achtruth, Feigel, Grewatsch, Liecke, Unruh, Weiland usw.; manche Familien wurden dem Anschein nach auch in zwei Stufen ausgelöscht. Zeit zum Trauern.
Durch den Park tollen Hunde. Die Mülleimer sind bis zu zwei Dritteln mit ihrem Kot gefüllt. Man achtet auf Ordnung.
Eine weibliche Amsel treibt ein wildes Spiel im Gras.




ixchel - 02.05.2021 um 14:26 Uhr

Na du Träumer.... ;-) Gabs denn da nicht auch ein Grabstein mit ´Frühling´ ? Denn ehrlich gesagt, ich habe so das Gefühl, dass der auch noch kurz vor Kriegsende erschossen worden sein muss...!
Da ich ja Widder bin, ist mir die Frühlingszeit die liebste von allen Jahreszeiten, die eh irgendwann alle am Ende der 80ziger auch irgendwo ihr jähes Ende gefunden haben müssen....
Aber sollte dir Herr oder Frau Frühling doch noch über den Weg laufen, dann schickse Mal nach Charlottenburg vorbei.... ;-)




Kenon - 02.05.2021 um 16:05 Uhr

Die Todesursachen können ja vielfältig sein, es kann sich um Bombenopfer und am Ende des Krieges neben tödlichen Verwundungen durch Landeinheiten auch um Suizide gehandelt haben; ich habe die Schicksale nicht weiter recherchiert, nur darüber nachgedacht, was mir die Sterbedaten ganz grob sagen.

Der diesjährige Frühling ist in der Tat bisher etwas mau ausgefallen, aber es gab auch schon ein paar sonnige Stunden. Ich freue mich bereits, dass es nachts nicht mehr friert und ich keine Angst um meine Aussaaten auf dem Balkon haben muss.

In einer Woche sollen in Berlin 21 Grad sein. Nichts dagegen!

Gruß von Lichtenburg nach Charlottenberg – oder wie diese Bezirke halt heißen.




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