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--- Woche der Meinungsfreiheit

Kenon - 30.04.2021 um 21:41 Uhr

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V. hat für die Zeit vom 3. bis zum 10. Mai 2021 eine Woche der Meinungsfreiheit ausgerufen:

Zitat:

Debatte, Austausch, Argument und Gegenargument – und das alles mit Respekt vor dir, mir und uns! Gemeinsam wollen wir während der Woche der Meinungsfreiheit mit der Charta der Meinungsfreiheit sowie Aktionen, Veranstaltungen und Projekten ein Bewusstsein schaffen und offen diskutieren. Sei dabei, engagiere dich, mit deiner eigenen Idee oder mit anderen, denn nur zusammen können wir zeigen: Meinungsfreiheit ist #mehralsmeinemeinung.

Teil des Projektes ist auch eine aus 11 Punkten bestehende Charta der Meinungsfreiheit, die man öffentlich unterzeichnen kann; einige markante Punkte daraus:

Zitat:

1. Meinungsfreiheit ist ein universelles Menschenrecht und als solches nicht verhandelbar. Jeder Mensch hat das Recht, die Meinungsfreiheit für sich in Anspruch zu nehmen.

5. Hetze und Hass werden nicht von der Meinungsfreiheit gedeckt, sondern beschädigen sie. Die Meinungsfreiheit endet da, wo die Würde eines Menschen angegriffen wird.

10. Gewaltausübung gegen Andersdenkende durch physische und psychische Einschüchterung, Drohung und finanzielle Druckmittel ist unzulässig.

Disclaimer
Ich habe den Börsenverein des Deutschen Buchhandels nicht gründlich auf verdächtige Querverbindungen untersucht, aber eine kurze Internet-Recherche nach “Börsenverein des Deutschen Buchhandels rechts” ergab keine Treffer, sein deutscher Wikipedia-Eintrag sieht sauber aus (die Edit-Historie konnte ich in der Kürze nicht überprüfen), allerdings erschien im Jahr 2015 ein verdächtiger Artikel mit der Überschrift Anmeldung für Querdenker jetzt möglich im vereinseigenen Börsenblatt, auch von Vor- und Nachdenkern ist dort die Rede. Ein Bezug zur Pandemie ließ sich jedoch nicht herstellen – und die Charta ist nach meinem Erwägen einfach eine gute Sache, deswegen gehe ich hier geradewegs ins Risiko und mache auf sie aufmerksam.




ixchel - 01.05.2021 um 01:16 Uhr

Meinungsfreiheit - Hhmmmm, da fällt mir ein, dass genau diese Meinungsfreiheit gerade in unserem Teutschland, zwar verbrieft ist, aber machste wirkjlich Gebrauch davon, wie man grad Mal wieder an der Aktion #allesdichtmachen sieht, wird es zwar nicht verboten, aber überall wird der Hammer rausgeholt und die Köpfe sollen rollen. Diffrenzierung nicht mehr möglich! Pauschale Aburteilung und Ausgrenzung folgt prompt. Selbst die Journalisten vom Öffel-TV schlagen vom hohen Mainstream Ross runter auf die Meinungsfreidenkenden.. Traurig! Ich hatte schon oft das Problem, mich nicht zu trauen, genau offen darüber zu schreiben, was ich denke, bzw. mich selbst frage. Schon anno dazumal und es ist heute noch so... Na ja, vielleicht veröffentliche Mal einen Text hier im Rahmen dieser Meinungsfreiheits Tage/Woche ;-) LG Gert



Kenon - 02.05.2021 um 00:29 Uhr

Das im März 2021 veröffentlichte Manifest “Für die offene Gesellschaft” war bisher an mir vorbeigegangen, der Regisseur Dietrich Brüggemann erwähnte es kürzlich bei einer Talkrunde in der Sendung “SternTV” (Wir können so nicht weitermachen). Zu diesem Manifest gibt es auch einige bemerkenswerte Kommentare von Personen des öffentlichen Lebens, der von Jörg Phil Friedrich sticht nach meiner Auffassung besonders heraus:

Zitat:

Gerade für brisante gesellschaftliche Diskussionen sollte das Prinzip der nachsichtigen Interpretation gelten, das zuerst davon ausgeht, dass der Diskussionspartner zwar eine andere Perspektive hat, aber für seine Sicht der Welt auch plausible Gründe angeben kann. Wenn diese mir fremd sind, sollte ich zunächst versuchen, die Perspektive zu verstehen, statt Dummheit oder böse Absicht zu vermuten. Der Irrtum kann auch bei mir liegen.

Quelle: Manifest für die offene Gesellschaft (freitag.de)

Zu der Schauspieler-Aktion gibt es eine sympathische Einschätzung der NRW-Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen (parteilos), sie befand,

Zitat:

die Schauspieler-Aktion sei vom Grundrecht auf Meinungsfreiheit und der künstlerischen Freiheit gedeckt - ebenso wie die Reaktion der Kritiker grundsätzlich von der Meinungsfreiheit gedeckt sei. Dies habe aber Grenzen bei Anfeindungen, Einschüchterungen oder Androhungen körperlicher Gewalt. Andererseits gelte auch: «Wenn eine künstlerische Arbeit provoziert, andere Menschen verletzt oder schlicht missglückt, dann muss man sich eben auch einer sehr heftigen Kritik stellen und diese ertragen - und auch den Beifall von der falschen Seite.»

Quelle: #allesdichtmachen: Landtagslagerkampf um Meinungsfreiheit (zeit.de)




ixchel - 05.05.2021 um 22:32 Uhr

Diese Nachricht wurde von ixchel um 22:36:15 am 05.05.2021 editiert

Na ja, diese Dinge == " Dies habe aber Grenzen bei Anfeindungen, Einschüchterungen oder Androhungen körperlicher Gewalt." == konnte ich bei der Aktion #allesdichtmachen nicht entdecken. Und dass die Querdenker Szene da aufgesprungen ist, war ja nicht kalkulierbar und entwürdigt ja auch nicht die Aktion der ´Künstler´ finde ich. Ist halt Pech und grundsätzlich ist es so, wer sich selbst mit Aussagen in die Öffentlichkeit bringt, muss mit Kritik rechnen, ob nun berechtigt oder nicht... ;-) Das ist der ganz normale Wahnsinn, vor allem in diesem Land ;-)
Ich finde die Aktion gut und auch sinnvoll und keinem von dene unterstelle ich, dass sie damit die RAbeit von Pflegepersonal oder Ärzten torpedieren. Für mich hat das eine überhaupt nichts mit dem anderen zu tun. Das eine ist eine gefährliche krankheit und das andere ist die nackte Existenz. Beide Ängste haben ihre Berechtigung!




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