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-- Lektüregespräche
--- Februar 2022

ArnoAbendschoen - 09.02.2022 um 11:16 Uhr

CARL STERNHEIM, dargestellt von Manfred Linke

Da die Lieferung eines bestellten Buches sich um Tage verzögert hatte, griff ich erneut zur rororo-monographie über Carl Sternheim. Seine Biografie ist unter einem Aspekt besonders fesselnd: Er selbst ist zutiefst geprägt von dem, was er an der Gesellschaft seiner Zeit scharf analysiert und voller Zorn literarisch oder dramatisch bekämpft. Man könnte ihn einen antibürgerlichen Bourgeois nennen oder einen wilhelminischen Anti-Wilhelministen. Er verachtet z.B. den bürgerlich-kapitalistischen Materialismus und kann sich als Autor erst durchsetzen, nachdem er eine Millionenerbin geheiratet, mit ihren Mitteln eine schlossähnliche Villa bei München hat bauen lassen und sie zum gesellschaftlichen Mittelpunkt macht. Auf der Basis der so geknüpften Verbindungen wird er zum Erfolgsautor der "Komödien aus dem bürgerlichen Heldenleben". Die spätere Scheidung von Thea Sternheim hat dann auch viel mit Geld zu tun. Ideologisch spannt er für sich eine Brücke, die Nietzsche und Bergson mit Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg verbindet und auf Dauer nicht trägt.

Um nicht missverstanden zu werden: ich finde die Stücke seiner mittleren Periode großartig und als Person fasziniert er mich auch durch diese geistige innere Widersprüchlichkeit, die etwas hochgradig Exemplarisches hat.

Wenn als nächstes das inzwischen eingetroffene Buch gelesen ist, nehme ich auch wieder einmal die erwähnten Komödien aus dem Regal.




Kenon - 10.02.2022 um 00:19 Uhr

Zitat:

Wenn als nächstes das inzwischen eingetroffene Buch gelesen ist,

Wenn es sich um das handelt, was ich vermute, bin ich gespannt.

Danke für das Lebendighalten der Tradition.




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