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von der ersten zelle
Autor: Itzikuo_Peng · Rubrik:
Kurzgeschichten

was haben sie gestern um 19:59 uhr gemacht? weiß nicht; vermutlich habe ich wie immer versucht, mich gegen die erste zelle aufzulehnen. waren sie erfolgreich? weiß nicht; wie immer, wenn ich versuche, mich gegen die erste zelle aufzulehnen, bin ich vermutlich gescheitert. wieso versuchen sie, sich gegen die erste zelle aufzulehnen? weiß nicht; vielleicht, weil mir alles so unertraeglich ist, dass ich nach gruenden fuer die unertraeglichkeit suche und nach mitteln, wie ich die unertraeglichkeit ertraeglich machen kann. wie machen sie das, sich gegen die erste zelle auflehnen? weiß nicht; irgendwie versuche ich, gegen die unertraegliche unertraeglichkeit in mir anzugehen, die ich zurueckfuehre auf die erste zelle. wie kann ich mir das vorstellen, das angehen gegen ... das? weiß nicht; vielleicht so: nach stunden, tagen, manchmal wochen der ... nennen wir es: das normale funktionieren, vielleicht? hm? ... also wochen oder monaten des normalen funktionierens (nein, monate ist uebertrieben. so lange funktioniere ich normalerweise nicht normal) steigt in mir was auf: mein puls rast, aber das kommt nicht vom herzen, das rasen, das kommt irgendwo ausm kopp, ich zittere, ich bin das zittern, und ich muss was gegen machen: rauchen, saufen, weiber virtuell anbaggern, bestenfalls was schreiben. bin ich schlau, gehe ich schwimmen und versenke das zittern in hundert bahnen brust mit anschließendem kochen im hot whirl pool (kost 50 zenz extra pro sitzung). aber das vergesse ich oft, das mit dem schwimmen und dem whirlpool. dann sitze ich da, zittere, und kein buch, kein film, keine musik, kein forentrollen im netz nuetzt mir was. habe ich glueck in meinem zittrigen sitzen, und ich schaue zufaelligerweise aus dem fenster (anstatt auf medienkram) und es taucht ein gartenrotschwanzmaennchen auf, setzt sich auf die waescheleine hinterm haus, dann kann es passieren, dass ich meinen zustand einfach vergesse und mir ein: «ein gartenrotschwanz!» entfaehrt. wissen sie, wie schoen gartenrotschwanzmaennchen anzuschauen sind? aehm, also so spontan, nein. darf ich mal zwischenfragen: meinen sie nicht, dass sie mit bewegung was ... gegen die erste zelle? niemals! ich koennte rennen zu fuß von hamburg ueber berlin nach belgrad, weiter nach wien paris, mit der faehre nach ... egal wohin: kaeme ich an, bliebe immer das zittern.

wollen sie jetzt schon die diagnose? nein. gut, ich haette auch keine. aber das mit dem schwimmen und dem whirlpool ist doch schon mal ein ansatzpunkt, meinen sie nicht? nur, solange ich im wasser bin. erstmal wieder draußen, dauert´s nicht lange, und das zittern der unertraeglichen unertraeglichkeit kriecht wieder in mir hoch. und das pulsrasen ... haben sie sich in letzter zeit mal den blutdruck messen lassen? ja, ich gehe regelmaeßig zu den vorsorgeuntersuchungen, alles normal. haben sie schon mal einen neurologen aufgesucht? ja, habe ich. aber die medikamente machten mich so muede, da ließ ich sie lieber weg. und mit den medikamenten war das zittern weg? ja. also, mit verlaub: warum belaestigen sie mich, wenn sie wissen, wie sie ihr zittern wegbekommen? weiß nicht; vielleicht weil ich denke, dass medikamente nicht die wirkliche waffe gegen die erste zelle sind. aber wenn´s doch hilft? weiß nicht; ich glaube, sie verstehen nicht, worauf ich hinauswill. wenn sie es mir erklaeren moechten? ich meine: wenn ich doch nicht einmal weiß, ob meine erste zelle nicht einem reptil entstammt: wie soll ich dann gegen meine unertraegliche unertraeglichkeit ernsthaft vorgehen koennen?

(pause)

und wenn ich sage: sie muessen gar nicht gegen die erste zelle angehen? heißen sie sie willkommen, umarmen sie sie in liebe und dankbarkeit, sonst waeren sie ja nicht da. manchmal denke ich, das waer besser. was? dass ich nicht da waere. hm, dann koennten sie sich aber nicht das gartenrotschwanzmaennchen auf der waescheleine hinter ihrem haus anschauen. es ist nicht mein haus, ansonsten haben sie schon recht. und sie koennten nicht rauchen und bier trinken – sagte ich bier? wie kommen sie darauf? – trinken … was trinken sie denn? – manchmal einfach gruenen tee in ueberdosierung – … und weiber anbaggern. auch wieder wahr. haben sie kinder? nein. moechten sie welche? schon, bin ja noch jung. na dann machen sie doch welche. danke fuer den tipp, ich fange gleich damit an. wie waer´s mit uns beiden? so habe ich das nicht gemeint. aber sie, sie finden doch bestimmt ... das hieße ja, die erste zelle weitertragen ... die wird auch ohne sie weitergetragen ... also sie sagen da was ... ich empfehle ihnen die kaltakquise im schwimmbad: baggern sie! baggern! los! heute noch! vielleicht eine rueckenschwimmerin? (zueckt zettel und stift) muss ich mir aufschreiben, sonst vergesse ich es. was, das mit dem baggern? nein, was mir grad einfiel: transformieren des bekaempfenwollens der ersten zelle in geil-zittriges, hoechstfrequenzpulsiges besteigen einer rueckenschwimmerin mit der folge, dass – um was ging´s eigentlich eben? weiß nicht; ich glaube, sie wollten ins schwimmbad. aber machen sie keinen mist; sie wissen ja: die gesetze. aah!, das war´s, genau. was mache ich eigentlich bei ihnen? weiß auch nicht; vergessen sie nicht die freiwillige spende ins rosa schwein im warteraum. wenn sie moechten, jederzeit wieder; aber rufen sie bitte vorher an. kommen sie mit? nein, ich habe noch so drei wie sie auf dem block. aber fangen sie mir nicht das zittern an, hahaha, so im zimmer von morgens bis abends mit lauter zittrigen, hahaha. (steht auf) ich danke ihnen. (haendeschuetteln, verlassen des hauses)

auf dem bordstein steht ein gartenrotschwanzmaennchen im gleißenden, rußschwangeren fruehlingssonnenlicht und aeugt. «glotz nicht so bloed», sagt er und geht heim, seine schwimmsachen holen.

-

bonus

sagt das grsm: «kann ich was fuer, dass ich nicht wie ein zaunkoenig singen kann?» sagt der-der-bis-vor-kurzem-noch-versuchte-sich-gegen-die-erste-z elle-aufzulehnen: «von singen war nicht die rede. allein ich werde nicht gerne so angeglotzt.» sagt das grsm: «gut, ich guck ja schon weg. wie findest du meinen roten schwanz?» «willst du mal meinen sehen?» grsm: «fuid.» (fliegt desinteressiert off)

bonus ii

verstaerktes posten von fotograffitien von graffiti in blogs zu verzeichnen. meint das grsm: «wuerden sie sich mal lieber mich angucken.» meint ddbvknvsgdeza: «das ist dasselbe.» fragt das grsm: «inwiefern?» antwortet ddbvknvsgdeza: «aidez.¹»

bonus iii

im schwimmbad: gaehnende leere. niemand da außer dem bademeister und ddbvknvsgdeza. verdammt, denkt ddbvknvsgdeza und reißt seine hundert bahnen brust ab, verdammt. das grsm ueberfaehrt der lkw aus heiner-klaus mcdoodles tagebuch, ddbvknvsgdeza kocht im pool, und die begattungsfaehigen rueckenschwimmerinnen sitzen (allesamt!) inszeniert im kino und stopfen popcorn in sich (manche auch chips oder weingummi). ein kind liest die rostroten schwanzfedern des grsms auf, um sie daheim an seine trophaeenwand zu pinnen (was man findet, darf man behalten); ddbvknvsgdeza verkocht jegliche weiterreichungsgabe der ersten zelle umwhirlpoolt im schrumpelbeutel, und so ist schließlich alles wieder so, wie es schon immer war und wohl auch sein soll.

bonus iv

also doch wieder der stuhl der tisch das fenster die drossel (um die uhrzeit) der fast-vollmond (hab´s nachgeschaut) zwischen den baeumen durch (schon schoen) die tasten und: soll ich jetzt wirklich ein gedicht ueber den mond schreiben? mond / mond / dein schadensfreiheitsrabatt laesst sich / nicht mehr errechnen / du hast / in der zeit / einfach keine chance mehr.

uhr kuehlschrank tisch stuhl glas tasten aufstehen holen (was) setzen seufzen und da ist es wieder: hatte dich schon vermisst, zittern der ersten zelle.

____________________
1. alles ist die erste zelle.



Erstabdruck (ohne Bonus-Absätze) in Zeitschrift Wortschau Nr. 11 www.wortschau.com

im Buch Mathilde in Fetzen https://www.bod.de/buchshop/mathilde-in-fetzen-thomas-laessing-9783748116653


Einstell-Datum: 2018-12-13

Hinweis: Dieser Artikel spiegelt die Meinung seines Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung der Betreiber von versalia.de übereinstimmen.

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