- versalia.de
-- Lektüregespräche
--- April 2015

Persephone - 08.04.2015 um 18:02 Uhr

Diese Nachricht wurde von Persephone um 18:34:48 am 08.04.2015 editiert

Diese Nachricht wurde von Persephone um 18:19:13 am 08.04.2015 editiert

Ein neuer Monat hat begonnen! Der muss mit neuer Literatur begangen werden.
Bei mir sind angesichts einiger Unverträglichkeiten dringend Liebesgeschichten vonnöten. Ich beende in diesen Tagen "Überredung" von Jane Austen. Mir gefällt ihr liebevoller Humor und ihre feine Ironie, die bei der Schilderung der Verhältnisse immer wieder durchscheinen. Glücklicherweise kann man sich darauf verlassen, dass bei ihr niemandem mehr aufgebürdet wird, als er oder sie tragen kann.

Zwischendurch habe ich eine Frage an den Hausherrn zum Procedere: darf ich den Austausch zu dem Thema, das ich an dieser Stelle völlig verkürzt und ungenügend mit "Lesen oder auch nicht (wirklich) zusammenfassen möchte, aus dem März hierher weiter tragen? Ansonsten bitte ich um entsprechende Spaltung.

Zitat:

Persephone, du sagst es: Die Frage nach der Motivation ist - auch - eine subjektive. Und weil das so ist, kann auch das Überwiegen von inhaltlicher Debatte vom Individuum ganz unterschiedlich verarbeitet werden: befriedigend / unbefriedigend.

Noch zum Begriff Lesen: Das sollte nicht auf Bücher beschränkt sein, die Lesekultur verändert sich eben. Allerdings möchte ich bloßes "Durchblättern" nicht als Lesen verstanden wissen. Damit ist noch keine Rezeption verbunden. Nicht-Lesen, also kein Verständnis für Texte zu entwickeln, ist heute durchaus ein quantitativ ins Gewicht fallendes Phänomen.

Dass meine persönlichen Interessen nicht immer denen der anderen entsprechen, ist mir durchaus bewusst. Ich finde aber nicht, dass ich eine Unterhaltung deshalb nicht entsprechend zu beeinflussen versuchen dürfte. Eventuell sieht ja noch jemand die Schönheit des großen im kleinen. Aber nun kommt noch so ein Begriff vor und ich kann nicht widerstehen: Rezeption! Was ist denn eigentlich zu tun, um ein Verständnis für den Text zu entwickeln? Und woran merke ich, dass ich ein solches Verständnis habe? Ich muss dabei gerade an die Erweckungsveranstaltungen denken, zu denen ich als Kind mitgenommen wurde. Da hieß es immer, man würde eine Veränderung in sich spüren, wenn man errettet ist.




ArnoAbendschoen - 08.04.2015 um 23:16 Uhr

Persephone, den nüchternen Begriff "Textverständnis" mit Erweckungsveranstaltungen und "Errettung" zu assoziieren, finde ich, hm, etwas merkwürdig. Nach meinem Verständnis beinhaltet der im Wesentlichen technische Begriff Folgendes: geistige Auseinandersetzung mit einem gelesenen Text, und zwar mit der Folge, dass überhaupt ein auch von einem Dritten nachvollziehbarer Einblick in die Struktur des Textes stattgefunden hat, dass z. B. Zusammenhänge (Ursache, Wirkung) erkannt werden. Das Textverständnis muss nicht die Absichten des Textverfassers 1:1 sklavisch umsetzen, es kann sich auch kritisch mit ihnen auseinandersetzen und ggf. von ihnen absetzen.

Noch klarer wird, was Rezeption bedeutet, im Fall ihres Misslingens: Der Leser versteht nur Bahnhof.




Persephone - 16.04.2015 um 18:45 Uhr

Meine Frage ist, woher ich als Leserin weiß, dass ich tatsächlich ein Verständnis für den Text habe und ich überhaupt eine Idee davon habe, welche Intention der Autor oder die Autorin hatte. Ich kann ja auch alles völlig falsch verstehen. Nachfragen ist ja in der Regel eher nicht möglich. Und woher weiß ich, dass ich mich ausreichend mit dem Text befasst habe und mir nichts wichtiges entgeht.
Merkwürdigkeit ist für mein Verständnis durchaus nicht zu vermeiden. Das soll gut fürs Gehirn sein. Meine Assoziation hat mit dem Gefühl einer Erkenntnis zu tun. Die ist aus meiner Sicht, nämlich der einer intensiv arbeitenden, erstens eher irrational und zweitens subjektiv. Deshalb meine Erleuchtungs-Assoziation.




Itzikuo_Peng - 19.04.2015 um 10:56 Uhr

Zitat:

Meine Frage ist, woher ich als Leserin weiß, dass ich tatsächlich ein Verständnis für den Text habe und ich überhaupt eine Idee davon habe, welche Intention der Autor oder die Autorin hatte. Ich kann ja auch alles völlig falsch verstehen.

Also das habe ich mich beim Lesen noch nie gefragt. Mein Lesen dient mir dazu, für mich mentale Nährstoffe aus einem Text zu ziehen. Ob ich dabei verstehe, "was will der Autor uns damit sagen", interessiert mich nicht. Ich frage mich beim Essen auch nicht, warum Gott Fenchel und Zucchini erfunden hat, oder wieso die jeweilige Nudel so aussieht, wie sie aussieht.




URL: https://www.versalia.de/forum/beitrag.php?board=v_forum&thread=5191
© 2001-2026 by Arne-Wigand Baganz // versalia.de