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-- Lektüregespräche
--- Juli 2020

Kenon - 01.07.2020 um 22:53 Uhr

Ilja Ehrenburg - Tauwetter (1954)

Ehrenburgs Roman erschien ein Jahr nach Stalins Tod und gab einer kurzen Epoche der Entstalinisierung ihren Titel. Es ist ein sehr trauriger Roman. Ich will ihn seit ungefähr 15 Jahren lesen. Damals erschien er mir zu langweilig. Heute packt mich die ganze Verzweiflung eines falsch gelebten Lebens, die in ihm steckt. Besonders erschreckend ist, dass das Buch heute für uns relevant sein kann, auch wenn wir einem gänzlich anderen Gesellschaftssystem leben: Die Menschen sind ja immer gleich. Die meisten sind auf ihren kleinen, kurzfristigen Vorteil bedacht und opfern Wahrheit und andere Menschen, um ihn zu erreichen: Lass doch den Nachbarn vor die Hunde gehen, während ich langsam den Frühstückssekt auf der Terrasse in meinen Rachen gieße. Und wer es noch nicht weiß: Die Sowjetunion war kein judenfreundlicher Staat. Stichwörter: Kosmopolitismus, Ärzte-Verschwörung. Wie bitter das für Ehrenburg gewesen sein muss!




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