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--- Lesen im Krieg

Kenon - 16.03.2022 um 08:30 Uhr

Für viele Menschen hier in Deutschland hat der russische Vernichtungskrieg gegen die Ukraine noch nicht viel verändert, sie sehen ein wenig davon im Fernsehen, bemerken seine Auswirkungen an den Sonnenblumenöl-Preisen oder beim Tanken an der Zapfsäule, und das war es auch schon. Die meisten waren wahrscheinlich noch nicht einmal in Polen, geschweige in der Ukraine, aber vielleicht wissen sie inzwischen immerhin, dass die Ukraine nicht Russland ist.

Mein Leben hat der Krieg, obwohl ich nicht direkt davon betroffen bin, stark verändert. Ich kann kaum noch an anderes denken und deswegen fällt es mir auch schwer, in diesen Tagen überhaupt irgendwelche Bücher zu lesen. Alles, was ich derzeit an Literatur lese, sind noch Gedichte, die ich viele Jahre gar nicht mehr gelesen habe: Paul Celan, Pindar und ein bißchen unpassend den Russen Sergej Jessenin, den ich von den dreien am meisten mag:

Zitat:

Wo die Weltenrätsel träumen,
ist des Jenseits ferne Flur.
Welt, in Deinen Erden-Räumen
bin durch Zufall Gast ich nur.



In den stummen Dunkelheiten
aufzufliegen hieß man mich.
Niemand-nichts in Ewigkeiten
hinterließ beim Abschied ich.


Mein alter und neuer Reisepass ist voll von Ukraine-Stempeln. Ich kann, ohne sie nachzuzählen, gar nicht beziffern, wie oft ich in diesem schönen Land gewesen bin, und ich werde wieder dorthin reisen, wenn die russischen Faschisten geschlagen sind.




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