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Lesen im Krieg


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Autor
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Thema: Lesen im Krieg
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Kenon
Mitglied
    1519 Forenbeiträge seit dem 02.07.2001

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| Eröffnungsbeitrag |
Abgeschickt am: 16.03.2022 um 08:30 Uhr |
Für viele Menschen hier in Deutschland hat der russische Vernichtungskrieg gegen die Ukraine noch nicht viel verändert, sie sehen ein wenig davon im Fernsehen, bemerken seine Auswirkungen an den Sonnenblumenöl-Preisen oder beim Tanken an der Zapfsäule, und das war es auch schon. Die meisten waren wahrscheinlich noch nicht einmal in Polen, geschweige in der Ukraine, aber vielleicht wissen sie inzwischen immerhin, dass die Ukraine nicht Russland ist.
Mein Leben hat der Krieg, obwohl ich nicht direkt davon betroffen bin, stark verändert. Ich kann kaum noch an anderes denken und deswegen fällt es mir auch schwer, in diesen Tagen überhaupt irgendwelche Bücher zu lesen. Alles, was ich derzeit an Literatur lese, sind noch Gedichte, die ich viele Jahre gar nicht mehr gelesen habe: Paul Celan, Pindar und ein bißchen unpassend den Russen Sergej Jessenin, den ich von den dreien am meisten mag:
Zitat:
Wo die Weltenrätsel träumen,
ist des Jenseits ferne Flur.
Welt, in Deinen Erden-Räumen
bin durch Zufall Gast ich nur.
…
In den stummen Dunkelheiten
aufzufliegen hieß man mich.
Niemand-nichts in Ewigkeiten
hinterließ beim Abschied ich.
…
Mein alter und neuer Reisepass ist voll von Ukraine-Stempeln. Ich kann, ohne sie nachzuzählen, gar nicht beziffern, wie oft ich in diesem schönen Land gewesen bin, und ich werde wieder dorthin reisen, wenn die russischen Faschisten geschlagen sind.
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PaulaWinter
Mitglied
 0 Forenbeitrag seit dem 30.07.2026
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| 1. Antwort - Permalink - |
Abgeschickt am: 27.07.2026 um 01:48 Uhr |
Der Text zeigt sehr eindrücklich, wie unterschiedlich Menschen einen Krieg wahrnehmen können. Für manche bleibt er eine Nachricht im Fernsehen, für andere wird er zu einer ständigen gedanklichen Belastung, besonders wenn persönliche Erinnerungen und Verbindungen zu einem betroffenen Land bestehen.
Gerade bei Menschen, die die Ukraine selbst besucht haben oder dort Freunde und Erlebnisse verbinden, bekommt der Krieg eine ganz andere Nähe. Dass Literatur und besonders Gedichte in solchen Zeiten wieder wichtiger werden, ist nachvollziehbar – sie können Gefühle ausdrücken, für die normale Worte oft nicht ausreichen.
Man merkt dem Text eine tiefe Verbundenheit mit der Ukraine an und auch den Wunsch, dass Frieden und Sicherheit dort wieder möglich werden.
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