Zitat:
Spannender Faden, weil er genau diesen Übergang zwischen Tun, Denken und „Zeit haben“ beschreibt, der sich offenbar bei vielen irgendwann verschiebt. Besonders der Satz mit dem „mehr Zeit haben und trotzdem keine Zeit für nichts“ trifft da einen Punkt, den man oft erst merkt, wenn der äußere Druck wegfällt.
Bei mir entsteht dabei auch der Eindruck, dass Schreiben oder kreative Arbeit oft weniger eine Frage der verfügbaren Zeit ist, sondern eher eine Frage von innerem Druck oder Notwendigkeit. SPAM SPAM SPAM Sobald dieser Druck weg ist, wird es paradoxerweise schwerer, obwohl objektiv mehr Raum da wäre.
Vielleicht ist genau diese Spannung zwischen Verpflichtung und Freiheit der eigentliche Motor gewesen, und wenn die wegfällt, muss man erst neu herausfinden, warum man etwas überhaupt noch macht.
Das klingt nach einer dieser leisen Verschiebungen, die man erst im Rückblick wirklich erkennt. Dieses „anders Schreiben“ wirkt fast wie eine Entkopplung von Funktion und Ergebnis: früher eher getrieben, jetzt eher beobachtend. Vielleicht verändert sich dabei nicht nur der Stil, sondern auch die innere Notwendigkeit, etwas festhalten zu müssen.
Interessant ist auch, dass mit der Gelassenheit oft nicht weniger Inhalt entsteht, sondern eher ein anderer Fokus. Dinge dürfen unvollständiger bleiben, weniger „begründet“, aber dafür unmittelbarer wirken.
Vielleicht ist genau das der Punkt, an dem Schreiben nicht mehr etwas ersetzt oder verarbeitet, sondern einfach wieder das wird, was es ursprünglich war: ein ruhiger Vorgang neben dem Leben, nicht darüber hinaus.