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Fernando Pessoa - António Mora - Die Rückkehr der Götter
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Pessoa, Fernando:
António Mora - Die
Rückkehr der Götter

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(Bücher frei Haus)

„Ich fühle mich nie portugiesischer als wenn ich mich von mir verschieden fühle.“, schreibt der vielfältige Autor Fernando Antonio Nogueira Pessoa (1888-1935), wohl nur eines seiner Heteronyme, ein Dach, unter dem alle seine Wesen Platz gefunden haben. „Wie ein Pantheist sich als ein Baum oder sogar als Blume fühlt, so fühle ich mich als verschiedene Wesen“, führt Pessoa im Bewusstsein seiner eigenen Pluralität, die er nicht nur als „Antonio Mora“, sondern auch zuvor schon als Bernardo Soares, Alberto Caeiro, Ricardo Reis, Alvaro de Campos ausgelebt hatte, aus. „Der menschliche Autor dieser Bücher kennt in sich selbst keine eigene Persönlichkeit. (…) Als ein Sklave der Vielfältigkeit seiner selbst brächte es ihm nichts ein, die eine oder die andere Theorie über die schriftlichen Ergebnisse dieser Vielfältigkeit zu bestätigen.“ Drei davon lernen wir in vorliegender Ausgabe jedenfalls wieder etwas besser kennen, in all ihrer Vielfältigkeit.
In seinen Bemühungen um das „neue Heidentum“ brachte Pessoa sein Verhältnis zur katholischen Kirche mit den folgenden Worten auf den Punkt: „Die katholische Kirche ist das fortbestehende Römische Imperium. Nur wenn die katholische Kirche aufhört zu existieren, wird das Römische Reich sterben. Über uns schwebt immer noch der Todeskampf des imperialen Roms, da die katholische Kirche noch immer existiert.“ Später formuliert er: „Die katholische Kirche ist das Römische Imperium.“ Tatsächlich benimmt sich auch heute noch, ein dreiviertel Jahrhundert nach Pessoas Tod, eben diese Kirche, wie zu Zeiten des Römischen Imperiums: absolutistisch, despotisch, dekadent. Neben dem im Titel bereits angesprochenen Text, „Die Rückkehr der Götter“, das Pessoa unter seinem Heteronym Antonio Mora geschrieben hat, wird in der vorliegenden Werkausgabe Pessoa des Ammann Verlages auch die Rechtfertigung für die Heteronyme abgedruckt, die der Autor noch kurz vor seinem Tod in einem Brief an Adolfo Casais Monteiro rechtfertigte und in dem er deren Genese erklärte.
Ein weiterer Text beschäftigt sich mit dem Programm des Portugiesischen Neuheidentums, dem heidnischen Ideal, der Wissenschaft und Religion unter dem Heteronym Ricardo Reis oder die als Antonio Mora geschriebenen Texte zum Studium der Metaphysik, einer Abhandlung zugunsten Deutschlands und seinem Vorgehen im gegenwärtigen Krieg und ein weiterer Text als Pessoa selbst zum „höheren Heidentum“. Ein Nachwort des Übersetzers Steffen Dix erläutert das Pessoa`sche Universum in dem das oberste Maxime die Vielfältigkeit ist. Pessoa habe sich seine Bühne selbst geschaffen, schreibt Dix, „er kann in jede Rolle schlüpfen, sie in freier Entscheidung erweitern“. Es gehe um Lebensfülle und eine positive Akzeptanz der weltlichen Vielfalt, schreibt der Herausgeber in seinem Nachwort. Das Schlusswort bleibt Pessoa selbst: „Heute habe ich bereits keine Persönlichkeit mehr: Was es in mir an Menschlichem gab, das teilte ich auf verschiedene Autoren auf, von deren Werk ich nur der Vollstrecker bin. Ich bin heute der Treffpunkt einer kleinen nur mir gehörenden Menschheit.“ Die beim Ammann Verlag erschienene Werkausgabe lässt viele Texte des portugiesischen Nationaldichters erstmals auf Deutsch erscheinen, wovon man sich auch auf der Verlagsseite überzeugen kann.

Fernando Pessoa
António Mora - Die Rückkehr der Götter
Herausgegeben und aus dem Portugiesischen übersetzt, mit einem Nachwort versehen von Steffen Dix
2005. 528 Seiten
Leinen mit Lesebändchen
EUR (D) 39.90 /
CHF 68.90 (UVP) /
EUR (A) 41.10
ISBN 9783250104520

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2011-01-12)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.


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