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Stadtbekannt.at - Unnützes Habsburger Wissen
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Unnützes Habsburger
Wissen

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(Bücher frei Haus)

Alles andere als unnütz sind die überaus nützlichen Stadtführer von Stadtbekannt Wien, die zu unterschiedlichen Themen erscheinen. In „Unnützes Habsburger Wissen“, dem kleinen Gelben im praktischen Taschenformat, wird die Geschichte der österreichischen Dynastie, die eigentlich aus der Schweiz stammt, näher beleuchtet und ins Spotlight gebracht. Und wo viel Licht ist, da ist auch viel Schatten, das wissen nicht nur die Historiker, sondern auch die Herausgeber dieses kleinen aber umso wertvolleren Nachschlagewerks. Das Buch, das sich nach eigenen Aussagen als „erfrischende Sammlung von Marotten und Mätzchen großer Persönlichkeiten, historischen Alltäglichkeiten, Absurditäten und intimen Skandälchen“ versteht, bietet Schrullen, Spinnern und Genies auf dem Kaiserthron einen breiten Rahmen gefüllt mit Anekdoten und Hintergründen über allseits Bekanntes, von dem man meistens in Wirklichkeit gar nichts weiß.

Gravur mit Selbstlauten
Das bekannte AEIOU zum Beispiel: die meisten werden sich von der Schule her noch daran erinnern, wofür die Abkürzung steht. Aber von wem stammte die Vokal-Abkürzung der österreichischen Herrschaftsparole „Alle Erde Ist Oesterreich U ntertan“ eigentlich? Albrechts Sohn Friedrich, der als Friedrich III. und Vater des späteren Kaisers Maximilian I. die Geschichte Österreichs prägte, soll die AEIOU-Formel im 15. Jahrhundert geprägt haben und damit auch Gebäude und Gegenstände graviert haben und das ganze 53 Jahre lang als Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, selbstverständlich in Latein: Austria est imperare orbi universo. Umdichtungen wie Austria est in orbe ultimum sollen schon während seiner Lebenszeit (1415-1493) kursiert sein.

Reform und Strafe
Der Streifzug durch die Jahrhunderte der habsburgischen Herrschaft in Österreich macht natürlich auch bei Maria Theresia Station. Zu ihrer Lebenszeit wurden beachtliche Reformen für die inzwischen zum Vielvölkerstaat angewachsene Monarchie durchgeführt. Allein ihre Herrschaft beruhte schon auf einer revolutionären Reform, nämlich der Pragmatischen Sanktion mittels derer eine Frau überhaupt erst herrschen durfte. Alles andere als revolutionär war allerdings ihre religiöse Toleranz, denn sie zeigte sich als strenge Katholikin, die zwar den leiblichen Genüssen nicht abgeneigt war (dick, 16 Kinder), aber dennoch eine Sittenpolizei ins Leben rief, die folgendes zu ahnden hatte: Kellnerinnen in einem Lokal, Landstreichertum, Prostitution, Flanieren ohne Hemd, Tragen knielanger Trachten, Plaudern in der Kirche, Betteln. Maria Theresias Keuschheitskommission peitschte ab und an auch Frauen aus oder teerte deren Köpfe. Die „Constitutio Criminalis Theresiana“ – ein Brevier zum korrekten Foltern – wurde dann von ihrem Sohn, Joseph II. wieder aufgehoben.

Legende und Wirklichkeit
Auch wenn das Ende des Heiligen Römischen Reichs in vorliegender Publikation mit 1815 datiert wird (richtig: 1806) stimmt doch die Grundaussage, dass auf das napoleonische Zeitalter wieder die alte Ordnung hergestellt wurde. Aber nicht lange währte diese reaktionäre Rekonstruktion, denn schon dreiunddreißig Jahre später, 1848, klopfte erneut eine Revolution an die Tore des konservativsten und katholischsten Herrschergeschlechts Mitteleuropas, deren Geschichte auch schon in einem Schwarzbuch zusammengefasst wurde. „Unnützes Habsburger Wissen“ ist ein herrlich kurzweiliger Einstieg in die Geschichte einer Dynastie, die eigentlich alles falsch gemacht hat und sich dennoch 800 Jahre im Sattel halten konnte. Und dabei spielte das sprichwörtliche viel zitierte „nube“ (bella gerant allii, tu felix Austria, nube!) nur eine geringe Rolle. Denn die Habsburger führten nicht nur Kriege gegen andere Völker, sondern auch vor allem auch gegen das eigene Volk.
Übrigens: auch das Happy End wurde von einem Habsburger erfunden. Joseph II verfügte per Dekret, dass Theaterstücke ein glückliches Ende haben sollte, den sogenannten „Wiener Schluss“. Den gab es für die Habsburger dann aber verdientermaßen doch nicht.

Unnützes Habsburger Wissen
Holzbaum Verlag

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2015-11-10)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.


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