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Rezensionen


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Thomas Bernhard - Frost
Hoppla! ein früher Bernhard. "Frost" heisst er und
ist der erste Roman des Autors. Worum geht es? Da ist der
Ich-Erzähler, ein junger Famulant, der den Auftrag hat, den
Maler Strauch, der in einem österreichischen Bergkaff in
einem Wirtshaus lebt, zu beobachten. Diese Beobachtungen und einige abschließende Briefe machen
den Inhalt des Buches aus. Leider merkt man allzudeutlich,
dass "Frost" ein sogenanntes Frühwerk ist. Es geht
um alles und nichts - vielleicht um möglichst viel, was sich
bis zum Zeitpunkt des Schreibens in Bernhards Kopf an
Gedanken angesammelt hat. Das ist oft geistbewegend zu
lesen, doch vermisst man die klare Linie, die chirurgische
Präzision, für die man spätere bernhardsche Meisterwerke wie
"Holzfällen" und "Auslöschung" lieben muss.
Was "Frost" ist, stellt Bernhard selber fest:
Gedankenfetzen. "Was fange ich mit seinen Gedankenfetzen an? [...] Wie
aufschreiben? Was für Notizen? Bis wohin denn Schematisches,
systematisch? Diese Ausbrüche kommen auf mich herunter wie
Felsstürze". So ein Gedankenfetzen ist zum Beispiel: "Ich investierte noch in die Menschen, als ich schon
wußte, daß sie mich hintergehen, längst wußte, daß sie es
darauf abgesehen haben, mich zu töten" oder "Der Antrieb der Natur ist verbrecherisch, und sich
darauf berufen ist eine Ausrede, wie alles nur eine Ausrede
ist, was Menschen anrühren". Bernhard weiss zu deprimieren: "Der Mensch ist eine ideale Hölle für die
Menschen". Auch der Hass auf das Weibliche kommt nicht zu kurz: "Das Weibliche ist von Natur aus verräterisch. Es
untergräbt und unterminiert. Ist Gift für den männlichen
Geist, für den Geist überhaupt, für das Männliche. [...]
Wissenschaftlich betrachtet stellt die Frau die Verhöhnung
des Mannes dar". Das kann man alles gut und gern lesen, durch ihr recht
loses Aneinandergereihtsein werden die Fetzen jedoch gerade
zum Ende des Buches hin ein wenig anstrengend, eine
Aphorismensammlung hätte es hier wohl auch getan ---
[*] Diese Rezension schrieb: Arne-Wigand Baganz (2005-08-02)
Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.
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