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Rezensionen


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Georg Büchner - Leonce und Lena
„Dantons Tod“ und „Woyzeck“ sind allgegenwärtig. Seltener
hört man jedoch von „Leonce und Lena“, ein komödiantisches
Lustspiel Büchners (1813-1837), welches hiermit kurz
vorgestellt wird.
Die Handlung ist gänzlich einfach erzählt: Prinz Leonce soll
verheiratet werden mit der Prinzessin Lena und anschließend
die Macht übernehmen. Eine unbekannte heiraten will Leonce
keinesfalls, die Herrscherposition eines längst
totgelaufenen Systems ebenfalls nicht. Auch Lena fragt mit
gesundem Menschenverstand, warum sie dieses Wagnis eingehen
sollte und so kann die Antwort nur Flucht lauten. Doch wie
sollte es anders sein, auf der Flucht begegnen sich beide in
einem Wirtshaus und verlieben sich ineinander. Leonces Vater
aber, König Peter vom Reiche Popo, sitzt auf der
vorbereiteten Hochzeit ohne Brautpaar. Die angeordnete
Fröhlichkeit wird zur Farce. Das Volk wartet ungeduldig. Des
Königs Rettung naht. Ein Ersatzpaar, unkenntlich maskiert,
soll herhalten, um den König nicht bloßzustellen. Am Ende
werden die maskierten Gestalten, ganz klar, natürlich Leonce
und Lena sein.
Das mag sich nicht sonderlich spektakulär anhören, doch das
Besondere an dem Stück ist das geballte Paket an satirischer
Zeitkritik den „Vormärz“ betreffend, glänzend durch Büchners
spitzfindigen Wortwitz. Stellen wie: „Peter: […] Sind meine Befehle befolgt? Werden die Grenzen
beobachtet? / Ceremonienmeister: Ja, Majestät. Die Aussicht
von diesem Saal gestattet uns die strengste Aufsicht. (Zum
ersten Bedienten.) Was hast du gesehen? / Erster Bedienter:
Ein Hund, der seinen Herrn sucht, ist durch das Reich
gelaufen. / Ceremonienmeister (zum anderen): Und du? /
Zweiter Bedienter: Es geht jemand auf der Nordgrenze
spazieren, aber es ist nicht der Prinz, ich könnte ihn
erkennen“, sind Normalität in dem Stück und lassen auf witzigste
Weise schnell erahnen, worauf Büchner hinaus will. Aber
nicht nur politische, auch philosophische Spitzfindigkeiten
und tautologische Sätze, die, wenn man den Autor als
Avantgardist des Theaters begreift, auf ein Belächeln des
all- und doch unwissenden Orakels antiker Dramen hindeuten
könnte, finden immer wieder Eingang in Büchners Lustspiel
und machen es, trotz des einfachen Plots, so außerordentlich
lesenswert.
Anders als oftmals angenommen ist „Leonce und Lena“ kein
Fragment wie es die „Woyzeck“-Handschriften sind. Als
vollständiges Drama sollte das Werk zu Lebzeiten Büchners an
einem Wettbewerb des Cotta Verlages teilnehmen. Kam jedoch
zu spät an und ging unbeachtet wieder zurück an den Autor,
der daraufhin noch einige Veränderungen vornahm. 1850, also
ein Jahr nach der gescheiterten Märzrevolution (1848/49),
wurde das Stück erstmals ungekürzt veröffentlicht. Und erst
im Jahr 1895, als die Moderne, der Büchner weit vorausgeeilt
war, eingesetzt hatte, fand endlich die Uraufführung statt.
Was musste ein Autor, als solche Stücke noch geschrieben
wurden, auf sich nehmen? Politische Verfolgung, Flucht,
einen frühen Tod. Das war der damalige Preis für Scharfsinn,
Menschlichkeit und Genialität. Dass Büchner trotz allem
seine humorige Sicht auf die Menschheit, einschließlich sich
selbst, nicht verloren hatte, beweist er mit „Leonce und
Lena“. Georg Büchner starb mit 23 Jahren im Schweizer Exil.
[*] Diese Rezension schrieb: Alexander Czajka (2007-12-18)
Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.
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