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Rezensionen


 
Jörg Schönbohm - Politische Korrektheit. Das Schlachtfeld der Tugendwächter
Buchinformation
Schönbohm, Jörg - Politische Korrektheit. Das Schlachtfeld der Tugendwächter bestellen
Schönbohm, Jörg:
Politische Korrektheit.
Das Schlachtfeld der
Tugendwächter

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(Bücher frei Haus)

Es muss sehr weit gekommen sein, wenn ein ehemaliger General und Innenminister, vom Freiheitsdrang geplagt, sich auseinandersetzt mit einer Variante unseres Zeitgeistes, die – wie sollte es anders sein – zeitversetzt aus den USA zu uns herüber geschwappt ist und ebenso selbstverständlich hierzulande mit einem Extremismus betrieben wird, der für unser Land so typisch ist. Jörg Schönbohm setzt sich in einer kleinen Schrift aus dem Jahr 2009 mit der Political Correctness, ihren Stilblüten und ihren diktatorischen Genen auseinander. Mit der bereits dritten Auflage nach knapp einem Jahr und den überschwänglichen Rezensionen kann man getrost zu der Auffassung kommen, dass der Unmut über die neueste Version der Inquisition beträchtlich wächst.

Mit dem Terminus der lingua franca beschreibt Schönbohm die tatsächliche Durchdringung unserer Alltagssprache mit den Absonderlichkeiten der Politischen Korrektheit und er merkt sogleich an, dass die Beugung des Sprachgefühls durch die Gralshüter der neuen Geistesordnung unweigerlich dazu führen wird, einen ehrbaren Begriff nach dem anderen zu verbrennen, weil der absolutistische Impuls immer einen sehr negativen Nachgeschmack hinterlässt.

Anhand zahlreicher Beispiele führt der Autor ohne großartig notwendige Analyse den Lesern die Absurdität der inneren Logik der politischen Korrektheit vor Augen. Allein die Kette von Negroes- Colored People – Black People – Afro-Americans – African Americans bis zu den heutigen Persons of African Race führt jedoch auch das Dilemma dieser ideologiegetränkten Sprachfindung vor Augen. Das emanzipatorische Postulat wird umso eindringlicher und befremdender, je weniger sich der praktische Erfolg der politischen Bemühung einstellt.

Schönbohm gelingt es anhand der Auswahl seiner Beispiele (bis hin zu einer gender gestreamten Bibel-Version!) den Zinnober der Tugendwächter zu enthüllen und die Tendenz der Umwertung freizulegen. Denn Begriffe wie Folterknechtin, Faulpelzin oder Dickschädelin habe er noch nicht gefunden, die Feminisierung finde sich nur in positiv besetzten Begriffen, eine Erkenntnis, die die ganze Perfidie des Unternehmens noch einmal illustriert.

Der Autor selbst beendet seine Betrachtungen mit Überlegungen zum Wesen von Aufklärung und Demokratie und zitiert dabei Voltaire: „Mein Herr, ich teile Ihre Meinung nicht. Ich werde aber bis zu meinem letzten Atemzug dafür kämpfen, dass Sie Ihre Meinung frei äußern können.“ Der kleine Band passt sehr gut zu Oskar Maria Grafs Essay „Der Moralist als Wurzel der Diktatur“, in dem die innere Wirkungsweise des linguistischen Moralins beschrieben wird. Je weniger die Politik, um die es geht, gelebt wird, desto absolutistischer und dogmatischer wird der Anspruch. Politische Korrektheit ist eine neue Form des Obskuratismus.

[*] Diese Rezension schrieb: Gerhard Mersmann (2010-10-07)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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