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Literaturforum:
Jonathan Littell - Die Wohlgesinnten


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Autor
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Thema: Jonathan Littell - Die Wohlgesinnten
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Hermeneutiker
Mitglied
 29 Forenbeiträge seit dem 12.02.2009
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| Eröffnungsbeitrag |
Abgeschickt am: 28.06.2009 um 08:15 Uhr |
Ein homosexueller Akademiker gerät in die Mühle der Macht,
wird Offizier bei der SS und wirkt aktiv und passiv bei der
Vernichtung der Juden mit. Alle Details werden beschrieben,
keine Tabus. Dazu gehören die Massakrierung der Juden, das
homosexuelle Sexualleben, der Inzest mit der Schwester (zwei
Kinder werden gezeugt), der Muttermord mit dem Hackebeil
(incl. Stiefvater). Die "Wohlgesinnten" sind
antike Rachegötter, eigentlich "Eumeniden". Von
Rache (wegen des Muttermordes) aber keine Spur, das Buch
endet mit der Ansage, dass besagte Geister sich dereinst
schon bemerkbar machen werden.
Bemerkenswert ist folgendes Detail: In diesem ganzen
Zeugungs- und Blutopfergewürge - und im Hinterland der
russichen Front taucht plötzlich der "Alte vom Berge
auf", ein mythischer Archetypus. Es ist ein uralter
Jude. Er ist hellsichtig und verlangt, persönlich von dem
Protagonisten erschossen zu werden. Im Gegensatz zu seinen
Leidensgenossen steht er über dem Schicksal (und über dessen
Handlangern) und überblickt anscheinend den Kreislauf von
Leben und Tod. Aus den alten Rachegöttern sind die
"Wohlgesinnten" geworden, die das ganze
tierisch-menschliche Treiben nicht nur real, sondern auch
literarisch wohlwollend begleiten.
IP: geloggt
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Matze
Mitglied
  411 Forenbeiträge seit dem 09.04.2006

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| 1. Antwort - Permalink - |
Abgeschickt am: 28.06.2009 um 19:58 Uhr |
Was um den Äquator des eigenen Arschlochs kreist, muß nicht
zwingend zur Literatur werden.
IP: geloggt Ich bin ein Amateur, weil in dem Wort Amateur das Wort Amour steckt.
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Der_Stieg
Mitglied
  599 Forenbeiträge seit dem 08.08.2008

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| 2. Antwort - Permalink - |
Abgeschickt am: 29.06.2009 um 23:41 Uhr |
Zitat:
Was um den Äquator des eigenen Arschlochs kreist ... Ein herrliches Bild. Für manches allerdings Konten füllend.
Aber das hatten wir ja schon zur Genüge. It´s part of the party.
IP: geloggt
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Hermeneutiker
Mitglied
 29 Forenbeiträge seit dem 12.02.2009
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| 3. Antwort - Permalink - |
Abgeschickt am: 30.06.2009 um 07:39 Uhr |
Mit Verlaub: die bisherigen Kommentare klingen für mich doch
etwas nach Homophobie. Insofern kreisen sie - ohne es zu
merken - vielleicht gleichfalls um besagten (Littellschen)
"Äquator". Die Frage, ob etwas Literatur ist oder
nicht, wenn sie mich denn interessieren würde, würde ich in
diesem Fall lieber jemandem stellen, von dem ich annehmen
dürfte, dass er auch die nicht sozusagen indizierten Teile
des Romans zu würdigen versteht.
IP: geloggt
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Matze
Mitglied
  411 Forenbeiträge seit dem 09.04.2006

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| 4. Antwort - Permalink - |
Abgeschickt am: 30.06.2009 um 17:29 Uhr |
Nicht jeder Schwule hat eine jüdische Ehefrau samt
Schwiegermutter vor dem KZ gerettet wie der heldische
Heldentenor Max Lorenz. Wenn aber Littells Max Aue für den
SD angeworben wird, als er wegen des Verdachts ein
"175er" zu sein, inhaftiert ist, wenn er dann
"den Arsch voller Sperma in den Sicherheitsdienst"
eintritt, obwohl noch heute in Diktaturen Verdächtige
medizinischen Untersuchungen unterzogen werden, wenn er SS
Führer einem jungen Kameraden einen ganzen
gleichgeschlechtlichen Privatfaschismus ausbreitet, um ihn
zu verführen, dann siegt die Männerfantasie endgültig über
die grausame historische Realität in
"Sachsenhausen" und anderswo.
IP: geloggt Ich bin ein Amateur, weil in dem Wort Amateur das Wort Amour steckt.
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Hermeneutiker
Mitglied
 29 Forenbeiträge seit dem 12.02.2009
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| 5. Antwort - Permalink - |
Abgeschickt am: 01.07.2009 um 07:58 Uhr |
Littell versucht eine archetypische Erklärung des
SS-Faschisten anhand der psychoanalytischen Theorie von
Klaus Theweleit ("Männerphantasien"). Tatsächlich
wird daraus aber eine mythische Deutung: die unabänderliche
Verknüpfung von Zeugung, Geburt, Opferung und Tod. Und zwar
- im Faschismus - auf eine extrem archaisch-primitive
gewaltsame Art und Weise. Stichwort: Die in den
"Wohlgesinnten" beschriebene Erektion/Ejakulation
der Erhängten bzw. überhaupt der in dem Roman immer wieder
aufgerufene bildliche Zusammenhang von Sperma, (Blut) und
Tod. Übrigens ist vor kurzem David Carradine eben diesem
Phänomen zum Opfer gefallen, nur umgekehrt. Er wollte die
ultimative Ejakulation und hat sich dabei stranguliert.
IP: geloggt
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