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Rezensionen


 
Raymond Chandler - Lebwohl, mein Liebling
Buchinformation

"Farewell, my Lovely", so der Originaltitel des 1940 erschienen zweiten Romans von Raymond Chandler, dem Erfinder des toughen Privatdetektivs Philip Marlowe aus L.A., der zum Vorbild so vieler anderer Ermittler wurde und auch in der Filmgeschichte seine Spuren hinterlassen hat.

Am Anfang steht ein Schuhputzermord

In "Lebwohl, mein Liebling" geht es um den aus dem Knast entlassenen Hünen Moose Malloy, der seine Liebste wiederfinden will, die Variété-Tänzerin Velma. Privatdetektiv Philip Marlowe wird zufällig in die Sache verwickelt und sieht sich bald einem weitreichenderen Abenteuer mit Juwelendieben, einem Wahrsager, einem Indianer, korrupten Polizisten und einem Haufen Gangster, die erst schießen und dann reden, ausgesetzt. Dabei behält Marlowe aber stets die Contenance, selbst wenn er arg zugerichtet oder verprügelt wird. In vorliegendem 304 Seiten starken Roman wird er sogar unter Drogen gesetzt, Scopolamin, eine Wahrheitsdroge, die ihn ausplaudern lassen soll, was er über seinen Widersacher alles weiß. Aber selbst dann noch hält er dicht. In den ersten Kapiteln des vorliegenden Romans wird die Sprache in ihrer Rohform benutzt, 1976, das war noch für politisch korrekter Beschönigung. Denn das Milieu, das Chandler hier beschreibt, ist nicht das der Weißen, sondern das der Schwarzen. Wir befinden uns im Jahre 1940 und die Lokale der Weißen werden von den Schwarzen übernommen. Hierhin kehrt auch Moose Malloy zurück, aber er war acht Jahr im Knast und da kann ein Viertel eben ganz schön runterkommen. Die Segregation der amerikanischen Gesellschaft wird von Chandler in seiner ganzen grausamen Nacktheit beschrieben, denn nur ein Marlowe würde sich trauen, mit einem Malloy in ein solches Lokal zu gehen, um nach Velma zu suchen.

Juwelen und Marihuanazigaretten

Marlowe schreckt auch nicht davor zurück, alte Ladies betrunken zu machen, wenn er eine Auskunft braucht, aber immerhin schämt er sich etwas dafür. Als ein gewisser Lindsay Marriott ihn bittet, ihm bei einer Geldübergabe zu assistieren, wird Marlowe in einen Mord verwickelt aus dem ihn eine schöne Frau, Anne Riordan, unsanft zurückholt. Denn Marlowe wurde mit dem Ochsenziemer eins übergebraten und in den zwanzig Minuten in denen er weg war, geschah so einiges, das sich nur mühsam rekonstruieren lässt. Dass Anne die Tochter des Polizeichefs von Bay City, Cliff Riordan, ist, spielt dabei aber nur eine Nebenrolle. Einer der Gründe warum Marlowe gerne Pfeife raucht, wird hier verraten: "Man sieht dabei aus als würde man nachdenken, auch wenn man nichts denkt". Genau dieser trockene Humor und die Selbstironie des Protagonisten machen auch diesen Roman zu einer lesenswerten Delikatesse der Krimiliteratur, die oft nachgeahmt, aber nie in dieser Klasse erreicht wird, wie es Raymond Chandler vollbrachte. Ein echter Lesegenuss bis zur letzten Seite. Ah ja, auch ein gewisser Hemingway kriegt ordentlich sein Fett ab. Aber stets mit einem lakonischen, subtilen Humor, wie es nur einem Chandler so grandios gelingt.

Raymond Chandler
Lebwohl, mein Liebling
Aus dem Amerikanischen von Wulf Teichmann
1976, Taschenbuch, 304 Seiten
ISBN: 978-3-257-20312-7
€ (D) 12.00 / sFr 16.00* / € (A) 12.40
diogenes Verlag

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2021-11-24)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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