Biographien Rezensionen Diskutieren im versalia-Forum Das versalia.de-Rundschreiben abonnieren Service für Netzmeister Lesen im Archiv klassischer Werke Ihre kostenlose Netzbibliothek

 


Rezensionen


 
Walter Kappacher - Der Fliegenpalast
Buchinformation
Kappacher, Walter - Der Fliegenpalast bestellen
Kappacher, Walter:
Der Fliegenpalast

Bei amazon bestellen

(Bücher frei Haus)

In Bad Fusch treffen wir auf den gealterten Hugo von Hofmannsthal.
Es ist das Jahr in dem Kafka starb; und auch Hofmannsthals Herz ist schwach. Mit vielen seiner Kollegen ist er zerstritten, er sehnt sich nach Versöhnung und hat doch Angst davor, auf die einstigen Weggefährten zu treffen. Er sucht nach Einsamkeit und doch nach einer Seele, in der er sich spiegeln kann. Die könnte er in Doktor Krakauer finden, der ihn bewundert und mit ärztlichem Rat zur Seite steht; ungünstig nur, auch der hat wenig Zeit. Bleibt Bad Fusch, ein Ort in den Höhen Österreichs, der Hofmannsthal seit frühster Kindheit Zuflucht und Muse bietet. Viele Gedichte gelangen ihm hier, viele Ideen zu Dramen, Brief- und anderer Prosa entstanden. Erinnerungen an die Eltern, auch das ist Bad Fusch. Wäre da nicht der Erste Weltkriegkrieg gewesen, den Hofmannsthal wie viele seiner Dichterkollegen zunächst billigte. Etwas in ihm ist seither zerbrochen. In seinen Schubladen türmen sich die Fragmente, er arbeitet an dem einen, ein bisschen an dem anderen und weiß doch, dass ihm nichts mehr gelingen wird. Wenigstens den Timon beenden, wenigstens den Timon, auf der einsamen Bank am Waldesrand, die ihm stets ein kreativer Ort gewesen, das ist sein erklärtes Ziel. Doch statt sich fernab der Familie zu finden, nimmt die Zerstreuung merklich zu.

"Der Fliegenpalast" strotzt vor Bezügen zu literarischen Werken und Zeitgenossen. Büchernarren, das ist ein Vergnügen! Der Sprachstil ist erfrischend unaufgeregt. Literarische Sätze so zu formen, dass sie ein harmonisches Textgewebe ergeben, ist gewiss eine Kunst, Kappacher beherrscht sie. Seine Sprache ist dem Sujet angepasst, einem Kurort gleich kann man sich von den Schnellergüssen unserer Zeit erholen. Der Erzähler tritt überwiegend hinter der transportierten- und Gedankenrede zurück, wir erfahren nicht mehr, als die Figur Hofmannsthal sich selber und seiner Umwelt preisgeben will. In Analepsen, die bis in die Kindheit zurückreichen, werden Fetzen eines Künstlerlebens, einer sensiblen und oft an sich zweifelnden Künstlerseele vorgeführt. Briefe und Lyrik sind in den Prosatext integriert, sorgen für ein hohes Maß an Authentizität; Schlegel hätte seine wahre Freude an dieser Universalpoesie. Ja, schwer macht es uns der Kappacher, vergessen sollte man dennoch nie, ein Roman bleibt ein fiktives Gebilde. Aber nun: Bitte, lassen Sie sich nicht aufhalten.

[*] Diese Rezension schrieb: Alexander Czajka (2009-05-03)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.


-> Möchten Sie eine eigene Rezension veröffentlichen?

[ weitere Rezensionen : Übersicht ]

 

Anmelden
Benutzername

Passwort

Eingeloggt bleiben

Neu registrieren?
Passwort vergessen?

Neues aus dem Forum


Gedichte von Georg Trakl

Verweise
> Gedichtband Dunkelstunden
> Neue Gedichte: fahnenrost
> Kunstportal xarto.com
> New Eastern Europe
> Free Tibet
> Naturschutzbund





Das Fliegende Spaghettimonster

Ukraine | Anti-Literatur | Datenschutz | FAQ | Impressum | Rechtliches | Partnerseiten | Seite empfehlen | RSS

Systementwurf und -programmierung von zerovision.de

© 2001-2024 by Arne-Wigand Baganz

v_v3.53 erstellte diese Seite in 0.006355 sek.