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Barbara Yelin - Emmie Arbel. Die Farbe der Erinnerung
Buchinformation

Die Aufarbeitung des Holocaust oder der Schoah ist noch immer mit unzähligen Tabus verbunden. Bahnbrechend in dieser Hinsicht waren in der Filmwelt sicherlich Roberto Benignis "La Vita è bella" und in der Comic oder Graphic Novel Welt "Maus" von Art Spiegelman. Auch die vorliegende Aufarbeitung kann als ebenso bahnbrechend bezeichnet werden, da sie nicht nur das Leben während, sondern auch nach dem Holocaust in den Focus nimmt.

Verschüttete Traumata

Das Leben der Emmie Arbel wird zum Ausgangspunkt einer neuen Art der Aufarbeitung des Unaussprechlichen. Emmi wurde 1937 in Den Haag geboren und von dort mit ihrer jüdischen Familie 1942 von den Nazis deportiert. Sie überlebt als Kind die Konzentrationslager Ravensbrück und Bergen-Belsen. Als der Krieg vorbei ist, ist sie acht Jahre alt. Ihre Eltern und Großeltern sind im Holocaust ermordet worden. Mit ihren Brüdern wird Emmie von einer Pflegefamilie adoptiert und lebt mit ihr vorläufig in den Niederlanden. Aber die vermeintliche Rettung entpuppt sich als neuer Albtraum für das traumatisierte Kind. Auch heute noch kann Emmie nicht wirklich darüber sprechen, so tief sitzt der Schock. Um zu überleben, muss man vergessen können, oder zumindest verdrängen. Das hatte sie schon im Lager gelernt. Erst als sie 1949 mit Familie nach Israel auswandert und dort beginnt ihre Vergangenheit mit Hilfe einer Psychotherapeutin aufzuarbeiten, beginnt das Gedächtnis wieder zu arbeiten. Und fördert Unglaubliches und Undenkbares zutage. Auch im Kibbuz in Israel fühlt Emmie sich nicht wirklich zuhause, eher isoliert und nirgends zugehörig. Doch dann nimmt sie als junge Frau ihr Leben in die eigenen Hände.

Ein Weg aus den Trümmern

Ihre Kindheit und Jugend waren geprägt von Gewalt, Missbrauch, Sprachlosigkeit und Einsamkeit. Aber selbst als Erwachsene musste sie sich noch gegen übergriffige Männer wehren. Erst gegen ihren getrennten Ehemann, dann als Alleinstehende gegen die Zudringlichkeiten ihrer männlichen "Freunde". Nichtsdestotrotz hat Emmie Arbel überlebt und lebt heute nahe Haifa. Ihr Überlegen hat sie vor allem ihrem rebellischen, aufmüpfigen Geist zu verdanken, der sie zwar immer wieder in Schwierigkeiten brachte, ihr aber auch wieder dabei half, herauszukommen. Ab und zu sie sogar wieder nach Deutschland, um als Zeitzeugin zu sprechen. Aber es ist unbefriedigend, wie sagt: "Ich hatte das Gefühl, dass sie es nicht... dass sie es nicht fühlen. Sie verstehen es nicht." Sie sind eben Kinder und können das Unfassbare ebensowenig verarbeiten wie sie selbst damals. Emmie Arbel blickt heute mit sehr viel Humor auf ein Leben voller Aufmüpfigkeit, Rebellion und Selbstermächtigung zurück. "Es ist mir wichtig, dass die Leute auch erfahren, was nach dem Krieg geschah, nicht nur während des Krieges.", sagt sie.

Im Anhang befinden sich drei Essays und eine Zeichnung eines Denkmals, die jeder von uns beherzigen sollte: "Wir haben nicht überlebt um Opfer zu bleiben." Auf Basis persönlicher Begegnungen und zahlreicher intensiver Gespräche mit Emmie Arbel schafft Barbara Yelin eindringliche Erinnerungsliteratur, die zugleich eine Reflexion über das Erinnern selbst ist. Die Graphic Novel "Emmie Arbel. Die Farbe der Erinnerung" entstand im Rahmen des internationalen Projekts "Visual Storytelling and Graphic Art in Genocide & Human Rights Education" der Universität Victoria, Kanada. 40 Seiten des Buchs sind 2022 bereits in der Anthologie "Aber ich lebe" (C.H. Beck) erschienen.

Barbara Yelin, Emmie Arbel
Emmie Arbel. Die Farbe der Erinnerung
192 Seiten, farbig, 19 × 25 cm, Hardcover
ISBN 978-3-95640-396-5
Reprodukt Verlag
€29,00

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2024-01-30)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.


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