Biographien Rezensionen Diskutieren im versalia-Forum Das versalia.de-Rundschreiben abonnieren Service für Netzmeister Lesen im Archiv klassischer Werke Ihre kostenlose Netzbibliothek

 



Save Ukraine!
Save Ukraine!


Amnesty International

Love all Animals

Literaturforum: Wladimir Majakowskij


Aktuelle Zeit: 29.01.2022 - 02:09:10
Hallo Gast, Sie sind nicht eingeloggt!
Suche | Mitglieder | Neu | Statistik

Heute ist der 110. Todestag von Herman Bang.

Forum > Literaturgeschichte & -theorie > Wladimir Majakowskij
Seite: 1 2
[ - Beantworten - ] [ - Drucken - ]
 Autor
 Thema: Wladimir Majakowskij
Kenon
Mitglied

1347 Forenbeiträge
seit dem 02.07.2001

Das ist Kenon

Profil Homepage von Kenon besuchen      
Eröffnungsbeitrag Abgeschickt am: 21.04.2005 um 12:07 Uhr

Wladimir Majakowski, geboren am 19.7.1893 im georgischen Bagdady, ging den Weg der Provokation zum Kommunismus hin zur Resignation. Er war der bedeutendste Vertreter des russischen Futurismus.

In dem frühen Gedicht Einige Worte über mich selbst (1913) "bekannte" er:

Zitat:

Ich liebe es, zu sehn wie Kinder sterben

In "ICH" schrieb er:

Zitat:

Auf der Chaussee
meiner zertretenen Seelenstätte
verschnörkeln Schritte Geistesgestörter
die Fersen starrer Verse.

In DA HABT IHR! gab er es seinem Publikum und löste seinerzeit einen Skandal aus:

Zitat:

Auf Schmetterlingsflügel stampft ihr mit Galoschen
und tretet poetische Funken aus,
vertiertes Gezücht, bis die Farben erloschen
unterm Schreiten der tausenköpfigen Laus.

1918 schrieb er bereits für den Kommunismus – das Gedicht der russischen Revolution (Lewui Marsch, Linker Marsch):

Zitat:

Adleraug sollte verfehlen?!
Altes sollte uns blenden ?!
Kräftig der Welt an die Kehle,
proletarische Hände!
Wie ihr kühn ins Gefecht saust!
Himmel, sei flaggenbeschwingt!
He, wer schreitet dort rechts aus?
Links! Links! Links!

"Ich warf mich in den Kommunismus aus den Himmeln der Dichtung" hiess eine seiner Gedichtsammlungen...

Doch jeder Glaube ist Trug, muss in kritisch denkenden Menschen eines Tages zerbrechen.

In "Idyll" (1929) schrieb Majakowski, desillusioniert vom sich einstellenden Spießertum:

Zitat:

Die Revolution ist am Ende.
Nun ans Leben.
Plätschere,
Bächlein.
Flugs
ging der sowjetische Spießbauch
zur Ruhe
und richtete sich ein.

Weiße
Tapeten,
jetzt braun -
fliegenbedeckt
und voller Staub;

Am 14.4.1930 beging Majakowski Selbstmord, indem er sich mit einer Pistole ins Herz schoss. Er hinterließ der Welt die Abschiedszeilen:

"Wie man so sagt, der Fall ist erledigt; das Boot meiner Liebe am Alltag zerschlug. Bin quitt mit dem Leben. Gebt niemanden die Schuld, dass ich sterbe, und bitte kein Gerede. Der Verstorbene hat das ganz und gar nicht gemocht."

Alle hier verwendeten Gedichtzitate entstammen dem Buch
Wladimir Majakowski - Gedichte (russisch/deutsch), Reclam Leipzig, 1988

Nachricht senden Zitat
Jasmin
Mitglied

406 Forenbeiträge
seit dem 21.11.2004

Das ist Jasmin

Profil      
1. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 21.04.2005 um 12:40 Uhr

Zitat:

In dem frühen Gedicht Einige Worte über mich selbst (1913) "bekannte" er:

Zitat:

Ich liebe es, zu sehn wie Kinder sterben


Ich finde es sehr gewagt, dass Du dieses Zitat bringst.

Der Selbstmord Majakowskis soll umstritten sein.

Nachricht senden Zitat
Kenon
Mitglied

1347 Forenbeiträge
seit dem 02.07.2001

Das ist Kenon

Profil Homepage von Kenon besuchen      
2. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 21.04.2005 um 12:56 Uhr

Zitat:

Ich finde es sehr gewagt, dass Du dieses Zitat bringst.

Wir können ja gern über literarische Tabubrüche, Provokationen, Skandale reden. Majakowski, Nabokov, Bernhard – man wird genug Gesprächsmaterial finden.

Zitat:

Der Selbstmord Majakowskis soll umstritten sein.

Ja, davon habe ich gehört. Aber was hätte man von Spekulationen, wenn man nicht Zugriff auf die Quellen hat, die tatsächlich Aufschluss geben könnten?

Der Selbstmord Majakowskis erscheint mir plausibel, besonders auch, wenn man von seiner unglücklichen Liebe und politischen Enttäuschung weiß. Kommunismus war seine Religion. Mit dem Glauben an ihn hat er alles andere kompensiert. Becher war da ganz ähnlich.

Dichter haben meist ein gutes Gefühl dafür, zu wissen, wann es Zeit ist, zu gehen.

Nachricht senden Zitat
Jasmin
Mitglied

406 Forenbeiträge
seit dem 21.11.2004

Das ist Jasmin

Profil      
3. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 21.04.2005 um 13:03 Uhr

Zitat:

Wir können ja gern über literarische Tabubrüche, Provokationen, Skandale reden. Majakowski, Nabokov, Bernhard – man wird genug Gesprächsmaterial finden.

Ja, klar. Das ist sicher ein interessantes Thema. Interessant ist dabei heraus zu finden, warum jemand provozieren und Tabus brechen will. Macht er das aus rein persönlichen Gründen, um auf sich aufmerksam zu machen oder möchte er gesellschaftliche Strukturen ins Wanken bringen, Denkprozesse in Gang setzen?

Das Zitat von Majakowski – es hat mir einen Stich ins Herz versetzt, als ich das las – was soll es bezwecken? Was steht im Rest des Gedichtes? Vielleicht wirkt es aus dem Zusammenhang gerissen besonders intensiv.



Nachricht senden Zitat
Kenon
Mitglied

1347 Forenbeiträge
seit dem 02.07.2001

Das ist Kenon

Profil Homepage von Kenon besuchen      
4. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 21.04.2005 um 13:10 Uhr

Zitat:

Was steht im Rest des Gedichtes? Vielleicht wirkt es aus dem Zusammenhang gerissen besonders intensiv.

Das Gedicht steht in einer Reihe mit vier anderen, die z.B. Einige Worte über meine Frau, Einige Worte über meine Mama betitelt sind.

Ich reisse weitere Sätze aus dem Zusammenhang, denn etwas anderes könnte ich hier ohnehin nicht tun:

Habt ihr die düstre Woge der Brandung des Lachens
bemerkt
hinterm Rüssel der Sehnsucht?

[...]

Den Dolch rasender Worte ich ramm
in des Himmels gedunsenes Weichfleisch:

"Sonne!
Mein Vater!
Wenigstens du mich nicht quäle!

[...]

Einsam bin ich wie das letzte Auge
eines Menschen, der geht zu den Blinden!

Nachricht senden Zitat
Kenon
Mitglied

1347 Forenbeiträge
seit dem 02.07.2001

Das ist Kenon

Profil Homepage von Kenon besuchen      
5. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 07.09.2005 um 01:02 Uhr

Eine Auswahl einiger Majakowskij-Gedichte im russischen Original findet sich nun im versalia-Archiv klassischer Werke.

Nachricht senden Zitat
Kenon
Mitglied

1347 Forenbeiträge
seit dem 02.07.2001

Das ist Kenon

Profil Homepage von Kenon besuchen      
6. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 12.11.2005 um 20:35 Uhr

Ein Fragment aus dem Gedicht "Wolke in Hosen" (1915), übertragen von Dedicius:

Zitat:

Rühmt mich!
Ich trotz den Größen.
Ich sage zu allem, was sie geleistet haben,
"nihil".

Nichts
und nie will ich lesen.
Bücher?
Was Bücher!

Nachricht senden Zitat
Kenon
Mitglied

1347 Forenbeiträge
seit dem 02.07.2001

Das ist Kenon

Profil Homepage von Kenon besuchen      
7. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 13.12.2005 um 20:08 Uhr

Das ist Majakowskij, aufgenommen von Rodschenko im Jahre 1924:



Mehr über den Fotografen Aleksandr Rodschenko (russ.)

Nachricht senden Zitat
bodhi
Mitglied

741 Forenbeiträge
seit dem 08.12.2004

Das ist bodhi

Profil      
8. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 14.12.2005 um 08:53 Uhr

Also nach dem Bild möchte man ihm aber auch nicht im Dunkeln begegnen...

Nachricht senden Zitat
Kenon
Mitglied

1347 Forenbeiträge
seit dem 02.07.2001

Das ist Kenon

Profil Homepage von Kenon besuchen      
9. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 14.12.2005 um 16:55 Uhr

Zitat:

Also nach dem Bild möchte man ihm aber auch nicht im Dunkeln begegnen...

Ach, da besteht kein Grund zur Sorge, so einer tut nur sich selbst etwas an.

Nachricht senden Zitat
Seite: 1 2
[ - Beantworten - ] [ - Drucken - ]
Forum > Literaturgeschichte & -theorie > Wladimir Majakowskij


  Ähnliche Beiträge
Gestartet von
Antworten Letzter Beitrag
Wladimir Majakowski - Die Tropen
Niko
1 31.03.2010 um 18:40 Uhr
von Kenon


Sie möchten hier mitdiskutieren? Dann registrieren Sie sich bitte.




Buch-Rezensionen:
Anmelden
Benutzername

Passwort

Eingeloggt bleiben

Neu registrieren?
Passwort vergessen?

Neues aus dem Forum


Gedichte von Georg Trakl

Verweise
> Lyrikband seelengruende
> Neue Gedichte: fahnenrost
> Kunstportal xarto.com
> New Eastern Europe
> Free Tibet
> Naturschutzbund





Das Fliegende Spaghettimonster

netzbibliothek | Anti-Literatur | Datenschutz | FAQ | Impressum | Rechtliches | Partnerseiten | Seite empfehlen | RSS

Systementwurf und -programmierung von zerovision.de

© 2001-2022 by Arne-Wigand Baganz

v_v3.53 erstellte diese Seite in 0.077713 sek.