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Literaturforum: X, Y und Z des Jahres 2006


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Forum > Aktuelles > X, Y und Z des Jahres 2006
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 Autor
 Thema: X, Y und Z des Jahres 2006
Kenon
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974 Forenbeiträge
seit dem 02.07.2001

Das ist Kenon

     
Eröffnungsbeitrag Abgeschickt am: 19.12.2006 um 13:02 Uhr

... und wie sieht es aus mit den Büchern?

Welches war für Euch das Buch des Jahres 2006 (egal, ob in diesem Jahr erschienen oder nicht) und warum?

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Matze
Mitglied

719 Forenbeiträge
seit dem 09.04.2006

Das ist Matze

     
1. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 19.12.2006 um 13:20 Uhr

"Totreden" - von Margit Hahn

Seit Beginn der 1990-er Jahre bereitet die Wienerin Margit Hahn den LeserInnen mit ihren bösten Geschichten über die Krone der Erschöpfung Vergnügen. Nachdem Sie in den frühen Büchern die Spielarten des Sex, bzw. das Nichzustandekommen beschrieb, widmet sie sich nun dem Leben der Angestellten. In "Totreden" gibt es keine Handlung, es gibt keine Hauptfigur, die zur Identifikation einlädt. Von Moral und Parteilichkeit und Volksverbundenheit kann nicht einmal im Ansatz die Rede sein, ganz im Gegenteil: Hier ist das Ungezügelte am Werk, der freie Gedankenstrom, die literarischen Verweisspiele und Binnenräume. Alle paar Seiten wechselt die Atmosphäre, wechseln die Figuren. Margit Hahn arbeitet behutsam und präzise wie mit einer Lupe, und so gelingt es ihr, unscheinbare Augenblicke zu seelischen Szenarien zu öffnen. Das Buch handelt nicht nur von den Abgründen der Globalisierung, es ist mit einer hingebenden Aufmerksamkeit geschrieben, die genau diesen Namen verdient.

"Totreden" - von Margit Hahn ist erschiebeb bei: Skarabæus


Ich bin ein Amateur, weil in dem Wort Amateur das Wort Amour steckt.
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Kroni
Mitglied

145 Forenbeiträge
seit dem 21.08.2006

     
2. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 19.12.2006 um 18:57 Uhr

Bernt Spiegel: "Die obere Hälfte des Motorrades - über die Einheit von Fahrer und Maschine.", im Motorbuch-Verlag in 2. Auflage erschienen, die Erstauflage stammt von Ende der neunziger Jahre.

Bernt Spiegel ist achzig Jahre alt, und diesen Sommer mit einer Honda Fireblade zum Nordkap gefahren. In einem Interview für die Zeitschrift "Motorrad" hat er angekündigt, das Motorradfahren aufzugeben, wenn er die Nordschleife des Nürburgrings nicht mehr unter 9 Minuten schafft.

Bernt Spiegel ist von Hause aus Psychologe und Verhaltensforscher. Seine erste Veröffentlichung über Strassenverkehr stammt noch aus den fünfziger Jahren. Er ist einer der Pioniere der Marktforschung, und betreibt seit etlichen Jahrzehnten in Mannheim ein privates Marktforschungsinstitut.

In seinem Buch entwirft er eine Systemtheorie des Motorradfahrens. Er beginnt mit der Fahrphysik des Motorrades, die verhältnismässig komplex ist, und endet bei der Wahrnehmungspsychologie und -physiologie des Motorradfahrers. Er macht es - nicht nur für mich zum ersten Male - verständlich, wieso schnelles Motorradfahren überhaupt funktionieren kann, und wie es funktioniert.

Ich lerne mit diesem Buch Motorradfahren. 2005 habe ich damit angefangen, und mit den bisherigen Ergebnissen bin ich sehr zufrieden. Selbstkritisch gesehen bin ich immer noch ein - wenn auch fortgeschrittener - Anfänger. In Relation gesehen jedoch fahre ich besser als manche, die schon seit zwanzig Jahren unfallfrei usw.
Motorradfahren ist eine gefährliche Angelegenheit - aber auch ein großes Abenteuer, eine sinnliche, ja berauschende Art der Fortbewegung.
Ein Gerät zu beherrschen zu lernen, dessen Fahrdynamik weit über dem jedes Sportwagens angesiedelt ist - das ist eine Herausforderung, die nicht den "ganzen Mann" verlangt, sondern den ganzen Menschen: vom nüchtern kalkulierenden Verstand bis hin zu den tiefsten Schichten unserer Persönlichkeit. Diese Quintessenz aus Spiegel´s Buch wird nicht nur abstrakt, sondern auch konkret auf die alltägliche Fahrpraxis auch jenseits der Rennstrecke vermittelt.
Das Buch, daß von vielen "bikern" wegen seiner Theorielastigkeit abgelehnt wird, ist umgekehrt für Nicht-Motorradfahrer kaum richtig nachzuvollziehen. Demjenigen Motorradfahren jedoch, der es gewohnt ist, sich auch intellektuell mit Tätigkeiten und Verhalten auseinanderzusetzen, über die man normalerweise nicht nachdenkt - ja sogar meinen will: es sei schädlich, zu "verkopft" an die Sache heranzugehen, dem wird das Buch von Bernt Spiegel eine Menge zu bieten haben.

Es ist höchst bedauerlich, daß es ein solches Buch nicht z.B. über Sex gibt.

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bodhi
Mitglied

741 Forenbeiträge
seit dem 08.12.2004

Das ist bodhi

     
3. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 19.12.2006 um 20:20 Uhr

Also ich habe mal in meiner Mittagspause die Lektürelisten Januar - Dezember 2006 durchgeklickt und -gescrollt (nebenbei bemerkt: sehr interessant, was wir hier so treiben) in der Hoffnung, ich könnte ein Buch festnageln und ihm den Stempel des persönlichen Favoriten verpassen. Vergeblich.

Vom Intellekt her zu vieles, um es zu benennen. Von der tiefsten, innersten Berührung her (was zum Teufel ist die tiefste, innerste Berührung?) auf einer Skala von 0 - 10 bei 9 +: die OH Sae-young-Lyrik, beispielsweise "Das ferne Du". Und hierzu zum Warum: Weil ich bei diesen Texten am meisten empfand: Da steht´s!

Aber würde ich zu diesem Thema morgen früh antworten, stünde ich hier vielleicht auch: Karl Dedecius - Mein Russland in Gedichten. Das hat mir auch sehr gut gefallen.

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bodhi
Mitglied

741 Forenbeiträge
seit dem 08.12.2004

Das ist bodhi

     
4. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 19.12.2006 um 20:36 Uhr

Zitat:

Es ist höchst bedauerlich, daß es ein solches Buch nicht z.B. über Sex gibt.

"Verkopfte" und theoretische Aufklärungs- und "Technik"-Bücher dazu gibt´s doch genug? Letztendlich füllt doch - auch hier - nur die Praxis den Kessel.

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LX.C
Mitglied

1770 Forenbeiträge
seit dem 07.01.2005

Das ist LX.C

     
5. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 19.12.2006 um 21:27 Uhr

Diese Nachricht wurde von LX.C um 21:29:04 am 19.12.2006 editiert

Von 65 Büchern fallen mir ganz spontan nur fünf ein, die mich dieses Jahr wahnsinnig mitgerissen haben:

Leonhard, Wolfgang: Die Revolution entlässt ihre Kinder
Ostrowski, Nikolai: Wie der Stahl gehärtet wurde
Remarque, Erich Maria: Im Westen nichts Neues
Trifonow, Jurij: Das Haus an der Moskwa
Wander, Fred: Der siebente Brunnen


Warum auch immer.


.
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Kroni
Mitglied

145 Forenbeiträge
seit dem 21.08.2006

     
6. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 19.12.2006 um 23:54 Uhr

Zitat:


"Verkopfte" und theoretische Aufklärungs- und "Technik"-Bücher dazu gibt´s doch genug? Letztendlich füllt doch - auch hier - nur die Praxis den Kessel.

"Das beste was es gibt ist: eine gute Theorie." - John Stuart Mill (bin mir nicht 100% sicher)

Natürlich kann man ausschließlich aus einem Buch Motorradfahren, noch vögeln, oder sonstige, dem fliegen wohl ähnliche Beschäftigungen erlernen. Aber ein gutes Buch kann die Sache gewaltig erleichtern !

Man kann das eine wie das andere rein intuitiv erlernen und betreiben. Aber man kann sich zumindest über das eine in einer Art und Weise informieren, die einem diese Intuition erläutert und eröffnet, die ihr zugrunde liegenden Umstände aktiv und bewußt einzusetzen.
Ein eleganter, runder Ablauf ist in dem einen, wie dem anderen Falle nämlich derjenige, der allen Beteiligten am meisten Freude macht !

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bodhi
Mitglied

741 Forenbeiträge
seit dem 08.12.2004

Das ist bodhi

     
7. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 20.12.2006 um 00:18 Uhr

Zitat:

Ein eleganter, runder Ablauf ist in dem einen, wie dem anderen Falle nämlich derjenige, der allen Beteiligten am meisten Freude macht!

Schön, wenn´s so wäre. Kohärenz ist ein mentales Konstrukt und somit eine Illusion. (themaabschweif...)

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Kroni
Mitglied

145 Forenbeiträge
seit dem 21.08.2006

     
8. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 20.12.2006 um 11:01 Uhr

Zitat:

Schön, wenn´s so wäre. Kohärenz ist ein mentales Konstrukt und somit eine Illusion. (themaabschweif...)


Dann schweifen wir doch ein bissl ab - warum nicht ?

Es geht hier nicht um ein mentales Konstrukt, sondern um Praxis. Bleiben wir - der Unverfänglichkeit halber (und des Themas des von mir hochgelobten Buches wegen) - beim Motorradfahren:

Unelegant und "eckig" motorradfahren - das geht zwar, aber nur bis zu Grenzen, die mitunter sehr eng gesteckt sind: die Streckenzeiten, die man auf diese Weise fahren kann, sind allenfalls mittelmässig, und die Streckenlängen, auf denen man eine solche Fahrerei durchhält, sehr begrenzt.

Will man weit fahren, und mit guten Streckenzeiten - was sich gegenseitig bedingt - dann muß man elegant und "rund" fahren.

Es geht hier - auch - um den Zusammenhang zwischen Ästethik und Funktion. Das Schöne ist hier in aller Regel das Bessere. Schönheit und Effizienz stehen nicht im Widerspruch, sondern bedingen einander, bewegen sich aufeinander zu. Wohlgemerkt: es geht um die Ästethik von Bewegungsabläufen - nicht um die Ästethik des Maschinenbaus.

Kohärenz - das hat was mit Logik zu tun, dem Satz vom Grunde, mit Widerspruchsfreiheit. Das sind wahrlich mentale Konstrukte, die sich nicht verwirklichen lassen, und gerade die jüngste Geschichte lehrt uns, daß die Folgen fürchterlich sind, wenn man logisch kohärente Systeme praktisch umzusetzen versucht. Der Mensch wird mit seinen "Unvollkommenheiten" zum Störfaktor dieser systematischen Kohärenz, der im besten Falle zur Umerziehung, im schlimmsten Falle zur Liquidation ansteht.

Ich rede hier das Wort eines Denkens, daß nicht von idealen Wolkenkuckucksheimen ausgeht, und dementsprechend voller Ekel ist über den Zustand des Menschen - sondern von einem Denken, das den Menschen in seinem Sosein akzeptiert; alldas, was von den Durchblickern immer gerne als Sündhaftigkeit, Unvernunft usw - in einem Wort: die Schlechtigkeit des Menschen diskriminiert wird, sollte als Teil des menschlichen Wesens akzeptiert werden.

Es gibt nun mal kein gutes Leben ausserhalb des Schlechten !

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Kenon
Mitglied

974 Forenbeiträge
seit dem 02.07.2001

Das ist Kenon

     
9. Antwort   - Permalink - Abgeschickt am: 21.12.2006 um 00:05 Uhr

Zitat:

Leonhard, Wolfgang: Die Revolution entlässt ihre Kinder

Ja, das auch bei mir ganz oben. Zu Weihnachten wird es wohl noch mal verschenkt. Ansonsten die Sartre-Biographie von Bernard-Henri Lévy und José Maria Arguedas "Trink mein Blut, trink meine Tränen".

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