
|
Biographie: Georg Trakl


| |
(* 03.02.1887 – † 03.11.1914) [- Werke von Georg Trakl online lesen -]
Der österreichische frühexpressionistische Dichter Georg
Trakl wurde am 3. Februar 1887 im Zeichen des Wassermanns in
Salzburg geboren. Sein Vater war ein offenherziger,
lebenslustiger Mensch, wohingegen die Mutter ein schwer
zugängliches, musisch begabtes Wesen hatte, sich manchmal
tagelang absonderte vom Rest der Familie und nicht
erreichbar war. Trakl hat unter dem Mangel an Mutterliebe,
Wärme und Geborgenheit gelitten und diese bei weiblichen
Ersatzpersonen, wie seiner Gouvernante und später bei
verschiedenen Dirnen und Kellnerinnen gesucht. Auch die
tiefe, zum Teil inzestuöse Liebe zu seiner jüngeren
Lieblingsschwester Gretl prägte und verfolgte ihn ein Leben
lang. Von 1897 bis 1905 besuchte er das humanistische
Staatsgymnasium. Während seiner Schulzeit wurde er zwei Mal
aufgrund ungenügender Leistungen nicht versetzt. Als er in
der vierten Klasse zum ersten Mal sitzen blieb, reagierte er
nach außen hin mit Gleichgültigkeit und Zynismus und
entwickelte sich zunehmend zu einem menschenscheuen
Sonderling. Schließlich musste er das Gymnasium aufgrund
seiner unzureichenden Leistungen verlassen und begann eine
Apothekerlehre, wo er zum ersten Mal mit Drogen in Berührung
kam und seine Drogenkarriere ihren Lauf nahm.
1906 wurde sein Einakter „Totentag“ im Salzburger
Stadttheater aufgeführt. Der Erfolg regte ihn zu weiterer
Dichtung an. Als er aber mit dem Einakter „Fata Morgana“
versagte, wurde seine Kreativität im folgenden Jahr
blockiert. Anfang 1908 bestand Trakl die
„Tiromedicinalprüfung“ und nahm im Herbst ein Studium der
Pharmazie an der Universität Wien auf. 1910 bestand er seine
Magisterprüfung und meldete sich freiwillig zum Militär.
Im Herbst 1911 erlebte Trakl sehr schwere depressive
Episoden, wie auch Zustände von Depersonalisierung und
Platzangst, war gleichzeitig aber auf dem Höhepunkt seiner
dichterischen Intensität. Seine Alkohol- und
Medikamentenabhängigkeit nahm zu.
1913 erschien in der Reihe „Der jüngste Tag“ eine
Gedichtsammlung von Georg Trakl.
1914 war er mit einer Sanitätskolonne in Galizien im
Einsatz, in der Schlacht von Grodek/Rawa-Ruska. Ohne
ärztlichen Beistand und ohne ausreichend Medikamente zur
Verfügung zu haben, musste er an die hundert
Schwerverwundete in einer Scheune versorgen. Trakl erlebte
einen lebendigen Alptraum. Zwei Tage und zwei Nächte lang
musste er das Stöhnen und Klagen der Leidenden ertragen,
ohne ihnen wirklich helfen zu können. Immer wieder wurde er
von dem einen oder anderen Verletzten angefleht, der Qual
ein Ende zu bereiten. Einer jagte sich vor Trakls Augen eine
Kugel durch den Kopf, blutige Gehirnteile klebten an der
Wand. Trakl lief in schmerzvollem Entsetzen ins Freie, wo er
an den kahlen Bäumen ringsumher Gehenkte baumeln erblickte.
Trakl hielt die Folgen dieser psychischen Belastung nicht
aus. Ihm wurden die Waffen abgenommen, er beging einen
Selbstmordversuch und wurde in das Garnisonshospital Krakau
eingeliefert. Ende Oktober verfasste der 27-jährige Trakl
ein Testament zugunsten seiner Schwester Gretl. Am 3.
November 1914 starb er in Krakau an einer Überdosis Kokain.
Trakls Lyrik ist von außerordentlicher Schwermut, tief
empfundenem Schmerz und unerträglichem Leid geprägt.
Bewegende Metaphern und sehr eindringliche Bilder des Todes
und der Vergänglichkeit prägen seine Verse, die von seltener
Musikalität und sprachlicher Schönheit sind.
Werke
• 1913 Gedichte
• 1915 Sebastian im Traum (Gedichte)
• 1917 Die Dichtungen (Gedichte, Herausgeber: K. Roeck)
Abschließend sei hier noch ein Gedicht von Trakl zitiert:
Das Herz
Das wilde Herz ward weiß am Wald;
O dunkle Angst
Des Todes, so das Gold
In grauer Wolke starb.
Novemberabend.
Am kahlen Tor am Schlachthaus stand
Der armen Frauen Schar;
In jeden Korb
Fiel faules Fleisch und Eingeweid;
Verfluchte Kost!
Des Abends blaue Taube
Brachte nicht Versöhnung.
Dunkler Trompetenruf
Durchfuhr der Ulmen
Nasses Goldlaub,
Eine zerfetzte Fahne
Vom Blute rauchend,
Dass in wilder Schwermut
Hinlauscht ein Mann.
O! ihr ehernen Zeiten
Begraben dort im Abendrot.
Aus dunklem Hausflur trat
Die goldne Gestalt
Der Jüngling
Umgeben von bleichen Monden,
Herbstlicher Hofstaat,
Zerknickten schwarze Tannen
Im Nachtsturm,
Die steile Festung.
O Herz
Hinüberschimmernd in schneeige Kühle.
Diese Biographie schrieb: Jasmin Carow (2005-03-20)
Hinweis: Für die Richtigkeit der Daten kann versalia.de keine Garantie übernehmen. Sollten Sie in dieser Biographie Fehler finden, schicken Sie bitte eine Email an den Webmaster.
-> Bücher von Georg Trakl ansehen
zurück zur Übersicht
|
|
Aus unseren Buchrezensionen


Brasme, Anne-Sophie: Dich schlafen sehen Die düstere Geschichte über ein trauriges, verlassenes
Mädchen, welches von ihrer Besessenheit verzehrt wird.
Charlene war schon immer ein Problemkind, sie war immer
alleine, verlassen, ohne Freunde, nicht mal ihre Familie
beachtet sie. Sie ist nie in der Gesellschaft eingegliedert,
deshalb bleibt ihr nur die Schule. Sie will nur die …[...]
-> Rezension lesen
|
| McDonell, Nick: Zwölf Inhaltsangabe
Es spielt in den Weihnachtsferien bei High-Society-Kids in
New York. Deren Eltern sind irgendwo auf schicken Partys,
aber sie lassen Kreditkarten und genügend Geld im Haus
zurück, damit sich die zukünftigen Erben auf verschiedene
Art und Weise die Langweile verschönern können. Immer die
angesagtesten Klamotten, die …[...]
-> Rezension lesen
|
Scholz, Sabine: Studienzeit mit Pannen Studienzeit mit Pannen
Die Protagonistin verrät ihren Namen nicht. Sie sitzt auf
der Couch, die sie vom Sperrmüll hat und blättert in einer
Fernsehzeitung der letzten Woche, und es ist der Tag, an dem
sie aufgibt, einmal Philosophieprofessorin zu werden. Sie
ist nicht nur eine gescheiterte Philosophin, sondern auch
eine gescheiterte …[...]
-> Rezension lesen
|
| de Toys, Tom: DER ERNST IST EIN MEISTER AUS DEUTSCHLAND DER ERNST IST EIN MEISTER AUS DEUTSCHLAND
TRANSTopIK
(JENSEITS VON TERROR UND POLITIK)
Ursprünglich erfolgte die Zusammenstellung der vorliegenden
Auswahl toysianischer Texte für den Hagener
Ernst-Meister-Lyrikpreis, den Lutz Seiler, Hendrik Rost und
Ulf Stolterfoht gewannen. Diese 36 Gedichte aus 11 Jahren
orientieren sich …[...]
-> Rezension lesen
|
|
|