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Rezensionen


 
Monika Kellermann - Gardasee Eine kulinarische Rundreise
Buchinformation
Kellermann, Monika - Gardasee Eine kulinarische Rundreise bestellen
Kellermann, Monika:
Gardasee Eine
kulinarische Rundreise

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(Bücher frei Haus)

Gleich wenn man über den Brenner kommt befindet sich linker Hand ein kleines Paradies, dessen Vegetation so ganz anders ist, als die im Norden und das ganze nur wenige Stunden von zu Hause entfernt. Die Berge um den Gardasee locken nicht nur Radfahrer und Kletterer an, sondern auch Surfer und andere Urlauber und nicht erst seit neuerdings auch kulinarische Entdeckungsreisende. Die Autorin ist eigentlich Ernährungsberaterin und lebt die halbe Zeit des Jahres in Bardolino am Gardasee, der Fotograf ist ein weltgereister, der schon mehrere Bildbände veröffentlicht hat, die von Alaska bis Feuerland alle Schönheiten der Welt zeigen.

Die erste Gegend am Gardasee, die in vorliegendem kiloschweren Bildband näher vorgestellt wird, ist im Norden gelegen. In Riva, Arco und im Valle dei Laghi kommen nicht nur Sportler auf ihre Kosten, sondern auch Kulturbegeisterte. Schlösser, Villen, Weinberge und sogar mittelalterliche Burgen findet der Besucher hier in einer wunderschön grünen Landschaft eingebettet, deren Tische mit Fisch, Nosiola und dem geheimnisvollen Carne Salada gedeckt werden. Das Restaurant, das dieses „salzige Fleisch“ erfunden hat, ist natürlich längst kein Geheimtipp mehr, umso mehr das Rezept, das die Hausherrin wie ihren Augapfel hütet und das obwohl es eigentlich schon seit 1274 bekannt ist. Aber keiner macht es eben so gut wie sie, die Köchin des Belvedere. In der Nähe befinden sich übrigens noch einige Naturschauspiele, die auch von Thomas Mann schon beschrieben wurden. Die „Cascata del VArone“ nennt er in seinem 1924 erschienen Roman „Der Zauberberg“ eine „wahnsinnig mächtige Dusche“. Von manchem Urlauber, der neben einem im Restaurant Platz nimmt, würde man sich wünschen, er hätte genau diese vor dem Restaurantbesuch aufgesucht, besonders, wenn es sich um Mountainbiker handelt. Der Lago di Tenno oder die vielen anderen kleineren Laghi in der Umgebung des Gardasees machen auch klar, warum das Valle dei Laghi besonders von diesen Besuchern gerne befahren wird, denn die Abkühlung liegt quasi auf dem Weg. Bezaubernde Bergstraßen geben immer wieder den Blick auf den Lago di Garda frei und man möchte verharren, bremsen, und einfach nur genießen.

Monte Baldo, Bardolino und seine Weine, die Reisfelder der Isola della Scala sind andere Paradiese, die der willige Betrachter mit Hilfe des vorliegenden Buches besuchen kann. Ein extra Kapitel ist den „Hauptstädten“ in der Nähe des Sees gewidmet, wie etwa Verona, Trento, Rovereot und Brescia. Und wer eine Prise Zitronen vernimmt, der wird sich im 1289 gegründeten Benaco wohlfühlen. Die Zitronenküste selbst reicht von Limone bis Salo, aber Benaco, wo die „nördlichsten Zitronen“ wachsen ist besonders bekannt: hier erzielte die Societa del Garda in den Jahren 1841 -45 den Verkauf von sechs Millionen Früchten. Wohl aus diesem Grunde, schwärmte Goethe besonders hier am Gardasee vom „Land wo die Zitronenen blühn“. Die Autorin besucht auf ihrer Reise vom Norden des Sees Richtung Süden nicht nur Winzer, Köche und Orangenmarmeladenhersteller, die üppig fotografiert und deren Produkte ebenso üppig zur Schau gestellt werden, sie erzählt auch viel über die Herstellung der jeweiligen Produkte, interviewt die beteiligten Personen und verrät wohl auch so manches bestgehütete Familiengeheimnis. Etwa die „Cantina del Gato Borracho“ (sic! In Wirklichkeit: Gatto! Auf Dt.: Zur betrunkenen Katze) in Limone, wo nachts gerne die Tische hochgeklappt werden und dann ausgiebig getanzt wird: il gatto miagola, fa le fusa, graffia (die Katze miaut, schnurrt und kratzt). Das Konzept dieses außergewöhnlichen Buches mag vielleicht nicht sofort aufgehen, denn die vielen verschiedenen Zutaten machen es etwas unklar und verschwommen, worauf die Autorin hinaus will. Aber man kann es auch so betrachten: das Buch ist so reichhaltig wie der Gardasee selbst und das zu vermitteln ist ihr sicherlich gelungen. Ganzseitige, großformatige Porträts von Gewerbetreibenden in der Region wären meines Erachtens nicht unbedingt notwendig gewesen und rauben ein bisschen den Charme eines eigenen Besuches. Aber natürlich wird man dann gerade das lieben, was man vorher ablehnte, wenn man erstmal länger dort lebt. „Soprese del Lago“, schreibt sie am Schluss, die Überraschungen des Sees (richtig: sorprese), die sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen.

Ihren Italienischkurs muss die Autorin allerdings noch länger besuchen, denn gleich auf den ersten beiden Seiten finden sich kleinere Fehler wie „vini sfussi“ statt „vini sfusi“ oder „patrone di casa“ statt „padrone di casa“, oder „Castell“ statt „Castello“. Das mag kleinlich erscheinen, das zu erwähnen, aber wenn man die Sprache nicht im Gehör hat, wie soll man sie dann je erlernen? Natürlich wird das durch die vielen anderen Informationen und schönen Bildaufnahmen mehr als kompensiert, etwa wenn ein Angler am Ufer steht und die Weite des Sees sich vor ihm erstreckt. Man mag schnell glauben, dass auch wirklich das auf den Tisch kommt, was hier gezogen und dann auch wirklich fangfrisch zubereitet wird. Der Leser bekommt einen Einblick in das kulinarische und kulturelle Angebot des Gardasees und wird auch bald verstehen, warum der wohl berühmteste Gast, Johann Wolfgang von Goethe, auf seiner „Italienischen Reise“ hier fast hängen geblieben wäre.

Im Anhang findet man nicht nur Tipps zu weiteren Sternerestaurants im Trentino, Veneto und Lombardia nahe des Lago die Garda inklusive Internetrepäsentation, sondern auch eine Landkarte mit den entsprechenden Markierungen für das schnellere Auffinden der kulinarischen Hochburgen. Außerdem sind einige regionale Rezepte im Anhang vermerkt, die auch den Laien zum Fünfsternekoch werden lassen könnte.

Monika Kellermann/Udo Bernhart
Gardasee
Eine kulinarische Rundreise

2008
Collection Rolf Heyne
335 Seiten Großformat
ISBN: 978-3-89910-377-9
49,90.-

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2009-02-06)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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