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Biographie: Hubert Fichte


 
(* 21.03.1935 – † 08.03.1986)

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(Bücher frei Haus)
Hubert Fichte wurde 1935 in Perleberg (Brandenburg) als nichteheliches Kind geboren. Sein jüdischer Vater emigrierte bald nach Schweden, der Sohn hat ihn nie kennengelernt. Die anthroposophisch eingestellte Mutter kehrte mit Hubert ins kleinbürgerliche elterliche Heim nach Hamburg-Lokstedt zurück (Großvater Zollinspektor). Sie arbeitete als Büroangestellte und nach dem 2. Weltkrieg auch als Souffleuse oder Komparsin bei verschiedenen Theatern der Stadt, war zeitweise arbeitslos. Während des Krieges brachte sie das Kind für ein Jahr in einem katholischen Waisenhaus in Bayern in Sicherheit.

Hubert Fichte trat schon seit 1946 in Kinderrollen auf der Bühne auf. 1949 wurde Hans Henny Jahnn auf ihn aufmerksam. Der renommierte, wenn auch skandalumwitterte Autor war für mehrere Jahre eine wichtige Bezugsperson für den jungen Fichte, der bereits Gedichte und Prosa verfasste. Fichtes Einstellung Jahnn gegenüber war von Beginn an ambivalent.

1950 geht Fichte ohne Abschluss von der Schule ab, um Berufsschauspieler zu werden. Er arbeitet für den Hörfunk und als Filmstatist und scheitert an der Aufnahmeprüfung für die Schauspielschule. 1951 ist er der Geliebte des Schauspielers und Regisseurs Alexander Hunzinger (1910 – 1959). In den Jahren 1952 – 1954 wiederholte, auch längere Aufenthalte in Frankreich, u.a. als Schafhirt in der Provence. 1955 - 1957 landwirtschaftliche Berufsausbildung in Schleswig-Holstein mit Abschluss. Danach vorübergehend in Niedersachsen, Schweden und erneut in der Provence. Fichte versucht sich fortlaufend in verschiedenen Literaturgattungen.

Er lernt 1961 die Fotografin Leonore Mau (geb. 1916) kennen und kehrt 1962 nach Hamburg zurück. Fortan lebt er mit Mau zusammen, unternimmt mit ihr zahlreiche Auslandsreisen, gibt später Bücher mit ihr heraus. Er selbst erfährt als Autor seit der Rückkehr nach Deutschland zunehmende Anerkennung (Kontakt zur Gruppe 47, Hermann-Hesse-Preis, Aufenthalt in der Villa Massimo in Rom, rege journalistische Tätigkeit). Seine erste Buchpublikation wird der Erzählband „Der Aufbruch nach Turku“ (1963).

Fichtes Hauptwerk lässt sich zwei Perioden zuordnen. Da sind einmal die zwischen 1965 und 1974 veröffentlichten Romane „Das Waisenhaus“, „Die Palette“, „Detlefs Imitationen ‚Grünspan’“, „Versuch über die Pubertät“, alle recht erfolgreich und von der Kritik überwiegend günstig aufgenommen. Es handelt sich um zumeist autobiographische, formal sehr experimentierfreudige Werke. Auf der anderen Seite seit den siebziger Jahren Bücher ethnographischer Natur wie „Xango“, „Petersilie“ über afroamerikanische Mischreligionen und ihre Kulte. Diesem Themenkreis können im weitesten Sinn auch Werke zugeordnet werden, die Hamburger Subkulturen gewidmet sind („Interviews aus dem Palais d’Amour“, „Hans Eppendorfer. Der Ledermann spricht mit Hubert Fichte“).

Unvollendet blieb das Projekt des auf neunzehn Bände angelegten Romanzyklus „Die Geschichte der Empfindlichkeit“. Aus dem sehr umfangreichen Nachlass konnten siebzehn Bände veröffentlicht werden, die eine Vorstellung vermitteln von der Dimension dieses Werkes, vom überragenden Rang des Autors – und vom Verlust, den die Literatur durch seinen frühen Tod erlitten hat.

Hubert Fichte starb 1986 im Hamburger Hafenkrankenhaus an AIDS. Gäbe es eine Rangfolge der Opfer der Seuche nach ihren Leistungen, er wäre sehr weit vorn zu finden.


Diese Biographie schrieb: Arno Abendschön (2011-12-23)

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