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Willi Baer - Verdeckter Bürgerkrieg und Klassenkampf in Italien Band I – Die sechziger Jahre
Buchinformation
Baer, Willi - Verdeckter Bürgerkrieg und Klassenkampf in Italien Band I – Die sechziger Jahre bestellen
Baer, Willi:
Verdeckter Bürgerkrieg
und Klassenkampf in
Italien Band I – Die
sechziger Jahre

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(Bücher frei Haus)

Die Bibliothek des Widerstands des Laika Verlages legt mit Band 31 den ersten Teil eines Italien Schwerpunktes vor. Wie auch die 30 Bände zuvor glänzt auch diese Ausgabe wieder mit einer opulenten Ausstattung, die nicht nur aus Artikeln zum Thema von ausgesuchten Fachmännern und –frauen glänzt, sondern auch durch das ausgezeichnete dokumentarische Material in Bild und Ton und von Anfang an auch schon mit DVDs, als dieses Format noch niemand kannte. Mit Band 17 der Reihe war schon ein Titel zu Genua erschienen, das sich den Demonstrationen gegen die G8 widmete. Und wie die Geschichte zeigt, haben auch das brutale Vorgehen der Polizei und die Morde an friedlichen Demonstranten schon eine düstere Tradition. Ausgerechnet in Genua nämlich, der Stadt die sich im Widerstand den Titel „la medaglia d’ora della resistenza“ verdient hatte, wollte der MSI, der postfaschistische Block in Italien, 1960 seinen ersten italienischen Gesamtkongress nach dem Krieg abhalten. Wenn es dort durchgehen würde, würde es auch in ganz Italien funktionieren und die Postfaschisten könnten durch die demokratische Hintertür wieder an die Macht kommen, was die Regierung unter Tambroni, einem Christdemokraten, ja schon teilweise ermöglicht hatte, da sie eine Koalition mit dem MSI eingegangen war. Der Film „1960 i ribelli - Die Rebellen“ aus dem Jahre 2010 (40 min.) berichtet unter der Regie von Mimmo Calopresti mit vielen Zeitzeugeninterviews über diese spannende Nachkriegsperiode in Italien, in dem alles möglich war: ein erneuter Bürgerkrieg, ein neuer Faschismus oder sogar der Sozialismus?

Weihnachtsbaum und Sozialismus!
Sozialistische Lieder singen jedenfalls die Arbeiter bei der Besetzung der Apollon Fabrik, als sie ausgerechnet einen Weihnachtsbaum schmücken. Die Solidarität spielte damals besonders unter ArbeiterInnen eine große Rolle, wenn etwa die streikenden Elektromechaniker mit Weihnachtsgeschenken für ihre Kinder bedacht werden: „Per noi è un natale magro, ma la solidarietà ci rende più felici“, heißt es auf einem Transparenz, geben ist schließlich seliger denn nehmen, gerade im Sozialismus, der nicht nur eine bloße Geste, sondern eine gelebte Realität verkörpert. Sogar in Mailand auf der Piazza dell`duomo wurden Spenden gesammelt und auch für die Abrüstung während der Kubakrise 1962 demonstriert. „Sta mattina è morto Borgologni, alleluja“ singen sogar die Kinder bei einer Versammlung im Apollon Werk und der genannte Fabrikboss wird unter dem Jubel der Menge symbolisch hingerichtet, denn der Glaube ist weit verbreitet, dass dieses Jahrzehnt, die Sechziger, das Jahrzehnt der Arbeiterklasse werden würde. „Apollon, una fabbrica occupata - Apollon, eine besetzte Fabrik“ stammt aus dem Jahre 1969 (62 min.) von Ugo Gregoretti und zeigt stellvertretend wie gewerkschaftlicher Kampf organisiert werden kann.

Operaismus gegen Klerikalfaschismus?
Die Regierung Tambroni, der gerne auch das Etikett „clerico-fascisto“ umgehängt wurde, ging gewalttätig gegen die streikenden ArbeiterInnen vor, berittene Polizei stürzte sich rücksichtslos auf die Menge, tote Arbeiter blieben auf den Straßen zurück. Ihr einziges „Verbrechen“ bestand darin, ihre Rechte zu fordern, aber ihr Tod sollte nicht umsonst sein, denn bald organisierte sich eine Allianz zwischen Studenten und Arbeitern, und der italienische Operaismus feierte bald seine ersten Siege gegen das Kapital. Der Band I zur neueren Geschichte in Italien versammelt die Untersuchungen der Historiker Cesare Bermani und Sergio und einen Beitrag von Jacopo Chessa und Annamaria Licciardello über das militante italienische Kino der 1960er-Jahre zwischen seinen Buchdeckeln. Weitere Filme auf den beiden DVDs sind: Scioperi a Torino - Streiks in Turin I 1962, 35 min, Regie: Carla e Paolo Gobetti, Fata Morgana I 1962, 11 min, Regie: Lino dal Frau, La via sicura - Der sichere Weg I 1964, 24 min. Regie: Commissione stampa e propaganda del PCI (Kommission Presse und Propaganda des PCI), Rodiathoce di Pallanza - Kämpfe bei Rhodiatoce in Pallanza I 1969, 25 Min., Regie: Collettivo cinema militante, sowie der China-propagandistische Film La Fabbrica aperta - Die offene Fabrik I 1971, 30 Min, Regie: Collettivo cinema militante Torino.

BIBLIOTHEK DES WIDERSTANDS
Band 31:
Verdeckter Bürgerkrieg und Klassenkampf in Italien Band I – Die sechziger Jahre
ISBN:
978-3-944233-17-8
Erschienen im Mai 2014
Preis:
29,90 €
224 Seiten, 2 DVDs

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2014-06-28)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.


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