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Raphael Bouvier - Paul Gauguin
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Bouvier, Raphael:
Paul Gauguin

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(Bücher frei Haus)

Paul Gauguin’s Spazierstock befindet sich heute im Metropolitan Museum of Art in New York, denn auch er ist – wie sein Träger – ein Unikat. Auf dem Griff befindet sich die Darstellung eines bretonischen Holzschuhs, darauf folgt ein weiblicher Akt und eine Schlange, die zu einem Frosch mit offenem Maul führt. Der aus Buchsbaumholz angefertigte Stock ist mit Perlmutt, Glas und Eisen verziert und misst 93,3 cm. Neben diesem einzigartigen Exemplar fertigte Gauguin aber auch Holzschuhe, Trinkgefäße, Schalen, Fässer, Vasen, Truhen und Schränke auf kunstfertige Weise und nur zum Eigengebrauch an. „Vollmundig bediente Gauguin das Klischee vom Künstler als Querulant und Bohemien“, schreibt Martin Schwander in seiner Einführung zu diesem schwelgerischen Farbenparadies das diese Publikation des Hajte Cantz Verlages dem Betrachter eröffnet. Der Künstler selbst hatte dafür gesorgt, dass sein Leben „romanhafte Züge“ bekam, denn er stilisierte sich als Wilder, dann wieder als christusähnlicher Märtyrer, so Schwandner. Mit den Augen eines heutigen Zeitgenossen gelesen benutzte Gauguin seine öffentlichen Auftritte als Marketinginstrumente, so war er von sich eingenommen.

Der Indianer in der Bretagne
Als er sich mit 42 Jahren nach Tahiti und den Marquesas einschiffte, war seine künstlerische Karriere gerade mal zehn Jahre alt. Gauguin verabscheute den als „Verwisschenaschtlichte Variante des Naturalismus“ gegeißelten Naturalismus und fühlte sich eher dem Symbolismus eines Gogh, Redon oder Bernard zugehörig, aber das beschloss die Nachwelt, ohne ihn selbst zu befragen, denn Gauguin war vor allem eines: Individualist. Die antimodernistische Haltung gegen die Großstadt teilte aber in jedem Fall auch Gauguin und zog sich vorerst in die Bretagne zurück, die damals noch von einem Volk bewohnt wurde, das von den britischen Kelten abstammte. Heute gibt es nur mehr wenige Nachkommen dieses abergläubischen Volkes, denn sie wurden im 20. Jahrhundert in Frankreich außerordentlich diskriminiert und dezimiert indem man sie kurzerhand an die Front schickte. Die „Wilden im eigenen Land“ hatte aber nicht Gauguin entdeckt. „In unserer heutigen Misere gibt es kein anderes Heil als die wohlüberlegte Rückkehr zum Ursprung. Und auf diese Wirkung muss der Symbolismus in der Dichtung und der Kunst hinwirken.“, soll Gauguin, der sich selbst gerne als „Indianer“ bezeichnete, gesagt haben.

Der Garten Eden in Tahiti
„Je me retremperai“, war ein geflügeltes Wort Gauguins, denn seiner Ansicht nach musste man zu den Quellen hinabsteigen, ins Kindesalter der Menschheit, um sich zu erneuern. Seine bekanntesten Bilder mit den gesättigten Farben und Motiven eskapistischer Fantasien entstanden in dieser zweiten Schaffensperiode. Der einstige Börsenmakler produzierte Bilder mit reduzierten Formen, ausdrucksstarken Farben und betonter Flächigkeit. Der vorliegende Bildband zeichnet Gauguins künstlerische Entwicklung in der Malerei und Skulptur nach, von den facettenreichen Selbstporträts und sakralen Bildern bis zu den idyllisch-sehnsüchtigen Gemälden und archaisch-mystischen Skulpturen aus Tahiti und den Marquesas-Inseln. Die Ausstellung ist in der Fondation Beyeler, Riehen/Basel vom 8.2.bis 28.6.2015 zu sehen.

Paul Gauguin
Hrsg. Fondation Beyeler, Riehen/Basel, Raphaël Bouvier, Martin Schwander, Texte von Raphaël Bouvier, Isabelle Cahn, Lukas Gloor, Gloria Groom, Sam Keller, Martin Schwander, Alastair Wright, Gestaltung von Hans Werner Holzwarth
Deutsch 2015. 230 Seiten, 160 Abb.
28,00 x 31,60 cm
Leinen mit Schutzumschlag
ISBN 978-3-7757-3958-0

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2015-03-10)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.


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