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Elena Ferrante - Die Geschichte des verlorenen Kindes
Buchinformation
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Ferrante, Elena:
Die Geschichte des
verlorenen Kindes

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(Bücher frei Haus)

Der lange von einer immer größeren Fangemeinde erwartete Abschluss einer literarisch einzigartigen Tetralogie einer sich immer noch erfolgreich in der Anonymität haltenden italienischen Autorin liegt nun vor und ich nehme an, zehntausende von Lesern haben in den letzten Tagen so wie der Rezensent kaum etwas anderes getan, als die letzten 600 Seiten dieses monumentalen Werkes über eine absolut ungewöhnliche lebenslange Frauenfreundschaft zu verschlingen und zu erfahren, wie sich das im ersten Band als Grund für dieses Werk genannte plötzliche Verschwinden von Lila im Alter von 66 Jahren erklärt.

Zunächst blendet Elena Ferrante zurück in die Zeit Mitte der siebziger Jahre, als Elena, eine mittlerweile auch in anderen Ländern bekannte Schriftstellerin jeglichen Kontakt zu ihrer lebenslangen Freundin Lila vermeidet. Doch 1979 zieht sie, offiziell um authentischer schreiben zu können, wieder in den Rione in Neapel zurück und die alte Nähe zu Lila wird neu belebt. Die ist mittlerweile zusammen mit ihrem Partner eine erfolgreiche Unternehmerin geworden. Beide Freundinnen erfolgreich und reif geworden – das hätte normalerweise die Grundlage sein können für eine Abkehr von der jahrzehntealten Konkurrenz, die sie beide pflegen bis hin zur Grenze der Selbstzerstörung.

Mir ist gerade in diesem letzten vierten Band, der das Verhältnis der beiden Frauen und ihr jeweiliges unruhiges Leben von Mitte der siebziger Jahre bis hin zu ihrem Alter und Lilas mysteriösem Verschwinden beschreibt, nachdem sie unter ähnlich ungeklärten Umständen lange Zeit vorher ihre Tochter verlor (beide Freundinnen waren etwa zeitgleich von den Männern, die sie am meisten liebten, mit denen sie aber kein Glück finden konnten, schwanger geworden – Grund und Ursache für erneute Konkurrenz und permanente Vergleiche), nicht wirklich klar geworden, von wem diese lebenslange Feindschaft und Missgunst innerhalb einer stellenweise idealen Freundschaft tatsächlich ursächlich ausgegangen ist.

Die im vorliegenden abschließenden Band mehr als in den drei vorherigen sehr selbstkritische Einsicht und Lebensbilanz der ich-erzählenden Elena lässt vermuten, dass ihr eigener Anteil daran nicht gering zu schätzen ist. War man in den ersten Bänden noch relativ sicher, dass es sich bei den vier Romanen um so etwas wie eine Autobiographie handelt, halte ich es mittlerweile für denkbar, das Elena Ferrante, ihr Bekanntes und von ihr in Neapel und anderswo Erlebtes integrierend, die Handlung und die Personen der Tetralogie erfunden hat.

So oder so, die „Neapolitanische Saga“, wie sie nach dem ersten Band schon genannt wurde, ist eine der besten und literarisch beeindruckendsten Romanserien, die ich jemals gelesen habe. Ob das große Geheimnis um Lila gelüftet wird, soll hier an dieser Stelle offen bleiben. Bleiben Sie gespannt, auch auf ihr im Sommer 2018 erscheinendes Buch „Frantumiglia: Mein geschriebenes Leben“.

[*] Diese Rezension schrieb: Winfried Stanzick (2018-03-22)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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