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Rezensionen


 
Jack Holland - Misogynie. Die Geschichte der ältesten Diskriminierung der Menschheit von der Antike bis ins Internetzeitalter.
Buchinformation

„Das Selbstbestimmungsrecht der Frauen ist ein entscheidendes Element nicht nur der weiblichen Integrität, sondern dessen, was uns zum Menschen macht und von den Primaten unterscheidet.“ Erstmals 2006 im englischen Original erschienen, hat dieses Buch nun in der 3. Auflage 2020 bei Zweitausendeins nichts an seiner Aktualität verloren. Denn die Geschichte der Frauenfeindlichkeit ist die Geschichte eines einmaligen, weil Jahrtausende alten Hasses, schreibt Holland, der Aristoteles mit Jack the Ripper, König Lear mit James Bond verbindet. Und es geschieht immer noch. Jeden Tag.

Angst vor der Frau

„Woman is Nigger of the World“, so drückte es John Lennon, der dieser Tage 80 geworden wäre, pointiert aus. Natürlich wollte er damit nicht die Afroamerikaner verunglimpfen, sondern ausdrücken, dass egal wie tief unten ein Mann sich befindet, es gibt immer noch jemanden auf den er runterschauen kann: die Frau. Denn über Jahrtausende hinweg wurde die Frau entweder verklärt oder erniedrigt. Hure oder Heilige. Die Unterdrückung des Sexuellen in unserer und anderen Kulturen beraubte die Frau ihres Menschseins. Denn seit dem Sündenfall in der Bibel wurde sie als Impersonifikation der Versuchung und der Sünde verunglimpft, weil Mann sich vor seiner eigenen Sexualität fürchtete. Misogynie, der Frauenhauss, wurde zur Ideologie der patriarchalen Gesellschaft, ein Ideengebäude mit dessen Hilfe die (vermeintliche) Überlegenheit des Mannes gegenüber der Frau zementiert werden sollte.

Die Geschichte der Misogynie

Jack Holland beginnt im antiken Griechenland und Rom, beschreibt aber auch fernöstliche Kulturen, um schließlich über moderne Autor(inn)en im Internetzeitalter anzugelangen. Stets spielte die Religion eine willkommene Verbündete im Kampf gegen das „andere Geschlecht“. Frauen wurden verachtet, „weil sie die Lust entfachten, die uns in den Kreislauf von Geburt und Tod führt, aus dem es kein Entrinnen gibt“. Im Prinzip erdeten Frauen die größenwahnsinnigen Egomanen und lernten ihnen Verantwortung zu übernehmen. Die Schilderungen der Gewalt gegen Frauen in Afghanistan, Indien, China oder Nordkorea gehören zu den grausamsten Kapiteln in diesem Buch, das eigentlich in keinem Haushalt fehlen sollte. Denn die Geschichte der Menschheit ist vor allem eine Geschichte der Misogynie, der kleinste Nenner, der „Common Sense“, auf den sich alle selbsternannten Herrscher der Welt einigen können.

Jack Holland hofft in seinem Resümee, dass wir jetzt, 2006, an einem Punkt angelangt seien, wo der Antisemitismus genauso wenig wie die Misogynie zum Common Sense gehören würden. Sein Buch leistet einen wertvollen Beitrag, sich die Misogynie bewusst zu machen und auch persönlich dagegen anzukämpfen. Denn in diesem Punkt haben wir alle noch viel zu lernen.

Jack Holland
Misogynie. Die Geschichte der ältesten Diskriminierung der Menschheit von der Antike bis ins Internetzeitalter.
Aus dem Englischen von Waltraud Götting.
Mit einem Nachwort von Marlene Streeruwitz.
416 Seiten. Fester Einband.
ISBN: 978-3963180668
14,90 €
Zweitausendeins Verlag

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2020-10-08)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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