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Rezensionen


 
Roland Klick - Supermarkt
Buchinformation

„I want my celebration, baby, before I die“, singt der damals noch unbekannte Marius Müller Westernhagen, der auch die Synchronstimme des Protagonisten, dem jugendlichen Gangster Willi (Charly Wierzejewski), übernahm. In knappen 90 Minuten erreicht „Supermarkt“ ein Ausmaß an Authentizität und Spannung wie man es selten im deutschen Film sieht.

Milieu ohne Sozialromantik

Da wäre einmal die durchwegs authentische Milieuschilderung des Huren- und Strichermilieus von St. Pauli in Hamburg. Willi, 21 Jahre jung und ohne Familie, verdient sich dort sein erstes Geld und lernt auf diese Weise auch die Prostituierte Monika (Eva Mattes) kennen. Theo (Walter Kohut) vermittelt ihn an einen reichen Homosexuellen (Michael Rehberg), der ihn um sein Geld prellen will. Aber dem orientierungslosen Willi wird auch ein Weg raus angeboten: durch den engagierten Journalisten Frank (Michael Degen), der noch an die Resozialisierung jugendlicher Rebellen glaubt. Die sozialliberale Romantik der 70er Jahre wird allerdings durch die Handlung von „Supermarkt“ bewusst konterkariert, denn am Ende bleibt dem Protagonisten doch nur ein Weg als „Ausweg“. In den letzten 45 Sekunden des Films ist die Mattscheibe schwarz und der Zuseher bleibt ganz allein im Kino und kann sich sein Ende selbst ausmalen. Denn Roland Klick macht kompromissloses Kino, ganz ohne Sozialromantik

Ganovenehre mit Gewissen

„Geh dich doch resozialisieren! Bei der Müllabfuhr.“, ruft der schmierige und genial verkörperte Theo seinem „Freund“ Willi zu. Denn er braucht ihn Wirklichkeit genau so wie jener ihn. Sein Tick (mit Zucker in Mund werfen) funktioniert zwar sonst immer, nur dann nicht wenn es brenzlig für Willi wird. Einmal als Monika in den von Frank geklauten Sportschlitten einsteigt und ein anderes mal, als er Theo in einem Hinterhof vermöbelt, weil dieser vor ihrem „großen Ding“ (der Überfall auf den titelgebenden Supermarkt) besoffen ist. Auch andere Kinder hatten eine schreckliche Kindheit und sind im Dreck aufgewachsen und aus denen ist dann ein Rockefeller geworden, wirft die Frau von Frank sein Sozialengagement vor. Sie zieht sogar aus, als Willi bei Frank wohnt. Dass Frank das alter ego des Regisseurs ist und vielleicht selbst vor ähnlichen Problemen stand lässt sich leicht erahnen. „Supermarkt“ hat alles was man von einem Film erwartet: Krimi, Action und ein guter Schuss Weltverbesserung. „Außer Atem“ trifft „Taxi Driver“ und macht auf Amoklauf mit „Celebration“. Ganovenehre: Man sauft eben nicht vor einem großen Coup. Absolute Empfehlung.

Roland Klick hat auch schon mit Dennis Hopper gedreht (White Star) oder den Deutsch-Western Deadlock realisiert. Ihn fasziniert am Film besonders die Totalität des Mediums: er bietet Wort, Bild, Tanz, Musik. Extras: Interview mit Roland Klick, Audiokommentar von Roland Klick, Klick-Portrait von Peter W. Jansen, Fotogalerie, Original Kinotrailer.


Roland Klick
Supermarkt
Zweitausendeins Edition Deutscher Film 3/1973.
Spr.: D. 84 Min. FSK 16. Mono DD. Zweitausendeins Edition. DVD.
7,99 €
Zweitausendeins

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2020-12-18)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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