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Rezensionen


 
Michael Machatschek - Venedig
Buchinformation
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Machatschek, Michael :
Venedig

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(Bücher frei Haus)

Michael Machatschek
Venedig

2008
Michael Müller Verlag
www.michael-mueller-verlag.de
ISBN: 978-3-89953-389-7
256 Seiten 145 Farbfotos und Pläne inkl. herausnehmbarer Karte
14,90.-

Wer glaubt Venedig sei eine Insel, wird gleich auf der ersten Seite eines Besseren belehrt: Venedig wurde auf insgesamt 118 Inseln errichtet. Und wenn Tiziano Scarpa glaubt, Venedig sei ein Fisch, so hat auch er unrecht: denn eigentlich sind es zwei Fische, die ihre Mäuler ineinander verzahnt haben. Der untere „Fisch“, das sind die Stadteile Dorsoduro, San Polo und Santa Croce, der obere, größere Fisch, das sind die anderen drei Sestiere („Sechstel“) Castello, San Marco und Cannareggio. Und die Giudecca? Sie gleicht mehr einem Aal, als einem Fisch, aber vielleicht wäre es romantischer, sie als Delphin zu bezeichnen, die sind nämlich auch länglich und quietschen vor Freude, ganz so wie Giudecca, wenn sie bei der „Festa del Redentore“ jedes Jahr im Juli, durch eine Brücke an die Punta della Dogana, die Chiesa della Salute, „angehängt“ wird.

In diesen Tagen (November) findet übrigens auch noch eine andere Verbindung oder Vermählung statt: über den Canal Grande wird für drei Tage eine fünfte Brücke gespannt, die die Chiesa della Salute mit der Chiesa del Giglio verbindet. Die „Festa della Madonna della Salute“ ist ein fester Bestandteil des venezianischen Festekalenders und wird so wie die Festa del Redentore seit 500 Jahren begangen. Die beiden Kirchen wurden nämlich errichtet, um Gott oder dem Erlöser dafür zu danken, dass die Pest endlich ihr Ende hatte. Andere Feste, die man für einen Venedigbesuch empfehlen könnte, wäre etwa die Festa della Sensa (Vermählung des Dogen mit dem Meer) Anfang Mai oder natürlich die Regata Storica Anfang September. Wer unbedingt den Carnevale sehen will, der sei hier zwar gewarnt, aber auch ermuntert: wer das absolute Chaos sucht, wird keine bessere Stadt finden, als Venedig in diesen Tagen im Februar...

Vorliegender Stadtreiseführer aus der Reihe MM-City stattet den Leser mit allen wissenswerten Informationen aus, die der aufgeklärte Tourist in Erfahrung bringen will. Er ist sogar mit einem herausnehmbaren Stadtplan ausgestattet, der einem allerdings das Vergnügen raubt, sich in dieser Stadt zu verlaufen. Denn eines der wohltuendsten Genüsse in Venedig ist der Verlust der Orientierung, das disorientamento, sowohl des Körpers als auch der Sinne. Wozu sonst hat gerade diese Stadt den Karneval erfunden? Weitere Informationen erhält man nicht nur zu den oben bereits angesprochenen Sestieri, sondern auch zu den Laguneninseln Lido und Pellestrina, San Lazzaro degli Armeni oder einer „Landpartie“ zu den Villen an der Brenta. Diese exklusiven Tagesausflüge sind zwar sehr teuer, aber gerade dann, wenn Venedig besonders voll oder zu heiß ist, kann man es ja so machen, wie die einstigen reichen Venezianer: eine erfrischende Flussfahrt auf der Brenta und der Besuch einer der dort angesiedelten Villen mag für jeden Besucher ein abwechslungsreiches Erlebnis darstellen.

Über die am Anfang dieser Rezension angesprochene Giudecca, weiß vorliegender Reiseführer etwa zu berichten, dass sich bei einem Spaziergang am Ufer ein Besuch der Kirche der Zitelle lohne. Auch wenn Zitelle hier fälschlich als „Kirche der Jungfrauen“ übersetzt wird (una zitella è piu una donna non sposata, vulgo anche vergine, però l`idea é di nondirlo, per cortesia!) kann man einem solchen Vorschlag tatsächlich nur beipflichten. Von hier aus sieht man nämlich das gesamte Panorama Venedigs, nicht nur den Campanile, den Dogenpalast und die Piazzetta San Marco (die Piazza selbst liegt weiter dahinter), sondern auch unzählige andere Kirchtürme ragen aus dem Häusermeer hervor und bilden einen Anblick, den man so schnell nicht vergisst. Außerdem befindet man sich auf der Giudecca in guter Gesellschaft: am einen Ende, bei besagter Zitelle, befindet sich das Hotel Cipriani und am anderen Ende der Giudecca das Hilton. Ein Delphin mit mehr als fünf Sternen also...


[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2008-11-29)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.


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