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Michi Strausfeld - Gaumenfreuden. Eine kulinarische Kulturgeschichte Lateinamerikas mit Rezepten von Sabine Hueck
Buchinformation

Columbus hatte sich vor mehr als 500 Jahren nicht zuletzt wegen der Gewürze nach "Indien" aufgemacht. Der damalige Gewürzhandel wurde nämlich von Venedig dominiert und die spanische Krone wollte sich neue Quellen erschließen.

Mexiko: Chilis, Walnuss und Granatapfel

Als die Spanier 1492 auf der Karibikinsel Guanahani an Land gingen wähnten sie sich am "Rande des Paradieses", wie Columbus an Isabella schrieb. Später folgten ihm Cortés und Pizarro und die Globalisierung begann. Mais, Kartoffeln, Tomaten aber auch Chili, Avocado, Kakao und Vanille kamen an die Königshäuser und Höfe Europas und begründeten ein weltweites System der Ausbeutung von dem Europa noch heute profitiert. Michi Strausfeld, Kennerin der lateinamerikanischen Literatur und Kultur, fokussiert in ihrer lesenswerten kulinarischen Kulturgeschichte auf Mexiko, Peru und Brasilien und zeigt wie überlegen uns die sog. Neue Welt in der Nahrungsmittelproduktion damals war. Ihre aufschlussreiche Erzählung wird durch viele Rezepte ergänzt, die zum Nachmachen einladen. Selbst die Nationalflagge Mexikos ist nämlich eigentlich Nahrungsmitteln gewidmet: das Grün der Chilis, das Weiß der Walnusssauce und das Rot der Granatapfelkerne. Aber was wäre die mexikanische Revolution ohne die sog. Adelitas gewesen, die Frauen die in Zügen durchs Land reisten und die Revolutionäre mit vollen Kochtöpfen unterstützten. Kennzeichnen dieser Küche ist vor allem die Verschmelzung, denn wo sonst würde man wohl "Quesadillas de Flor de Jamaica" genießen können?

Peru und Brasilien: Quinoa und Maniok

Im zweiten Kapital geht es um die Kulinarik des Andenstaates, der stellvertretend für andere Länder dieser Region steht und sich grundsätzlich von Mittelamerika oder Südamerika (Brasilien) unterscheidet. Das gewaltige Königreich der Inka, das sich von Kolumbien bis Argentinien erstreckte, verspeiste damals Kartoffeln, Quinoa und Leguane, die so gut schmeckten wie Kaninchen, wie Cieza de León der Nachwelt berichtete. Sein Bericht zeigt die Fülle und Variationsbreite der Nahrungsmittel im Inkareich im Vergleich zum Mangel in Spanien, der für Hunger und Armut verantwortlich war, wie Strausfeld schreibt. Alle Untertanen hatten zu essen, es gab Transportwege, Tempel und Festungen, Bewässerungssysteme und eine administrative Verwaltung, alles das, was in Europa nach dem Ende des Römischen Reichs längst zusammengebrochen war. Cieza de León war es auch, der den Verzehr der Coca bei den "Indios" feststellte. Das dritte Kapitel ist dem größten und vielfältigsten Region gewidmet, dem "Kontinent im Kontinent", dem Land der Bäume, Brasilien. Maniok und Hirse wurde hier von den Eingeborenen kredenzt sowie weitere 120.000 (!) Pflanzenarten. Später wurden immerhin 5 Millionen Afrikaner "importiert", um auf den Feldern zu malochen. Dass Lateinamerika aber noch viel mehr zu bieten hat, erläutert die Autorin in ihrem letzten Kapitel, das anderen Ländern des Kontinents gewidmet ist und vielleicht auch als Vorausschau auf ihre nächste Publikation betrachtet werden kann.

Michi Strausfeld verantwortete zwischen 1974 und 2015 bei Suhrkamp und S. Fischer Verlag die iberoamerikanische Literatur. In Spanien gründete sie die Kinder- und Jugendbuchreihe bei Alfaguara (1976–1988), dann die Reihe »Las Tres Edades« bei Siruela (1989–2014). Sie hat etwa zwanzig Anthologien veröffentlicht, zum Beispiel "Barcelona. Eine literarische Einladung", ebenfalls bei Wagenbacuh sowie 2019 die Monografie "Gelbe Schmetterlinge und die Herren Diktatoren. Lateinamerika erzählt seine Geschichte". "Gaumenfreuden" wird mit vielen Rezepten der aus Brasilien stammenden Fernsehköchin Sabine Hueck ergänzt.

Michi Strausfeld
Gaumenfreuden. Eine kulinarische Kulturgeschichte Lateinamerikas mit Rezepten von Sabine Hueck
SALTO [276]. 23.3.2023
160 Seiten. Rotes Leinen. Fadengeheftet
ISBN 978-3-8031-1375-7
Wagenbach Verlag
24,– €

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2023-05-01)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.


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