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Giuseppe Tornatore - Die Legende vom Ozeanpianisten
Buchinformation

"1900" wird zwischen den Kohlehaufen des Heizungskeller des Luxusdampfers "Virginian" gefunden. Das Schiff pendelt zwischen der Neuen und Alten Welt, 1900 (Tim Roth) wird dieses jedoch nie verlassen. Als Mitglied des Schifforchesters bringt er es dennoch zu einem weltumspannenden Ruhm und manche Leute buchen die Passage nur aus dem Grund, ihn spielen zu hören.

"Amerika!"

Der Ozeanpianist 1900 fühlt sich auch dann noch wohl auf der Virginian als diese längst ihre Zeit abgedient hat und verschrottet werden soll. Er lebt immer noch auf dem Schiff und hat es nie verlassen. Der Trompeter seiner Big Band macht sich in dem abwrackten Schiff auf die Suche nach ihm und kann ihn tatsächlich mittels einer alten Schellack und einem Grammophon aus seinem Versteck hervorlocken. Die beiden begegnen sich endlich wieder, die Freundschaft lebt für einen kurzen Augenblick des Wiedersehens wieder auf, jedoch müssen sie sich bald wieder trennen. Im Rückblick des Trompeters wird die Geschichte von 1900 und seinem Leben am Schiff aufgerollt und die Einsamkeit des Ozeanpianisten nachempfindbar gemacht. Einmal verliebt er sich sogar und schafft es raus bis auf die Reling und die angehängte Rolltreppe, aber auf halber Strecke kehrt er wieder um, denn die unbegrenzte Welt da draußen macht ihm Angst. So kehrt er lieber wieder in den Bauch des Schiffes zurück und verbringt dort weitere vergnügte Stunden mit seinem Klavier, selbst dann noch, als ihm niemand mehr zuhört. Der preisgekrönte Regisseur Giuseppe Tornatore hat mit seiner Legende vom Ozeanpianisten ein Epos über die Geschichte der amerikanischen Emigration abgefeiert, das teilweise vor Kitsch geradezu strotzt, deswegen aber keineswegs weniger sehenswert ist. Ganz im Gegenteil!

"Your turn, sailor!"

Schon die Eingangsszene als die Virginian auf eine Plastikversion der Freiheitsstatue zuschippert und die Schiffsreisenden voller Ehrfurcht wie aus einem Hals "Amerika!" schreien, beinhaltet die Hoffnungen und Glücksversprechen gleich mehrerer Generationen. Besonders aber die Jazz-Generation, als die Zeit der Zwanziger Jahre, scheint es Tornatore bei seiner Amerikahommage angetan zu haben. So kommt es am Höhepunkt des Duells zu einem wirklich perfekt inszenierten Piano-Duell, das allein schon es wert ist, den Film zu sehen. Denn das Piano-Duell mit Jerry Roll Morton, dem Erfinder des Jazz, ist beinahe ein Western-Duell in der der guten alten Zigarette eine wesentliche Rolle zukommt. Thumbs up für dieses fantasievolle Meisterwerk, das zwar kitschig aber nichtsdestotrotz einfühlsam wie eine Lederhandschuh die Einsamkeit des Ozeanpianisten nacherzählt. Denn selbstverständlich ist diese Einsamkeit auch genau jene, die alle die empfinden, die sich ebenfalls nicht aus ihrem Schuhkarton (dem Schiff, ihrem Schneckenhaus, der Firma) herausbewegen wollen. Sie sind alle ebenso wie "1900" verdammt auf ewig das gleich zu wiederholen und dennoch auf eine Veränderung zu hoffen.

Ebenfalls bei Plaion Pictures erschienen ist eine Dokumentation von Giuseppe Tornatore über Ennio Morricone - Der Maestro.

Giuseppe Tornatore
Die Legende vom Ozeanpianisten (SPECIAL EDITION, 4K-UHD+3 BLU-RAYS+CD)
Mit Pruitt Taylor Vince, Mélanie Thierry, Tim Roth
2022, DVD, ca. 121 Minuten
Plaion Pictures

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2023-05-01)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.


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