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Hans-Ulrich Thamer - Die Französische Revolution
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Thamer, Hans-Ulrich - Die Französische Revolution bestellen
Thamer, Hans-Ulrich:
Die Französische
Revolution

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(Bücher frei Haus)

„Louis, setzen Sie sich“, soll er Vorsitzende des Tribunals den König, Ludwig XVI., bei seinem Prozess angeherrscht haben. Zwei Jahre zuvor war Louis Capet – zu dem er nunmehr degradiert worden war noch ehrfürchtig von den Generalständen hofiert worden, aber schon im Januar 1793 stimmten 387 von 721 Konvents-Abgeordneten für die Hinrichtung des Königs. Der König hatte 1789 das erste Mal seit 120 Jahren die Generalstände (Adel, Klerus, Dritter Stand) einberufen und sich damit wohl indirekt eigenhändig sein Grab geschaufelt. Aber natürlich wusste er das noch nicht. Seine Einberufung, die die Verteilung der Steuerlast im Staate neu organisieren sollte, löste eine Welle der Gewalt aus, die bis heute, mehr als 200 Jahre danach, unter Historikern mehr als umstritten ist.
Saturn und die Revolution
Zumeist geht es um die Jahre 1793/94, die Schreckensherrschaft des Wohlfahrtsausschusses, die der Französischen Revolution als größter Gewaltexzess angelastet wird. Gleichzeitig tobte im Westen und Süden der Bürgerkrieg, der ebenfalls ca. 200.000 monarchistische oder bäuerliche Opfer abverlangte. Die Terreur – wie die Vernichtung der Monarchisten und der parlamentarischen Opposition in Paris schon damals genannt wurde brachte es auf mehr als 20.000 Tote auf dem Schafott. (Robespierre nannte die Terreur: „Der Despotismus der Freiheit gegen die Tyrannei“.) Aber dort wurden schließlich auch diejenigen hingerichtet, die den sog. Wohlfahrtsausschuss – eine jakobinische Exekutive – gegründet hatten: Danton und Robespierre. „Die Revolution frisst wie Saturn ihre Kinder“, heißt ein geflügeltes Wort des Abgeordneten Vergniaud, das sich bis heute überliefert. Hans-Ulrich Thamer stellt einen Zusammenhang zwischen innerem und äußerem Krieg, innerer und äußerer Bedrohung her, wenn er schreibt: „Hinfort gab es einen engen Zusammenhang zwischen dem Verlauf des Krieges und der Revolution“.

Montagnards, Plaine und Marais und der Thermidor
Im wesentlichen Standen sich im Nationalkonvent – dem Parlament nach 1792, das sich durch allgemeine Wahlen konstituiert hatte – Jakobiner und Girondisten gegenüber. Im Sitzungssaal gab es die Montagnards, die Plaine (Ebene) und das Marais (eigentlich: Sumpf). Die Rechten unter Brissot waren die Gironde, der bald darauf ohnehin der Garaus gemacht wurde, bis sie sich nach dem Sturz Robespierres wieder zusammenrauft und Rache an den Jakobinern nahm (ab 1795). Denn die Thermidorianer (benannt nach dem Monat im Revolutionskalender, in dem Robespierre gestürzt wurde) waren im Wesentlichen Girondisten, die später mit ihrer Führung, dem Direktorium, dem „Retter des Vaterlandes“, Napoleon Bonaparte, Tür und Tor öffneten. Hans-Ulrich Thamer’s Einführung in die Französische Revolution liest sich eingängig und flüssig und ist sicherlich auch sehr gut verständlich, was eine Darstellung angesichts der komplexen Verhältnisse von damals sicherlich nicht einfach macht. Durch die Revolution sei immerhin eine demokratische Kultur entstanden und sie habe eine tiefe Zäsur im soziokulturellen Leben der Franzosen hinterlassen. Auch bezeichnet er die Revolution als Medienrevolution, da damals erstmals Bildquellen durch die weite Verbreitung von Zeitungen für breite Schichten der Bevölkerung zugänglich wurden. Ergänzt wird die Einführung in die Französische Revolution durch eine Zeittafel von 1789 bis 1799 sowie eine Auswahlbibliographie von Hans-Ulrich Thamer, die leider nur den Forschungsstand bis ins Jahr 1998 zugänglich macht und aktuellere Erscheinungen nicht berücksichtigt. Auch vergisst Thamer nicht auf die Anekdote, dass ein Bürstenbinder - der bei der Hinrichtung Robespierres zugegen war - als dessen Kopf in den Korb fiel lapidar gesagt haben soll „Das ist das große Maximum.“ (eine Anspielung auf ein Gesetz zur Eindämmung des Warenwuchers.). So macht Geschichte Spaß.

Hans-Ulrich Thamer
Die Französische Revolution
C.H.Beck Wissen

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2015-10-01)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.


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