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Ramón del Valle-Inclán - Karneval der Krieger
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Valle-Inclán, Ramón del:
Karneval der Krieger

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(Bücher frei Haus)

„Karneval der Krieger“? Na ja, hätte man von drei „grotesk-humorigen Farcen mit Soldaten dabei“ geschrieben, hätte es so gut nicht geklungen. Drei sogenannte „Schauerpossen“: „Der Staatsrock des Verblichenen“, „Die Hörner von Leutnant Firlefanz“, „Die Hauptmannstochter“. Die „Schauerposse“, im Original „esperpento“, ist eine ureigene Erfindug des exzentrischen del Valle-Inclán, eine Mischung aus Lesedrama, altspanischem Volksstück und moderner satirischer Komödie. Man darf bereits an Dürrenmatts groteskes Theater denken. Oder diesen Rauschebärtigen sich wie eine Mixtur aus seinen Zeitgenossen Frank Wedekind, Carl Sternheim und Jaroslav Hašek vorstellen.

Bei der „Hauptmannstochter“ handelt es sich - beispielsweise - darum, wie holzköpfige Obristen einen Staatsstreich mit abschließender Huldigung an den regierenden Monarchen ins Werk setzen, im Namen edelster spanischer Werte, eigentlich aber um zu unterbinden, dass das Interesse der Journaille sich einer unter ihren Augen - einfach nur, weil sie nicht kapierten, um was es sich drehte - unterschlagenen Leiche zuwendet, dem Überbleibsel eines „kleinen“ privaten Krachs.

Wer dergleichen Spott nicht mehr komisch fand, war der spanische Diktator Miguel Primo de Rivera, der im Jahr 1923 die Macht ergriffen hatte unter der Devise „Vaterland, Glaube, Monarchie“. 1927 ließ er Valle de Incláns Stück verbieten.

Der aristokratische Galicier Valle-Inclán, einarmig und in seinen späteren Jahren mit langem weißen Bartgewächs und dicker Hornbrille versehen, war ein Künstler auf der Höhe seiner Zeit. Er gilt als bleibender Klassiker der spanischen Literatur. Mit den - unter Anrufung der spanischen Tradition - im Lande schmarotzenden Bürger-, Militär- und Beamtenkasten, lieferte er sich seine rhetorischen Scharmützel, war allerdings alles andere als „Linker“. So verfasste er den dreibändigen Romanzyklus „Der Karlistenkrieg“, seinen Abgesang auf eine sogar zu ihren Hochzeiten in den 1870-er-Jahren schon radikal vorgestrige, der Niederlage vorherbestimmte Guerilla-Truppe, die für die Wiedereinführung der absolutistischen Monarchie unter dem Bourbonen Carlos stritt.

Ramón del Valle-Inclán entwickelte einen eigenen Sprachstil für seine spleenige Literatur. Eine Mischung aus klassizistischen Poetismen, impressionistischem Pastell, kasperlhafter Volkstümlichkeit, Dialektsprache und Argot. Man kann das in die deutsche Sprache kaum richtig übertragen.

Was der darob seinerzeit gelobte Übersetzer Fritz Vogelgsang in mehreren, von Heinz Edelmann außergewöhnlich schön gestalteten Bänden veranstaltete, kommt einem bisweilen unecht vor mit seinen Anklängen an schwäbische, bayerische, schweizerische Idiome. Aber wie Menschen, die des Spanischen nicht mächtig sind, madrilenische Gassensprache oder Andalusier und Basken in ihrem jeweils eigenen Klang vermitteln?

Nach all dem Gesagten, dürfte nicht weiter überraschen, dass der in Spanien Hochrespektierte und Unvergessene in Deutschland zu den nur gerüchteweise bekannten Weltliteraten zählt. Um seinen Ton zu veranschaulichen, gebe ich den Anfang der ersten Szene aus „Leutnant Firlefanz“ mitsamt der Bühnenanweisung wieder.

Zitat:

Leutnant Firlefanz
Dein Weib - Stein des Anstoßes. Das ist ein Blitzschlag mir direkt vor die Füße gewettert! Loreta, zum Tode verurteilt! Firlefanz! Wenn es wahr wäre, müßte ich ihr den Hals durchschneiden. Ohne Gnad und Erbarmen! Im Offizierskorps der Grenztruppe gibt es keine Schlappschwänze, die sowas einfach hinnehmen. Firlefanz! Und wer ist wohl der Windhund, der dieser Potiphar den Kopf verdreht hat?


[*] Diese Rezension schrieb: KlausMattes (2014-10-05)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.


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