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Rezensionen  
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Zach Williams - Es werden schöne Tage kommen. Stories
Stories. Short Stories. Zehn Kurzgeschichten des literarischen Debütanten Zach Williams aus Wilmington, Delaware. "Probelauf", die erste Story nimmt etwa den Kulturkampf, der sich im heutigen Amerika - gerade wieder beim Superbowl - grausam manifestiert.
Debüt mit zehn Kurzgeschichten
"Was, wenn die alten Erinnerungen mit der Zeit instabil wurden, was, wenn sie sich unter der Wirkung hinzuerfundener Element abnutzten und auflösten?", trägt sich der Protagonist in "Das Sauerkleehaus". Aus ihr stammt auch der wunderschöne Titel der Geschichtensammlung: Es werden schöne Tage kommen. Dann nämlich, wenn wir wieder gekochten Sauerklee essen. In "Rotlicht" kommt der Protagonist Jane so nahe, wie sich lang verheiratete Ehepaare niemals nahekommen. Denn wenn man ein solches Erlebnis miteinander teilt, kann es einem niemand mehr wegnehmen. Da passt dann nichts und niemand mehr dazwischen. "Die heiligste Art von Gemeinschaft" nennt er es, wenn er unter den Augen des Ehemannes im Versteck eines Kleiderkastens mit Jane Sex hat. Aber auf's Klo muss er dann doch woanders hingehen. Von wegen Intimität und so. In "Lucca Castle" geht es um einen unwiederbringlichen Verlust, der doch verbindet. "Ein plötzlicher Verlust wie deiner wirkt mehr oder weniger wie ein Initiationsritus. Das sagt Lucca." Zu einer gefährlichen Begegnung mit den Rednecks aus der Nachbarschaft kommt es in "Der Golfwagen". Der Erzähler und sein Bruder sind nachts mit dem Auto und einer Flinte unterwegs. Während der Erzähler seinen Kopf bei seinem Vortrag in einer großen Stadt die Tage darauf hat, ist sein Bruder ganz in der Gegenwart präsent. Und wachsam. Ein toter Hirsch wird zum Konfliktpunkt mit den Rowdies, aber schließlich bleibt es doch bei einem "Ihr kranken Psychos!" Noch einmal Glück gehabt!
Die Ruhe vor dem Sturm
Wie Zach Williams in den einzelnen Geschichten die amerikanische Psyche erkundet, Dinge beobachtet und dabei die subtilen Untertöne mit erspürt, das hat nicht nur bei Kritikern Begeisterungsstürme ausgelöst. Und das obwohl sein erster Erzählungsband das wahrhaftig neue Talent gerade einmal erst ankündigt. Ein Vorgeschmack auf die dunkleren Abgründe der amerikanischen Seele am Vorabend einer Kulturrevolution. Das Bucher erschien als Erstausgabe nach der Pandemie und somit noch vor der zweiten Amtszeit des 47. Präsidenten. Aber die seismographische Bestandsaufnahme vor dem politischen Erdbeben ist in diesen Erzählungen in jeder Zeile zu spüren. Paranoia und Feindseligkeit beherrscht das Klima in einem Land, das von den vielen Versprechungen gerade einmal einen Bruchteil halten konnte. Und das nur für wenige. Zach Williams erschafft eine Atmosphäre wie vor der Flut. Die Ruhe vor dem Sturm.
Zach Williams
Es werden schöne Tage kommen. Stories
Übersetzt von Bettina Abarbanell und Clemens J. Setz
2024, Hardcover, 270 Seiten
dtv
24,00 €
[*] Diese Rezension schrieb: Juergen Weber (2026-02-15)
Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.
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