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Erna Wipplinger - Jura Soyfer. Ein Lesebuch. Mit einer CD einer Live-Gala zum Werk Soyfers aus dem Theater Rabenhof
Buchinformation
Wipplinger, Erna - Jura Soyfer. Ein Lesebuch. Mit einer CD einer Live-Gala zum Werk Soyfers aus dem Theater Rabenhof bestellen
Wipplinger, Erna:
Jura Soyfer. Ein
Lesebuch. Mit einer CD
einer Live-Gala zum Werk
Soyfers aus dem Theater
Rabenhof

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(Bücher frei Haus)

Anfang der Achtziger Jahre bis Mitte der 90er Jahre gab es in Wien sogar noch eine Jura Soyfer Bühne, die regelmäßig Werke des Antifaschisten und Widerstandskämpfers spielte. Ungeachtet seiner immer noch andauernden Aktualität verschwindet aber leider sowohl sein Werk als auch seine Verdienste immer mehr in der Geschichte der ungelesenen Autoren und deswegen ist es so wichtig, dass es von Zeit zu Zeit immer wieder Neuauflagen seiner Werke gibt, denn die Faszination ist immer noch ungebrochen. Die vorliegende Publikation bietet in acht Kapiteln einen Überblick und eine Einführung als Lesebuch: Leben, Lieben, Weltbetrachtungen, Aktivismus, Kunst, Flucht/Gefangenschaft, Biografisches. Ein Live-Mitschnitt einer Gala zum Werk Soyfers aus dem Theater Rabenhof in Wien aus dem Jahre 2012 ist dem Buch als CD beigefügt. Nachdem sich 2014 außerdem der Geburtstag zum 75. Mal jährte, war es höchste Zeit Jura Soyfer erneut ins Spottlicht zu rücken, wo er auch hingehört.

Politische Analyse und Kabarett, Sozialreportage und Lyrik
Jura Soyfers Werk, das in vorliegendem „Lesebuch“ auszugsweise vorgestellt wird, reicht von Sozialreportagen a la Joseph Mitchell bis zu politischen Manifesten, Gedichten oder Theaterstücken. In „Verzweiflung der Jugend“ formuliert er was seiner eigenen Generation fehlte, nämlich einen Inhalt im Leben zu finden. In dem Wanderlied aus seinem Stück „Astoria“ nennt er die Landstraße als sein eigentliches Zuhause und entlarvt in „Motorräder“ wiederum das Märchen vom Aufstieg durch Fleiß. „Naschmarkt 2 Uhr früh“ ist den Standlern und Marktarbeitern, aber auch den Kaffeehäusern entlang der Wien (dem Fluss) gewidmet. In „Honoratioren und Hafendirnen“ erzählt er von „Flügelmamsells“ und dem sozialen Kampf gegen die Prostitution, die immer mit der Konjunktur mithält. Jura Soyfer, der in der Illegalität für die KPÖ arbeitete beschrieb auch den Niedergang der Sozialdemokratie in „So starb eine Partei“, denn irgendwie hatte diese Partei auch für den Untergang der Ersten Republik gesorgt, mit ihrer zaghaften Haltung gegen den Austrofaschismus. „Je tiefer die Zweifel des Bürgertums an der inneren Berechtigung seiner Herrschaft sind, desto brutaler werden seine faschistischen Offensiven, desto rücksichtsloser seine Herrschaftsmittel“, schreibt er in „Verzweiflung der Jugend“, 1931 (!).

Morgens um 2 bei der Ananasbrücke
Damals waren diese Worte fast so etwas wie eine Prophezeiung, heute kann man es rückblickend als politische Analyse bezeichnen. Jura Soyfers Texte sind ein Dokument der 1930er Jahre, seine Gedichte, Feuilletons, Theaterstücke und Kabarettnummern beschwören die Utopie einer gerechten Gesellschaft und sind trotzdem unterhaltend, spannend und aktuell. Selbst einen Hinweis für Wien-Besucher findet sich in diesem Buch: „Frühstücken Sie einmal nicht um acht Uhr zu Hause, sondern schon um fünf Uhr in irgendeinem der Volkscafés an der Wienzeile und lassen Sie sich den Marktbericht dort mündlich geben.“ Einmal noch über die Ananasbrücke (so hieß die Kettenbrücke beim Naschmarkt im Volksmund) schlendern und sich Soyfers Text vergegenwärtigen, verdoppelt gleichsam den Genuss, literarisch und kulinarisch.

Erna Wipplinger/Margit Niederhuber/Christoph Kepplinger (Hg.)
Jura Soyfer. Ein Lesebuch.
Mit einer CD einer Live-Gala zum Werk Soyfers aus dem Theater Rabenhof
ISBN: 978385476-485-4
Mandelbaum Verlag

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2015-11-26)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.


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