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Martina Zerovnik - Das Metro. Kulturgeschichte eines Wiener Vergnügungsorts
Buchinformation

Das Metro Kino in der Wiener Johannesgasse gehört zweifellos zu den schönsten Kinos Wiens. Oder der Welt, wie manche behaupten. Wer in seine Geschichte zurückblickt, stellt fest, dass es sogar schon 200 Jahre zuvor ein beliebter Vergnügungstempel war. In vorliegender Publikation stellt sich das Wiener Metro Kino vor, das eine reiche Geschichte hat und hier mit vielen Illustrationen und Essays wieder zu neuem Leben erweckt wird. Die spektakuläre Wiedereröffnung 2015 machte das Metro wieder zu einem Wallfahrtsort von Cineasten aus aller Welt. Das vorliegende Buch zeigt warum.

Kino als Magie des Augenblicks

Im Keller befand sich einst eine unterirdische Erlebniswelt, die unter dem Namen "Neues Elysium" kleinen und großen Kindern Attraktionen anbot. Darunter humoristische Umzüge, Konzerte, Bälle, Tableaux Vivats, Magierauftritte u.ä. Im Vorraum gab es acht Elefantenskulpturen und "asiatisch costumirt" wurden Speisen gereicht. Alle Kontinente waren vertreten und bekamen einen eigenen Raum. Die von Ursula Storch erzählte Geschichte des Neuen Elysium ist reich mit zeitgenössischen Illustrationen bebildert und erleichtert einem so die Vorstellungskraft, welche Prachtausstellung hier einst gestanden hatte. Weitere Bilder, Skizzen und Fotografien zeigen die Entwicklung, die das Elysium nach der Übernahme durch den Wiener Kaufmännischen Verein nahm. Ein Neubau durch den Wiener Kaufmännischen Verein Ende und Anfang des 19./20. Jahrhunderts hatte aus dem Haus ein "Moderens Theater", das mit Balkon, Logen, Eichentäfelungen, Kristallustern, Goldornamenten und Stuckdekor allerdings durchwegs "barock" - und weniger "modern" - rüberkam, gemacht. Der bekannte Otto Preminger, der später Filmkarriere in Übersee machte, war vorübergehend künstlerischer Leiter des bald in "Die Komödie" umbenannten "modernen Theaters". Hans Moser, Karl Parkas, Maria Fein, Oskar Werner, Heinz Rühmann und Conrad Veidt traten dort auf, Filme von ihnen werden heute noch vom Filmarchiv Austria, das das Haus ab 2002 von der Kita übernahm, gezeigt.

Das Metro: ein Gesamtkunstwerk

Birgit Peter erzählt die vergessene Geschichte der Theater "Kleines Schauspielhaus, Modernes Theater, Die Komödie" unter denen das Metro vor dem Krieg firmierte. Nach dem Zweiten Weltkrieg eröffnete das Theater als "Die Insel in der Komödie" wieder. Angela Heide zeigt das Theater als einen "Platz, an dem man seine Erfüllung findet". 1951 übernahm die Kiba das Theater nicht ganz widerspruchsfrei und machte das Kino daraus, das das Metro bis heute blieb. Der Eröffnungsfilm: "König Salomons Diamanten" (MGM; 1950) mit Stewart Granger und Deborah Kerr, aber es sollten auch viele europäische Filme gezeigt werden, Michael Omasta beschreibt die Filme des ersten Kinoprogramms bis in die Neunziger Jahre. Und in den Achtzigern gab es auch schon das erste Festival: MEN zeigte Filme mit Männern, wer schwarz/weiss gekleidet erschien wurde sogar gratis eingelassen. Inzwischen beherbergt das Metro neben dem historischen Kinosaal noch einen weiteren zweiten, modernen Saal, sowie ein Filmmuseum und einen Shop, die Filmwelt Satyr. Als "Kinokulturhaus" wird es bestimmt noch mehr als weitere 200 Jahre bestehen, denn auch wenn sich "Film" im 21. Jahrhundert zunehmend ins Wohnzimmer verlagert, gibt es nichts gegen ein Kinoerlebnis in einem historischen Kino wie dem Metro, das mit modernster Technik ausgestattet einem dennoch das Gefühl gibt, das nicht anders als mit dem Wort "Glamour" zu beschreiben ist. Nicht zuletzt gehört das Metro auch zu den Fixstartern bei dem (jeweils im Oktober stattfindenden) alljährlichen Wiener Filmfestival "Viennale". Während des Jahres werden Retrospektiven und spezielle Programmschwerpunkte angeboten.

Eine Huldigung zum 70. Geburtstag, denn am 25. Dezember 1951 eröffnete das Metro erstmals als Kino. Das Metro-Jubila?umsbuch mit Textbeitra?gen von Angela Heide, Ernst Kieninger, Jan-Hendrik Mu?ller, Michael Omasta, Birgit Peter, Norbert Philipp, Ursula Storch, Florian Widegger und Martina Zerovnik sowie einem Fotoessay von Lisa Rastl zeigt die schönsten Seiten des Kinos.


Martina Zerovnik (Hg.)
Das Metro.
Kulturgeschichte eines Wiener Vergnügungsorts
2021, Hardcover, ca. 300 Seiten
ISBN: 978-3-902781-88-8
Filmarchiv Austria
€29,90

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2022-01-24)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.


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