Biographien Rezensionen Diskutieren im versalia-Forum Das versalia.de-Rundschreiben abonnieren Service für Netzmeister Lesen im Archiv klassischer Werke Ihre kostenlose Netzbibliothek

 


Archiv klassischer Werke


 
Buchvorstellung
Vergil -  bestellen
Vergil:


Bei amazon bestellen

(Bücher frei Haus)
Varus (Bucolica)
Vergil

Scherzhaft wagte zuerst den Ton syrakusischer Lieder,
Und ohn' Erröten bewohnte die Waldungen unsre Thalia.
Als ich Schlachten besang und Könige, zupfte das Ohr mir
Cynthius, sanft anmahnend: Ein Hirt, o Tityrus, weidet
Billiger Schafe sich fett und singt ein gedämpfteres Liedlein.
Jetzo, denn dir ist mancher noch übrig, welcher dein Loblied,
Varus, gerne beginnt und traurige Kriege verherrlicht,
Sinn' ich mit Feldgesange das schwächliche Rohr zu begeistern.
Nicht Ungeheißenes sing' ich. Jedoch, wenn einer auch dieses,
Wenn er mit Lust es vernimmt, dir, Varus, erschallt Tamariske,
Die mein ganzes Gebüsch. Auch ist nicht werter dem Phöbus
Irgendein Blatt, als welches sich Varus Namen voranschrieb.

    Auf, Pieriden, ans Werk. Es sah'n den entschlafnen Silenus
Chromis einst und Mnasylus, die Jünglinge, ruhn in der Grotte,

Starr von gestrigem Weine, wie stets, die geschwollenen Adern:
Ferne lag, nur eben dem Haupt entfallen, der Laubkranz,
Und schwer hing ihm der Humpen mit abgegriffenem Henkel.
Beide nahn, (denn es hatte der Greis mit des Liedes Erwartung
Oft sie getäuscht) und schlingen ihm selbst aus dem Kranze die Fessel.

Ihnen gesellt sich zugleich und stärkt die Furchtsamen Ägle,
Ägle, vor allen Najaden die schönere; jetzt, als er aufblickt,
Malet sie Stirn und Schläfen ihm rot mit blutigen Maulbeern.
Lachend der List, ruft jener: Wozu die umschlingende Fessel?
Bindet mich los, ihr Kinder; genug, daß zu können ihr scheinet.

Einen Gesang, den ihr wünschet, vernehmt; euch soll ein Gesang sein,
Diese bekommt was andres zum Lohn. Drauf hebt er sogleich an.
Jetzt nach dem Maß des Gesangs sah man Bergfaune und Bergwild
Hüpfen vor Lust; jetzt regte die starrenden Wipfel der Eichforst,
Nicht so freut sich des Phöbus entzückt der parnassische Felsen,
Auch nicht Rhodope staunt noch Ismarus also dem Orpheus.

    Denn er sang, wie einmal, durch unendliche Leere gerüttelt,
Hafteten Samen der Erd' und der wehenden Luft und des Meeres,
Auch der ätherischen Glut; wie hieraus jeglicher Ursprung
Ward, und selber erwuchs die zartere Kreisung des Himmels;

Wie den Boden zu härten und Nereus' Flut zu umufern
Anfing und allmählich Gestalt der Dinge zu nehmen.
Jetzt, wie die Welt aufstaune zur jugendlich scheinenden Sonne,
Und hochher sich ergieß' aus erhobenen Wolken der Regen,
Während keimende Wälder zuerst aufsteigen, und während
Sparsam Lebende irren durch unbekannte Gebirge.
Drauf der Pyrra geworfnes Gestein und saturnische Herrschaft
Singt er, des Kaukasus Vögel zugleich und den Raub des Prometheus,
Fügt dann hinzu, wo dem Hylas am Born die vermissenden Segler
Laut nachschrien, daß Hylas der Strand, rings Hylas umherscholl.
Und, o Pasiphae, du so beglückt, wenn nimmer ein Rind war,
Jetzo tröstet er dich mit Genuß des schneeigen Stieres.
Ach, unseliges Weib, wie hat dich betöret der Wahnsinn!
Prötus' Töchter erfüllten die Flur mit falschem Gebrülle:
Doch so empörender Lust hat die durch tierische Buhlschaft
Eine gefrönt, obzwar für den Hals sie gefürchtet das Pflugjoch,
Und sich oft nach Gehörn an glatter Stirne getastet.
Ach, unseliges Weib, du selbst nun schweifst in den Bergen:
Jener, die schneeige Seit' auf der sanften Blum' Hyacinthus,
Wiederkäut im Dunkel der Stecheich' hellere Kräuter,
Oder verfolgt, was ihm lieb in der Herd' ist. Sperret, o Nymphen,
Ihr diktäische Nymphen, die Windungen sperret des Forstes,
Ob ja vielleicht auf dem Wege sich darbiet' unseren Blicken
Vom umschweifenden Stiere die Spur. O es möchten vielleicht ihn,
Hab' auch grünendes Kraut, auch die reizende Herd' ihn verleitet,
Einige Küh' heimführen in unsre gortynische Stallung.
Drauf die hesperischen Äpfel, des Mägdleins Wunder, besingt er
Drauf die Phaëthontiden in Moos und bittere Rinde
Kleidet er, daß sie dem Grund' als ragende Erlen entsteigen:
Drauf erzählt er, wie Gallus, den Strom des Permessus umirrend,
Auf die aonischenHöh'n von der Göttinnen einer geführt ward,
Wie vor dem Manne gesamt Apollos Chor sich erhoben,
Wie dann Linus ihm nahend, der Hirt vom göttlichen Liede,
Schön geschmückt mit Blumen das Haar und bitterem Eppich,
Redete: Dieses Geröhr, schau, geben dir, nimm es, die Musen,
Welches der Greis aus Askra geführt, auf welchem er tönend
Pflegte die starrenden Ornen herab vom Gebirge zu locken.
Hiermit preise du selbst des gryneischen Waldes Entstehung;
Daß kein Hain wo prange zu größerem Stolz dem Apollo.
Meld' ich noch, wie der Szylla, des Nisus Tochter, besungen,
Welche, mit Hundegebell die glänzenden Hüften umgürtet,
Sagt man, dulichische Barken geschleift, und im tiefen Gestrudel
Ach, die verzagenden Schiffer mit Meerscheusalen zerrissen?
Oder, wie Tereus' Glieder er dargestellt in Verwandlung;
Welchen Schmaus und welches Geschenk Philomela ihm darbot:
Wie sie eilig entfloh in die Wüste, und wie sie befiedert
Erst noch das eigene Dach umflatterte jammerbelastet.

    Alles, was einst in Phöbus' entzücktem Gesang der Eurotas
Freudig vernahm, und zu lernen gebot den horchenden Lorbeern,
Singet er; hoch zu den Sternen entfliegt aus den Tälern der Nachhall;

Bis in die Hürd' eintreiben die Schaf' und die Zählung erneuern
Hesperus hieß, und dem Himmel noch unwillkommen hervorging.



Hinweis: Sollte der obenstehende Text wider unseres Wissens nicht frei von Urheberrechten sein, bitten wir Sie, uns umgehend darüber zu informieren. Wir werden ihn dann unverzüglich entfernen.

 

Anmelden
Benutzername

Passwort

Eingeloggt bleiben

Neu registrieren?
Passwort vergessen?

Neues aus dem Forum


Gedichte von Georg Trakl

Verweise
> Lyrikband seelengruende
> Neue Gedichte: fahnenrost
> Kunstportal xarto.com
> New Eastern Europe
> Free Tibet
> Naturschutzbund





Das Fliegende Spaghettimonster

netzbibliothek | Anti-Literatur | Datenschutz | FAQ | Impressum | Rechtliches | Partnerseiten | Seite empfehlen | RSS

Systementwurf und -programmierung von zerovision.de

© 2001-2022 by Arne-Wigand Baganz

v_v3.53 erstellte diese Seite in 0.030113 sek.