Biographien Rezensionen Diskutieren im versalia-Forum Das versalia.de-Rundschreiben abonnieren Service für Netzmeister Lesen im Archiv klassischer Werke Ihre kostenlose Netzbibliothek

 


Rezensionen


 
Wolf Doley - Entfant perdu
Buchinformation
Doley, Wolf - Entfant perdu bestellen
Doley, Wolf:
Entfant perdu

Bei amazon bestellen

(Bücher frei Haus)

Standortvermessungen

Mit seinen Gedichten bewegt sich Wolf Doley im Widerspruch zum Literaturbetrieb, er will den Ursprung, er will sie jedoch bewußt. Das hat die Konsequenz, wenn er sich schreibend über die Verse beugt, die Unschuld immer schon verloren ist.

Doleys Gedichtband »ins blaue springen«, enthält bereits im Kern die späteren theoretischen Überlegungen, seinen Kampf gegen das Kleinbürgertum und die Konsumgesellschaft, wird hier zur lyrischen Klammer, die sein Denken zusammenspannt. Manchmal scheint es, als wolle dieser Autor in der Entwicklungsgeschichte des lyrischen Ichs die Welt an den Enterhaken nehmen. Das Schreiben ist für Doley immer auch die Emanzipation von der papiernen Welt, ist das Verlassen des akademischen Kreislaufs, der zyklisch strukturierten Welt, ist das Hineingehen in die Linearität und damit der Eintritt in die Geschichte.

In »Entfant perdu« packt der vielseitige Intellektuelle Doley sein avanciertes Wissen und seine klugen Reflexionen zum Thema „linke Utopie“ in ein Form und stöbert in einem Metaphernhaushalt der viele Facetten des Zeitgeistes aufweist. Seine Beschreibung dieser Experimente ist in ihrer Klarheit hinreißend und schient ein fernes Echo auf Ernst Blochs »Das Prinzip Hoffnung« zu sein. Wenn man seine Essays liest, meint man, die Moderne beginnt, wo der Ursprung, die Herkunft historisch und zugleich vergessen wird; sie leugnet die Verwurzelung in ewig gleicher Überlieferung und behauptet eine Geburt aus eigener Kraft. Doley pustet den Denkerstaub von Intellektuellen beiseite, die den Vogelflug einer vergänglichen Idee mit der unvergänglichen Faktizität der Geschichte verwechseln. Hier ist ein Eigendenker zugange, der den stilistischen Posaunenton als spätexpressionistisch entlarvt. Seine Essays sind vagabundierende Gedankenzüge, anregend und schillernd, immer geistreich und nie langweilig. Doley ist ein Fischer am Ufer der Kulturgeschichte. Unermüdlich zieht er sein Netz durch den Strom der Überlieferung, und geduldig fängt er ungewöhnliche Gedanken ein.


»Entfant perdu« von Wolf Doley, Edition Lichtenberg, Odenthal

[*] Diese Rezension schrieb: Matthias Hagedorn (2009-11-15)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



-> weitere Bücher von Wolf Doley ansehen

-> Möchten Sie eine eigene Rezension veröffentlichen?

[ weitere Rezensionen : Übersicht ]

 



Aus unseren Buchrezensionen


Engel im Herbst mit OrangenOpitz, Hellmuth:
Engel im Herbst mit Orangen
Der bemerkenswerte Gedichtband "Engel im Herbst mit Orangen" des Bielefelder Lyrikers Hellmuth Opitz erschien als Hardcover bereits 1996 im Pendragon Verlag. Einige Jahre vergriffen, liegt er dort nun seit 2006 wieder als erweiterte, broschierte Neuausgabe vor. Die mittlerweile fast vierzehn Jahre merkt man dem Buch nicht an, [...]

-> Rezension lesen


 EhrensachenBegley, Louis:
Ehrensachen
Ode an eine Ostküstenfreundschaft Der 1933 in Polen geborene und nach dem Krieg in die USA übergesiedelte Louis Begley studierte Literaturwissenschaften und Jura in Harvard und arbeitete von 1959 bis 2004 als Anwalt in New York, wo er bis heute lebt. Erst spät betätigte er sich als Romancier und hatte mit Lügen in Zeiten des [...]

-> Rezension lesen


Herz über KopfHahn, Ulla:
Herz über Kopf
Der vor nunmehr fast dreißig Jahren erschienene Debut-Gedichtband einer damals als Literaturredakteurin bei Radio Bremen tätigen, ansonsten weitgehend unbekannten Autorin löste einen Lyrikdiskurs aus, der mitunter weniger von der eigentlichen Debatte über die Qualität des Buches geprägt schien als vielmehr von der Tatsache, dass [...]

-> Rezension lesen


 Wo fängst Du an wo hör ich aufWeiss, Mia Florentine:
Wo fängst Du an wo hör ich auf
Um es gleich vorweg zu nehmen: Für das Genre der Liebesgedichte habe ich immer eine besondere Sympathie empfunden. Wie viele Leser sauge auch ich solche Zeilen förmlich auf, sofern sie zumindest den Versuch unternehmen, sich von den Platitüden durchschnittsdeutscher Schlagertexte abzuheben. Wenn mir da vollmundig eine hoffnungsvolle [...]

-> Rezension lesen


Anmelden
Benutzername

Passwort

Eingeloggt bleiben

Neu registrieren?
Passwort vergessen?

Neues aus dem Forum


Gedichte von Georg Trakl

Verweise
> Unser Buchladen
> Lyrikband seelengruende
> Neue Gedichte: fahnenrost
> Kunstportal xarto.com
> Suchmaschine z3ro.net



005 Micro Button 3  88x31 / SBS

Das Fliegende Spaghettimonster

netzbibliothek | Anti-Literatur | Buchladen | Topliste | FAQ | Impressum | Rechtliches | Partnerseiten | Seite empfehlen | Schlesien | RSS

Systementwurf und -programmierung von zerovision.de

© 2001-2017 by Arne-Wigand Baganz

v_v3.31 erstellte diese Seite in 0.023630 sek.