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Hellmuth Opitz - Engel im Herbst mit Orangen
Buchinformation
Opitz, Hellmuth - Engel im Herbst mit Orangen bestellen
Opitz, Hellmuth:
Engel im Herbst mit
Orangen

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(Bücher frei Haus)

Der bemerkenswerte Gedichtband "Engel im Herbst mit Orangen" des Bielefelder Lyrikers Hellmuth Opitz erschien als Hardcover bereits 1996 im Pendragon Verlag. Einige Jahre vergriffen, liegt er dort nun seit 2006 wieder als erweiterte, broschierte Neuausgabe vor. Die mittlerweile fast vierzehn Jahre merkt man dem Buch nicht an, die Texte kommen mit frischem Hintersinn und einer Schärfe daher, dass man ständig das Gefühl hat, gleich aus der Kurve getragen zu werden. Hier werden keine dröge-verkopften poetologischen Selbstdarstellungen betrieben, Opitz nähert sich seinen Sujets mit lässigem Charme und sprachspielerischer Ausnahmebegabung: "In manchen Frauenzimmern brannte noch Licht/oder ein Lippenstift für die schöneren/Monologe." Eine scheinbare Alltagssprache, die sich immer wieder selbst in ihrer ganzen Vielschichtigkeit auslotet und dem Leser ihre eigene Interpretation der erlebten Wirklichkeit anbietet. Offen sind diese Gedichte nicht - dennoch verzeiht man ihnen das gern, sind sie doch bei aller bildhaften Opulenz fast ausnahmslos straff komponiert: "Ich/war ein schlechter Vorname in diesen Tagen:/Zu groß. Hallte wie ein Treppenhaus, wenn man ihn/rief." Die respektlose Ironie, mit der Opitz seine Gedichte gestaltet, täuscht zu keiner Zeit darüber hinweg, dass hier ein ausgemachter Melancholiker schreibt. Das manifestiert sich vor allem in wunderschönen Beziehungsgedichten wie etwa "Bei Trost", wenn es heißt: "Manchmal ruft sie mich an,/sagt: Denk dran,/ wenn das Telefon nicht klingelt,/ ich bin's." Seine Wortschöpfungen und -deutungen sind wohldosiert, oft konzentriert sich ein ganzer Text in der von ihm ausgehenden Athmosphäre noch einmal in solchen Wendungen: "...ein Flugschreiber/bin ich auf dem langen Weg von/einem Wort zum anderen". Diese Gedichte lassen sich allesamt wunderbar laut lesen, die Klanglichkeit ist eine wichtige kompositorische Facette des Opitz'schen Œvres, und wer den Dichter selbst einmal lesen gehört hat, weiß, dass er im Gegensatz zu vielen Kollegen ein ausgezeichneter Botschafter seiner eigenen Texte ist. Die fein aufgewogene Mischung aus Schwer und Leicht kennzeichnet sowohl die Auswahl der Gedichte als auch den Vortrag und sichert ihm die ungeteilte Aufmerksamkeit des Publikums, dass sich durch Zeilen wie diese schon auch mal zu begeistertem Zwischenapplaus hinreißen lässt: "Maxwell// Der Mann, der morgens Kaffee macht./ Der sein Glas aufschraubt und zu den/ Instant-Körnern sagt:// Jungs, es wird ein heißer Tag heute./Einige von euch werden nicht/zurückkommen.//So könnte eigentlich ein guter/Amoklauf beginnen.//Der Mann, der morgens." Opitz ist ganz offensichtlich auch Cineast - ein Umstand, der vielleicht auch mit zu seiner überraschenden Bildsprache beigetragen haben mag. In "Sterben für Laura Dern" und dem Gedicht über "Charlotte Rampling in einem Hotelzimmer in Arles, nachts" weiß er die ganz großen Bilder wachzurufen, die auch wirken, wenn man die Filme oder (im Falle von Rampling) das Foto gar nicht kennt, auf die er sich bezieht. Nur ganz selten reibt man sich vielleicht an einer Formulierung, die dann doch irgendwie nicht ganz vermeiden kann, die Banalität zu streifen: "Oh, Stella kriegt/immer, was ihr Schmerz begehrt" oder, zwei Gedichte weiter, die Umkehrung: "Aber Herz beiseite". Der Autor arbeitet im Brotberuf in der Werbebranche - unwillkürlich drängt sich die Frage auf, ob das nicht gefährlich werden kann. Trotzdem ist Opitz stets weit davon entfernt, unfreiwillig in Comedygefilde abzudriften, die sprachliche Ausgestaltung des Kontextes der beiden erwähnten Stellen schafft auch hier mühelos die literarische Kehrtwende hin zu beeindruckender Lyrik. Opitz weiß sich mit einer Leichtigkeit auf dem schmalen Grat zwischen Publikumswirksamkeit und originärem Kunstschaffen zu bewegen, die ausgesprochen überzeugend wirkt. Schade, dass die Kritik das offenbar anders sieht - größere literarische Ehrungen sind dem Bielefelder bislang nicht zuteil geworden. Wer hat gesagt, dass es Bielefeld in Wirklichkeit gar nicht gibt? Kann nicht stimmen, denn nun kenne ich einen, der von dort ist. Lernen auch Sie Ihn kennen, es lohnt sich.

[*] Diese Rezension schrieb: Marcus Neuert (2009-11-15)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.


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