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Peter Putz - Das Ewige Archiv / Heavy Duty XS
Buchinformation
Putz, Peter - Das Ewige Archiv / Heavy Duty XS bestellen
Putz, Peter:
Das Ewige Archiv / Heavy
Duty XS

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(Bücher frei Haus)

Das „Ewige Archiv“, das 1980 von Peter Putz gegründet wurde, versteht sich als „forcierte Enzyklopädie zeitgenössischer Identitäten“. Die wohl umfangreichste nichtkommerzielle Bilddatenbank Österreichs mit einem Bildbestand ab dem Jahre 1905 will mit einer Art „Spurensicherung des Alltags“ und der Dokumentation und dem Vergleich unterschiedlichster Lebens- und Arbeitsräume wie Wien, Montréal, Ebensee, Poznan, London, New York, Berlin, Lissabon oder Paris, Vandans, Mossul und Rom der Welt eine ganz eigene Art der „Ordnung geben, um sie besser verstehen zu können“. So zumindest könnte man das an den Anfang - der beim Ritter Verlag erschienen Publikation eines Auszugs des Archivs – gestellte Zitat von Agnes Varda verstehen: „Man muss den Dingen eine Form, eine Ordnung geben können, um sie besser zu verstehen, und das ist es auch, was man tut, wenn man einen Film macht oder anders künstlerisch tätig ist: Man versucht, zumindest temporär, eine Ordnung einzuführen und ein oder zwei Fragen auf diese Weise zu klären – weil man das chaotische Ganze ohnehin nicht erfassen kann. Ich glaube, das ist eine Art, um die Unordnung, in der wir leben oder als die wir die Welt empfinden, auszuhalten.“

Ein Robin Hood der Sozialpornographie?
Peter Putz hat sein Archiv mit einem Metadatenverzeichnis und detaillierter Beschlagwortung versehen, der Schwerpunkt sei die „permanente fotografische Notiz“. Er wird so zu einem Dokumentar und Archivar des Alltäglichen, denn Putz legt keinen Wert auf Hochglanzinszenierungen, seine Fotografie ist so spontan wie originell. Vielleicht hat er sich auch an Henri Cartier-Bresson ein Vorbild genommen, den er am Ende seiner kleinen Werkschau mit den Worten „Wir Fotografen sind wie Diebe, die sich anschleichen, aber wir stehlen, um den Menschen unsere Beute wieder zurückzugeben“ zitiert. Fotografen als moderne Robin Hoods? Oder nehmen sie nicht von den Reichen und geben es den Armen, sondern eher umgekehrt? Ist es Sozialpornographie, wenn Putz Obdachlose fotografiert und man sich die Bilder dann vor dem Kaminfeuer zuhause zu ergötzen, bei dem Gedanken wie schlecht es anderen geht und wie gut man es doch selbst hat? Nein! Viel eher gemahnen die Bilder von Peter Putz daran, dass es bald jedem so gehen könnte, wie seinen „Models“, dass wir in einer Zeit leben, wo der soziale Abrutsch nur mehr eine Frage der Zeit und des Alters ist.

Aufklärung über Missstände durch das Bild
Peter Putz stellt sich die Frage nach der Sozialpornographie selbst in seinem Nachwort, aber vielleicht sollte man ihn lieber an den österreichischen Filmemacher Ulrich Seidl adressieren? Warum fotografiert Putz flachgedrückte Red Bull Dosen auf der Straße? Er gibt die Antwort selbst: pro Jahr werden etwa 5 Milliarden dieser Dosen produziert. Wo wandern diese Dosen nach ihrer Entleerung hin? Auf die Straße? In den Müll? Und von dort dann? Die Herstellung von Aluminium gehört zu den energieaufwendigsten Verfahren überhaupt. Allein für die Elektrolyse, die zur Gewinnung eines Kilogrammes Aluminium nötig ist, werden 12,9–17,7kWh elektrische Energie benötigt. Das entspricht dem Energieverbrauch eines 24-Zoll-LCD-Flachbildschirms (ca. 50 Watt) in einem Monat, wenn er täglich acht Stunden leuchtet. Wie viel Gramm Aluminium benötigt man für eine Dose? Und das dann mal 1 Milliarde? Peter Putz beschreibt oder kommentiert seine Fotografien nur mit Jahreszahl und Ortsangabe. Es gibt kaum weitere Hintergrundinformationen. Sein Augenmerk liegt auf dem Spektakulär-Unspektakulären. Die vorliegende Publikation versammelt auch Texte u.a. von: Friedrich Achleitner, Richard Bellet, Robert Del Tredici, Peter Gorsen, Timm Starl und Marlene Streeruwitz.

Peter Putz
Das Ewige Archiv / Heavy Duty XS
ISBN: 978-3-85415-484-6
Preis: € 29,00
240 Seiten, ca. 100 Farbtableaus, Hartband mit SU, deutsch/englisch

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2013-04-18)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



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