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Sara Barquinero - Ich werde allein sein und ohne Party
Buchinformation

Eine namenlose Protagonistin, vielleicht das alter ego der Autorin, findet in einem Container auf den Straßen Zaragozas ein Tagebuch, das mit Yna unterzeichnet ist. Ihre Heimatstadt, Zaragoza, besucht sie aufgrund des Todes ihrer Tante und so kommt eine Suche nach der Verfasserin ins Rollen, die durch verschiedene Städte und Betten Spaniens führt...

Warten auf Alejandro

Das Tagebuch von Yna, das aus dem Jahre 1990 stammt, wird erst 30 Jahre später von der Protagonistin aus dem Müll gezogen. Wahrscheinlich ist diese Yna gerade ausgezogen oder vielleicht sogar schon gestorben. Die Namenlose beschließt alsbald statt nach Yna nach Alejandro zu suchen, der Mann, der in dem Tagebuch ständig mit Liebeskummer adressiert wird. Yna verzehrte sich nach diesem Alejandrro, aber er tauchte nie mehr auf, ließ sie im Stich und so starb sie wahrscheinlich in Einsamkeit. Vor genau diesem Schicksal hat wohl auch die Protagonistin Angst, obwohl sie eigentlich alles tut um genauso einsam zu enden wie Yna. Gegenüber ihrem Freund Carlos, mit dem sie in Madrid zusammenwohnt, verhält sie sich nicht nur unehrlich, sondern sogar ignorant. Das für den gemeinsamen Urlaub mit ihm gesparte Geld gibt sie für die Suche nach Alejandro aus und sie sucht in Madrid, Zaragoza, Bilbao und Barcelona nach ihm. Da sie nur wenig Geld hat, schläft sie in jeder Stadt mit einem anderen Mann und hofft, so die Spur zu Alejandro Aufnehmen zu können. Sie vernachlässigt aber nicht nur Carlos und ihre alleinstehende Mutter, sondern auch ihren Job und ihr eigenes Leben, da die Suche nach Alejandro bald zu einer Obsession wird. Geradeso wie Yna obsessiv auf Alejandro wartete, sucht sie ihn. Aber auch Penelope hat zwanzig Jahre auf ihren Odysseus gewartet, was immerhin zum Literaturmotiv eines gewissen Homer wurde. Dass sich das Verhältnis zwischen Mann und Frau aber nicht erst seit 2800 Jahren, sondern vor allem in den letzten 30 Jahren geändert hat, zeigt auch "Ich werde allein sein und ohne Party".

Ich werde allein sein und ohne Party

Sara Barquinero hat einen Roman mit umgedrehten Gelder-Erwartungen geschrieben. Ihre Protagonistin schläft sich durch die Betten Spaniens, um ihre eigene Leere zu überwinden, geradeso wie es dreißig Jahre früher wohl auch Alejandro gemacht hat. Die Rollenbilder des spanischen Machos werden so mit umgekehrten Vorzeichen fortgesetzt, jetzt ist es die Frau, die erobert, bestimmt und sich nachts davonschleicht. Bis sie den vermeintlichen Sohn Alejandro, Julian, kennenlernt, den sie plötzlich beginnt zu lieben, ohne es wirklich zu beabsichtigen. Das Porträt einer ziellosen Internetgeneration, den Millenials, ist streckenweise so gut gelungen, dass die innere Leere der Protagonistin förmlich spürbar wird. Insofern folgt die Form der Funktion, auch wenn der Plot wirklich sehr dünn ist und sich oftmals wiederholt. Aber auch die Wiederholung ist schließlich ein literarisches Motiv, das gerne benutzt wird, um das auszudrücken, was den oder die Autor:in bewegt. Dass etwa Lateinamerikanerinnen in den Neunzigern noch weniger nach Spanien kamen als heute und diese oft diskriminiert werden, war mir völlig neu. Die vielen Dialog, die hauptsächlich im Milieu der Gastronomie spielen, sind das Treibmittel dieses Romanerstlings von Sara Barquinero, die im Spanischen schon zwei Romane, eine Novelle, Essays und Gedichte veröffentlicht hat. Die Autorin wurde 1994 in Zaragoza geboren und ist promovierte Philosophin. Vor allem eine junge Generation wird sich in ihrer Art Literatur wiedererkennen. Denn, hey, was gibt es heutzutage schließlich wichtigeres als Beziehungen?

Sara Barquinero
Ich werde allein sein und ohne Party
Übersetzt aus dem Spanischen von Mareike Philipp
2026, broschiert, 288 Seiten
ISBN 978-3-8031-3386-1
Wagenbach Verlag
24,– €

[*] Diese Rezension schrieb: Juergen Weber (2026-03-08)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.


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