Biographien Rezensionen Diskutieren im versalia-Forum Das versalia.de-Rundschreiben abonnieren Service für Netzmeister Lesen im Archiv klassischer Werke Ihre kostenlose Netzbibliothek

 


Rezensionen


 
Robert E. Manus - Glücklich ohne Gott
Buchinformation
Manus, Robert E. - Glücklich ohne Gott bestellen
Manus, Robert E.:
Glücklich ohne Gott

Bei amazon bestellen

(Bücher frei Haus)

Die Zugehörigkeit der Bevölkerung zu einer der beiden großen christlichen Kirchen befindet sich im Sinkflug. Große Austrittswellen, zunächst oft aus finanziellen Gründen bei niedriger Affinität zur Kirche, später dann immer wieder auch von überzeugten Christen aufgrund unsäglicher Missstände in den Kirchen finanzieller und moralischer Art, haben die Mitgliederzahlen erheblich sinken lassen und beiden Großkirchen zu bedeutenden Einsparungen und strukturellen Veränderungen gezwungen. Als Beispiele seien hier nur der Skandal um den Limburger Bischofssitz und die zahllosen Fälle von sexuellem Missbrauch in den vergangenen Jahrzehnten durch katholischen Priester und Ordensleute, die vor wenigen Jahren bekannt wurden.

Oft wird aus den zurückgegangenen Mitgliederzahlen der Kirchen geschlossen, dass auch weniger Menschen an Gott glauben und sich als Christen bezeichnen. Das ist nicht der Fall. Viele Menschen verlassen die Kirche, aber kehren nicht ihrem Glauben den Rücken.

Dennoch ist festzuhalten: obwohl allenthalben von einer Rückkehr der Religion gesprochen wird, hat der Philosoph Habermas vor einjgen Jahren in einer Rede gesagt:
„Die praktische Vernunft verfehlt ihre Bestimmung, wenn sie nicht mehr die Kraft hat, ein Bewusstsein von dem, was fehlt, von dem, was zum Himmel schreit, zu wecken und wachzurütteln.“

Die Theologen haben damals etwas vorschnell geglaubt, Habermas habe damit die Religion salviert, und seine Texte schnell aufgegriffen. Wenn ich es recht sehe, waren die protestantischen Theologen hierbei zurückhaltender. Sie haben sich an der sich bis auf den heutigen Tag hinziehenden Debatte über die „Wiederkehr der Religion“ viel weniger beteiligt als ihre katholischen Kollegen, hier insbesondere die Jesuiten.

Der Autor des vorliegenden, beim religions-und kirchenkritischen Verlag Tectum erschienenen Buches, Robert E. Manus ist von Haus kein Theologe. Aber er hat sich sein ganzes bisheriges Leben lang mit religiösen und philosophischen Fragen beschäftigt und eine klassische katholische Erziehung durchlaufen. Bald schon begann er sich mit seinem katholischen Erbe auseinanderzusetzen und sich langsam davon zu lösen. Jahrzehntelang hat er sich damit gequält, seinen immer mehr ins Wanken geratenen christlichen Glauben festzuhalten, was ihm aber immer weniger gelang. Als er dann das umstrittene und meiner Meinung nach mit vielen Mängeln behaftete Buch „Der Gotteswahn“ von dem radikalen und fanatischen Religionsfeind Richard Dawkins las, „wusste ich, es ist falsch, nur tolerant zu sein.“

In seinem umfangreichen und mit zahllosen Anmerkungen versehenen Buch spricht Manus all diejenigen Menschen an, die sich so wie er kritisch mit ihrem christlichen oder muslimischen Glauben auseinandersetzen und sich vielleicht von ihm lösen möchten.

Nach einer ausführlichen religionswissenschaftlichen Auseinandersetzung kommt er zu dem Schluss, dass Bibel und Koran keine Dokumente sind, die Liebe und Toleranz predigen, sondern eher Bücher der Abgrenzung des Hasses und der Gewalt.
Er glaubt, dass ein erfülltes und glückliches Leben besser gelingt ohne den Bezug auf Gott und bezieht sich am Ende seines Buches auf Gottfried Keller, der in einem Brief an Wilhelm Baumgartner schrieb:
„Wie trivial erscheint mir gegenwärtig die Meinung, dass mit dem Aufgeben der sogenannten religiösen Ideen alle Poesie und erhöhte Stimmung aus der Welt verschwände! Im Gegenteil! Die Welt ist mit unendlich schöner und tiefer geworden, das Leben ist wertvoller und intensiver, der Tod ernster, bedenklicher und fordert mich nun erst mit aller Macht auf, meine Aufgabe zu erfüllen und mein Bewusstsein zu reinigen und zu befriedigen, da ich keine Aussicht habe, das Versäumte in irgendeinem Winkel der Welt nachzuholen.“

Ich beschränke mich auf die Dokumente und Traditionen des christlichenGlaubens, wenn ich bemerken muss, dass Manus die revolutionäre Botschaft des Neuen Testamentes vermengt mit den Aussagen der Bibel, die man im historischen Kontext lesen muss und von denen man sich trennen muss. Ich werfe ihm auch vor, dass er das
bahnbrechende Werk „Toleranz und Gewalt“ aus dem Jahr 2007 des Münsteraner Religionshistorikers und Priesters Arnold Angenendt (ist jetzt auch als Taschenbuch lieferbar) nicht beachtet und gewürdigt hat. Dem geht es hauptsächlich um die Tatsache, dass die drei Schwert-Worte im Neuen Testament immer wieder in ihrer wahren Bedeutung beachtet werden müssen, um ihrem neuerlichen Missbrauch entgegenzuwirken:
Einmal das beim ersten Hinhören erschreckende Wort: 'Ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern das Schwert' (Mt.10,34). Gemeint ist das geistige Schwert der Abtrennung von der blutsverwandten Eigenwelt, also ein metaphorischer Gebrauch zur Bezeichnung schmerzhaft - notwendiger Lebensentscheidungen. Dem zweiten Schwert-Wort zufolge ist das Wort Gottes 'schärfer als jedes zweischneidige Schwert...; es richtet über die Regungen und Gedanken des Herzens.' Das physische Schwert jedoch wird abgelehnt. Als Jesu Jünger ihn bei seiner Verhaftung mit einen realen Schwert verteidigen wollen, gebietet er: 'Steck dein Schwert in die Scheide; denn alle, die zum Schwert greifen, werden durch das Schwert umkommen.'(Mt. 26,52)

Das sind die theologischen Grundlagen des Christentums. Manfred Lütz hat in seinem neuen mit Arnold Angenendt zusammen verfassten Buch „Der Skandal der Skandale“ diese Erkenntnisse für einen breiten Kreis von Lesern zugänglich gemacht. Ich kann es nur empfehlen für alle die Menschen, die die platte Kritik meiden und es lieber mit der wirklichen Aufklärung halten, eben auch im Diskurs um das strittige Thema Religion.

Robert E. Manus, Glücklich ohne Gott, Tectum Verlag 2018, ISBN 978-3-8288-4066-9

[*] Diese Rezension schrieb: Winfried Stanzick (2018-05-16)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.



-> weitere Bücher von Robert E. Manus ansehen

-> Möchten Sie eine eigene Rezension veröffentlichen?

[ weitere Rezensionen : Übersicht ]

 



Aus unseren Buchrezensionen


Der Käfer. Auto-BiographienLehmann, Jürg:
Der Käfer. Auto-Biographien
Jörg Lehmann, der als hauptberuflicher Fotograf eigentlich nichts mit Autos zu tun hat, sondern vor allem als Food-Fotograf sich einen Namen machte, ist seit langem fasziniert vom VW-Käfer, einem Auto, das schon bald nach Beginn seiner massenhaften Produktion zum Kult nicht nur in Deutschland wurde. Kaum ein Auto weckt so viele [...]

-> Rezension lesen


 Revanche. Der zehnte Fall für Bruno, Chef de policeWalker, Martin:
Revanche. Der zehnte Fall für Bruno, Chef de police
In seinen bisherigen Büchern mit dem sympathischen Bruno Courreges, dem Chef de Police in dem kleinen Städtchen St. Denis im Perigord ist es dem Engländer Martin Walker jedes Mal sehr gut gelungen, ein aktuelles Thema in einem konkreten Kriminalfall zu verbinden mit sehr aufschlussreichen Rückblicken in die dunklen Kapitel der [...]

-> Rezension lesen


So viel mehr als SternenstaubOberthür, Rainer:
So viel mehr als Sternenstaub
Rainer Oberthürs Leidenschaft ist es, Kindern unterschiedlicher Altersstufen die großen Fragen des Lebens nahezubringen und dabei immer das Angebot des christlichen Glaubens und der biblischen Traditionen ins Spiel zu bringen. In diesem neuen von Marieke ten Berge ansprechend illustrierten Bilderbuch für Kinder ab 5-6Jahren geht es [...]

-> Rezension lesen


 Die Arroganz der Macht. Hochmut kommt vor dem FallVoigt, Rüdiger:
Die Arroganz der Macht. Hochmut kommt vor dem Fall
Das Verhältnis zwischen den Politikern und den Bürgern, die diese gewählt haben (oder auch nicht, immer mehr bleiben frustiert zu Hause) hat sich verändert. Es ist schwer zu sagen, wann dieser noch nicht zu seinem Ende gekommene Prozess begann, aber dass er an allen Ecken und Enden spürbar ist, ist eine schmerzhafte Erkenntnis für [...]

-> Rezension lesen


Anmelden
Benutzername

Passwort

Eingeloggt bleiben

Neu registrieren?
Passwort vergessen?

Neues aus dem Forum


Gedichte von Georg Trakl

Verweise
> Unser Buchladen
> Lyrikband seelengruende
> Neue Gedichte: fahnenrost
> Kunstportal xarto.com
> Suchmaschine z3ro.net





Das Fliegende Spaghettimonster

netzbibliothek | Anti-Literatur | Datenschutz | Topliste | FAQ | Impressum | Rechtliches | Partnerseiten | Seite empfehlen | Schlesien | RSS

Systementwurf und -programmierung von zerovision.de

© 2001-2018 by Arne-Wigand Baganz

v_v3.31 erstellte diese Seite in 0.014051 sek.