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James Ward Byrkit - Coherence
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Ward Byrkit, James:
Coherence

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(Bücher frei Haus)

„Und was wenn wir die dunkle Version unserer selbst sind?“, frägt Hugh, einer der Protagonisten des independent Low Budget-Verwirr-Kammerspiels von James Ward Byrkit an einer Schlüsselstelle. Und wahrlich, was wenn es tatsächlich mehrere Versionen unserer Identität gibt, die zeitgleich in fiktiven Paralleluniversen auf ihre tatsächliche Manifestation warten? Wer das Gedankenexperiment mit der Katze des österreichischen Quantenphysikers Erwin Schrödinger kennt, wird seine helle Freude mit diesem Dokudrama des Regisseurs haben, der nicht nur Horror und Ennui sondern auch Metaphysik und Apokalypse mühelos in einem sehr unterhaltsamen und anregenden Film unterbringt.
Quantenphysik, Ketamin und der Quick-Code
Ein Abendessen mit ein paar Freunden steht im Zeichen eines Kometen, der in dieser Nacht an der Erde vorbeiglühen wird. Die Freunde sitzen gemütlich zusammen, führen oberflächliche Gespräche über ihre gescheiterten Karrieren und Beziehungen und beginnen bald mit den üblichen Sticheleien unter Leuten, die sich schon zu lange kennen und immer wieder das Gleiche miteinander machen. Das eine Paar ist unglücklich, ein Schauspieler ohne Job, die anderen haben Probleme mit ihren Kindern usw. Die Gespräche drehen sich um Alltägliches und jeder Zuseher kann sich zumindest mit einem der Protagonisten identifizieren und erkennt die Gesprächsthemen von eigenen, selbst erlebten Abendessen bei Freunden. Doch dann verändert der Komet alles. Das Licht geht aus, Kerzen werden schnell herbeigebracht und auf Sicherheit viel Wert gelegt. Einige der Männer erkunden die Nachbarschaft und müssen feststellen, dass nur in einem einzigen Haus noch Licht brennt und als sie dort durch die Fenster sehen, erkennen sie etwas ganz Schreckliches: sich Selbst.
„Selbst“mord im Badezimmer
Man muss nicht viel von Quantenphysik oder Schrödinger‘s Katze verstehen, denn „Coherence“ macht genau das deutlich, was das philosophische Gedankenexperiment zu erklären sucht. Natürlich spielt auch ein kleines Fläschchen mit „Echinacea, Passionsblume und Ketamin“ eine nicht unbedeutende Rolle und auch der Einfluss des Kometen ist nicht zu unterschätzen. Aber grundsätzlich geht es doch vor allem um Identitätssuche, denn auch die Katze in der Box ist vorerst nicht tot oder dann vielleicht doch. Welches „Ich“ in uns wünschen wir eigentlich am Leben zu erhalten und welches würden wir nicht auch gerne gnadenlos als Altlast in der Badewanne beseitigen, wie die Protagonistin Emily das kurzerhand macht? „Coherence“ beschäftigt sich mit dem Wunsch nach einem besseren Leben, einem besseren, anderen ich. Aber was, wenn am Ende wirklich „wir“ die dunkelste Version unseres Selbst sind? Nietzsche drückte es einmal so aus: „Unsere hellsten Momente sind unsere dunkelsten Stunden“. Die Wahl des richtigen Quick-Codes kann ausschlaggebend zur Identitätsfindung beitragen. Two thumbs up!

James Ward Byrkit
Coherence
Bildstörung (Alive AG)
DVD, BluRay,USA, 88Minuten, 2015

[*] Diese Rezension schrieb: Jürgen Weber (2015-02-23)

Hinweis: Diese Rezension spiegelt die Meinung ihres Verfassers wider und muss nicht zwingend mit der Meinung von versalia.de übereinstimmen.


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