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An die Ruhe
Friedrich Hölderlin
Vom Gruß des Hahns, vom Sichelgetön' erwekt,
 Gelobt' ich dir, Beglükerin! Lobgesang,
  Und siehe da, am heitern Mittag
   Schläget sie mir, der Begeist'rung Stunde.

Erquiklich, wie die heimische Ruhebank
 Im fernen Schlachtgetümmel dem Krieger deucht,
  Wenn die zerfleischten Arme sinken,
   Und der geschmetterte Stahl im Blut liegt -

So bist du, Ruhe! freundliche Trösterin!
 Du schenkest Riesenkraft dem Verachteten;
  Er höhnet Dominiksgesichtern,
   Höhnet der zischenden Natterzunge.

Im Veilchenthal, vom dämmernden Hain umbraust,
 Entschlummert er, von süßen Begeist'rungen
  Der Zukunft trunken, von der Unschuld
   Spielen im flatternden Flügelkleide.

Da weiht der Ruhe Zauber den Schlummernden,
 Mit Muth zu schwingen im Labyrinth sein Licht,
  Die Fahne rasch voranzutragen,
   Wo sich der Dünkel entgegenstemmet.

Auf springt er, wandelt ernster den Bach hinab
 Nach seiner Hütte. Siehe! das Götterwerk,
  Es keimet in der großen Seele.
   Wieder ein Lenz, - und es ist vollendet.

An jener Stätte bauet der Herrliche
 Dir, gottgesandte Ruhe! den Dankaltar.
  Dort harrt er, wonnelächlend, wie die
   Scheidende Sonne, des längern Schlummers.

Denn sieh', es wallt der Enkel zu seinem Grab,
 Voll hohen Schauers, wie zu des Weisen Grab,
  Des Herrlichen, der, von der Pappel
   Säuseln umweht, auf der Insel schlummert.


versalia.de empfiehlt folgendes Buch:
Hölderlin, Friedrich - Hyperion. Oder der Eremit in Griechenland.



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